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Anna Akyildiz: Drei Herzen in der Brust

LÜNEN Wenn am Mittwoch (25. Juni) Deutschland und die Türkei im EM-Halbfinale aufeinander treffen, ist es für Anna Akyildiz, Handballerin des Landesligisten VfL Brambauer, und ihre Familie ein ganz besonderes Spiel. Ein Porträt.

von Von Marco Winkler

, 24.06.2008

Denn im Halbfinale kommt es zum direkten Duell zwischen der Heimat ihres türkischen Mannes Turavi, mit dem sie seit elf Jahren verheiratet ist, und ihrer gemeinsamen Wahlheimat.

„Ich bin natürlich für Deutschland, aber mein Mann ist für die Türkei“, erklärt die gebürtige Polin, schiebt aber nach: „Ich drücke allen drei Ländern die Daumen, wenn sie nicht gerade gegeneinander spielen.“

Multikulti wird in der Familie Akyildiz sowieso groß geschrieben. Die Handballerin zieht ihre beiden Kinder Tuba (11) und Dilara (8) dreisprachig auf. „Das wird ihnen in der Zukunft noch sehr viel helfen“, ist sich Akyildiz sicher.

Laut jubeln wird sie jedenfalls nicht können, denn bereits am Mittwoch Morgen bricht sie mit ihrer Familie in die Türkei auf. Urlaub in Side, dieser war lange geplant und hat überhaupt nichts mit der EM zu tun. „Es wird sicher verwunderte Blicke geben, wenn wir mit unseren deutschen Pässen ausgerechnet an dem Tag in die Türkei einreisen wollen“, freut sich die 31-Jährige schon auf die Passkontrolle am Flughafen.

Fußball nur Sport Nummer zwei

Bisher verfolgte sie die Partien der Deutschen zu Hause vor dem Fernseher. Der berufliche Alltag ließ es nicht anders zu. Am Mittwoch wird sie aber die Zeit haben, um das Spiel zu genießen und die deutsche Mannschaft anzufeuern.

Dabei ist Fußball in Akyildiz Leben eigentlich nur der Sport Nummer zwei. Denn als sie im Alter von zehn Jahren nach Deutschland kam, hat eine Sportstunde in der Schule ihr Leben verändert: „Wir haben Handball gespielt und ich wollte unbedingt mehr darüber wissen und die Sportart kennenlernen“, erinnert sich die heutige Landesliga-Spielerin genau.

Schließlich trat sie beim VfL Brambauer in den Verein ein und wurde immer besser. Im Alter von 17 Jahren feierte sie ihr Debüt in der Oberliga und spielte in der Westfalenauswahl. „Besonders der Beginn war für mich recht schwierig, weil ich kaum Deutsch konnte“, blickt Akyildiz zurück.

Klub als zweite Familie

Doch sie biss sich durch und ist seit mittlerweile 14 Jahren überhaupt nicht mehr aus der Frauen-Mannschaft des VfL wegzudenken. Auch sie identifiziert sich total mit dem Klub: „Das ist wie eine zweite Familie für mich.“ Worte, die nicht einfach so über die Lippen kommen, sondern auch nachzuweisen sind.

Tochter Tuba spielt in der C-Jugend, Tochter Dilara bei den D-Junioren. Auch Akyildiz Nichten Monika und Martha Rykowski stehen kurz vor dem Durchbruch in die erste Mannschaft. Eigentlich müsste sich jetzt nur noch Turavi Akyildiz dem Klub anschließen...  

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