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Auch Verzicht auf Fernsehen kann den Geist öffnen

SÜDKIRCHEN Die 40 Tage lange Fastenzeit vor Ostern ist halb vorüber. RN-Redakteur Matthias Münch führte ein Interview über das Fasten mit Südkirchens Pastor Dr. Axel Schmidt.

von Von Matthias Münch

, 26.02.2008

Herr Pastor, wie ernähren Sie sich seit Aschermittwoch? Schmidt: Wie immer, muss ich gestehen. Am Aschermittwoch habe ich gefastet. Aber sonst hat sich mein Speiseplan nicht verändert.

Welche Bedeutung hat das Fasten für die Christen? Schmidt:Man kann auf Jesus verweisen, der 40 Tage lang in der Wüste fastete, bevor er sich in die Öffentlichkeit begab. Für Christen ist das Fasten eine Zeit der Läuterung und Reinigung. Der Geist soll frei werden für hohe moralische Aufgaben. Insbesondere hat das Fasten auch die Funktion, der Sünde entgegen zu wirken. Es mindert den Egoismus und öffnet das Herz für die Armen.

Welchen Stellenwert hat die Fastenzeit heute? Schmidt: Man hat es etwas vergeistigt und ist von früheren strikten Vorschriften, z. B. kein Fleisch zu essen, abgewichen. Heute kann Fasten auch Verzicht auf Fernsehen, Computer oder andere Vergnügungen bedeuten.

Wie steht es um das Fasten in Ihrer St. Pankratius-Gemeinde? Schmidt: Ich habe natürlich keinen Überblick, was die Leute so machen. Aber bei den meisten hat die Fastenzeit nicht mehr die Bedeutung wie vor zwei, drei Generationen. Das trifft auch ganz allgemein auf die Religion zu.

"Führt das intensive Fasten wirklich zu mehr Nächsten- und Gottesliebe?"

Im Islam scheint das nicht so zu sein. Der Fastenmonat Ramadan wird von vielen sehr ernst genommen. Sind die Muslime da vorbildlich? Schmidt: Das hat zwei Seiten. Es gibt im Islam einen großen religiösen Eifer, den man bewundern darf. Denn überall wo Eifer erlahmt, liegt Mangel vor. Andererseits muss man die Gefahr des Ritualismus erkennen, zu der eine reine, Buchstaben getreue Gebotserfüllung führen kann. Das hat Jesus an den Pharisäern kritisiert. Man muss die Frage stellen: Führt das intensive Fasten der Muslime wirklich zu mehr Nächsten- und Gottesliebe? Denn das ist der Sinn des Fastens - auch in anderen Religionen. Der Geist soll durch das Fasten befreit werden. Und das nicht als Selbstzweck, sondern als Öffnung zu anderen Menschen. So kann etwa der Verzicht auf Fernsehen ermöglichen, dass Eltern und Kinder oder Ehepartner mehr miteinander reden. Das würde sich sicherlich positiv auf das Zusammenleben vieler Familien auswirken.

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