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„Back for Good“: Starke Tragikomödie um trashiges TV-Starlet

Berlin. Wenn Kim Riedle in dieser quirligen Komödie mit viel Verve über die Leinwand stöckelt, bleibt kein Auge trocken: Das Kinodebüt der jungen deutschen Regisseurin Mia Spengler unterhält und bewegt.

„Back for Good“: Starke Tragikomödie um trashiges TV-Starlet

Angie (Kim Riedle) ist ein ehemaliges TV-Starlet. Sie träumt täglich davon, ein Comeback zu feiern. Foto: Falko Lachmund/NFP

Erstaunlich, wie viel an positiver Aufmerksamkeit die junge Regisseurin Mia Spengler mit ihrem Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg bereits hat auf sich ziehen können: 2017 eröffnete „Back for Good“ die wichtige Nachwuchsreihe „Perspektive Deutsches Kino“ bei der Berlinale.

Im selben Jahr wurde der Film mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis als bester Spielfilm ausgezeichnet und kürzlich konkurrierte Kim Riedle, die Hauptdarstellerin, in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ neben Diane Kruger und Marie Bäumer gar um den Deutschen Filmpreis. Und auch wenn schließlich Bäumer die goldene Lola mit nach Hause nahm, so trägt Riedle doch einen großen Anteil am Gelingen von „Back for Good“. Einer Tragikomödie aus deutschen Landen, die mit viel (teils auch derbem) Humor sowie einigen erschütternden Familien-Momenten aufwartet.

Die bisher im Kino so gut wie gar nicht, dafür jedoch in Fernsehserien wie „Verbotene Liebe“ oder „Tatort“ in Erscheinung getretene Schauspielerin (Jahrgang 1982) mit schwäbischen und mazedonischen Wurzeln schlüpft in diesem so aufgekratzten wie melancholischen 90-Minüter mit Verve und großer Glaubwürdigkeit in die Haut von Angie: einem wasserstoffblonden, sonnenstudiobraunen, just aus der Entzugsklinik entlassenen, ehemaligen TV-Starlet, das gern auf 25-Zentimeter-High-Heels durchs Leben stolziert. Angie liebt kurze Röcke, lange Fingernägel und Push-up BHs. Sie kann tüchtig nerven und ziemlich lässig an einer der vielen, von ihr konsumierten Zigaretten saugen. Angie starrt ständig auf ihr Handy und denkt ständig an ihr Comeback: „Vom Entzug ins Dschungelcamp, bam!“.

Ganz so einfach indes stellt sich die Rückkehr in die bunte Welt der B- und C-Promis dann doch nicht dar, zumal sich Angies Freund (und Manager) jüngst von ihr getrennt hat und sie daher bei Mama (ebenfalls recht stark: Juliane Köhler) unterschlüpfen muss. Dort trifft sie auch auf ihre pubertierende Schwester: Wegen ihrer Epilepsie muss Kiki ständig einen Schutzhelm tragen und wird von der Mutter drangsaliert. Sukzessive offenbart sich, welche Hypothek auf der pathologischen Dreierbeziehung lastet, die Angie mit Schwester und Mutter verbindet. Die Dinge sind nicht alle so in dieser Familie, wie sie zunächst erscheinen. Und bei allem Humor, den dieser Debütfilm immer wieder auf die Leinwand bringt, muss man doch als Zuschauer manch heftige Überraschung schlucken.

Mia Spengler, 1986 in München als Tochter einer Koreanerin und eines Bayern geboren, gelingt mit „Back for Good“ ein veritables Kunststück - ist der Film doch zu gleichen Teilen berührendes Familiendrama wie bitterlustige Medienkritik. Irgendwann fällt ein Satz, der den ganzen YouTube-Facebook-Instagram-Influencer-Celebrity-Netz-Irrsinn wunderbar auf den Punkt bringt: „Egal, was für ’ne Scheiße man macht, Hauptsache es schaut jemand zu“. Bei „Back for Good“ jedenfalls handelt es sich um ein erstaunlich reifes, ein erstaunlich vielschichtiges, ein wunderbar besetztes, ein über weite Strecken aber auch einfach ziemlich unterhaltsames Kinodebüt. Ein Debüt, das Lust macht auf mehr.

Back for Good, Deutschland 2017, 90 Min., FSK ab 12, von Mia Spengler, mit Kim Riedle, Leonie Wesselow, Juliane Köhler

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