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Bayuk und sein verkleideter Pop

Berlin. „Rage Tapes“ nennt Bayuk seine Platte, „Shoot Me“ einen Song und Hardcore-Pop den Stil. Klingt martialischer, als es ist. Doch wird der junge Schwabe damit zu einem der interessantesten Newcomer.

Bayuk und sein verkleideter Pop

Bayuk streift durch Neukölln. Foto: Gregor Fischer

Magnus Hesse klingt nach Deutsch-Pop. Sagt Magnus Hesse. „Aber den mach ich ja nicht“, schiebt er schnell hinterher. Deshalb gibt sich der 26-Jährige als Künstler den etwas mystischen Namen Bayuk.

Und der passt dann auch wieder zu seiner Musik. Denn die ist so traumverloren wie experimentell, und dazu so stylish wie der Sänger selbst. Mit „Rage Tapes“ bringt er eines der interessantesten Debüts des Jahres heraus.

Seinen Stil bezeichnet er als Hardcore-Pop. Soll heißen? Im Kern seien die neun Tracks auf der Platte ziemlich schlichte Pop-Songs, sagt Bayuk, die an der Akustikgitarre entstanden. „Im Studio haben wir die dann größenwahnsinnig aufgeplustert.“ Zuweilen ist seine Stimme verzerrt, es gibt Streicher, Handclaps, Trip-Hop- und Jazz-Anleihen. Voller Borstigkeit und Knistern sind die rätselhaften Arrangements. Oft fransen die Songs an den Rändern aus - so wie die Liebe (oder deren Ende), die sie besingen.

Der stampfende Album-Opener „Phantom Track“ ist die perfekte Stimmung für eine warme Sommernacht im Freien. „Old June“ (mit zauberhaft trashigem Video) ist ein berauschendes Gepucker und Blubbern, das sich irgendwo zwischen Radiohead, alt-J und James Blake einnistet. Für „Shot Me“, mit 16 im Liebeskummer geschrieben, lässt Bayuk ein ehrliches, weltschmerzendes Teenagerherz brechen. Im tieftraurigen „Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz“ singt er zum schrammeligen „Auld Lang Syne“-Sample: „Yes you are in the way of my happiness.“ Man sieht: Das, was draußen drauf steht, ist oft gar nicht drin.

„Es ist verkleideter Pop“, sagt Bayuk der Deutschen Presse-Agentur. „Die Songs sind teilweise so melancholisch und schwermütig auf diesem Album, aber ich selbst als Typ und als Künstler bin kein Trauerklos.“ Und so zeigt er sich auch auf dem Albumcover: farbenfroh, nur wenig Bartwuchs, offene lange Haare, der Blick gedankenverloren, sogar ein wenig verwegen. „Auf den Fotos sehe ich ja teilweise aus, als würde ich Hip-Hop machen.“

Gediegen aufgewachsen ist er im schwäbischen Tübingen: humanistisches Gymnasium, Blockflöte, Cello und Klavier, Jugendsymphonieorchester, drei Geschwister. „Ich bin wohlbehütet in diesem Tübinger Kulturnest großgeworden“, sagt er. Nach seinem Studium der Literatur, Kunst und Medienwissenschaften wurde er an der Filmhochschule nicht genommen. Bei der zweiten Ablehnung sagte er zu sich: „Dann geh ich nach Berlin und zieh das Musik-Ding voll durch.“ Seit kurzem lebt er in Neukölln, dort, wohin es diejenigen zieht, die Raum für ihre Kunst brauchen.

Und warum nun „Bayuk“? Damit haben die amerikanischen Ureinwohner die trägen, waldreichen Sumpflandschaften an der Mississippi-Mündung im heutigen Louisiana bezeichnet. Das Wort, so der Sänger, sei schön verschleiernd. „Ich mochte es, mich hinter einem Namen verstecken zu können und nicht eins zu eins die Person darstellen zu müssen, die ich jeden Tag bin.“ Sagt Magnus Hesse. Alias Bayuk.

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