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Bierhoff wird 50: „Das Golden Goal hat mein Leben verändert“

München. Europameister, Torschützenkönig in Italien und Weltmeister als Manager: Die Fußballvita von Oliver Bierhoff ist eine Erfolgsstory. Seit 14 Jahren ist der Jubilar beim DFB. Zum „Superminister“ ist er jüngst aufgestiegen. Grenzen kennt er nicht, Visionen schon.

Ab und zu schlüpft Oliver Bierhoff noch in seine frühere Paraderolle. Beim Training der Nationalmannschaft hilft der Manager auch als fortgeschrittener Altherrenfußballer gerne als Mittelstürmer aus.

Und dann muss sich Bierhoff, der am 1. Mai 50 Jahre alt wird, im Übungsspiel mit robusten Weltmeistern wie Jérôme Boateng oder Mats Hummels im Kopfballduell messen.

Es wird dann auch schon mal geflachst auf dem Platz. Aber der sportlich schlanke Ex-Kapitän Bierhoff macht immer noch eine gute Figur im Deutschland-Trikot, in dem er seinen größten Moment am 30. Juni 1996 in London erlebte: Im EM-Finale gegen Tschechien wechselte ihn Bundestrainer Berti Vogts beim Stand von 0:1 für Mehmet Scholl ein. Fünf Minuten später glich Bierhoff im Wembleystadion aus. Und in der Verlängerung erzielte er dann das „Golden Goal“ zum 2:1, das Deutschland den dritten und bislang letzten EM-Titel bescherte.

„Ich habe im Leben nicht daran gedacht, dass der Ball reingeht“, sagte Bierhoff rückblickend über jenes haltbare Schüsschen, das Tschechiens Torwart Petr Kouba durch die Hände gleiten ließ.

Es war das bedeutendste seiner 37 Tore in 70 Länderspielen, die der ehemalige Bundesliga-Profi (Bayer Uerdingen, Hamburger SV, Gladbach) und langjährige Italien-Legionär erzielte. Bei Udinese Calcio wurde er 1998 mit 27 Toren Torschützenkönig der Serie A. Mit dem AC Mailand holte der kopfballstarke Angreifer ein Jahr später den Meistertitel. 2002, nach dem verlorenen WM-Finale im japanischen Yokohama gegen Brasilien, endete Bierhoffs internationale Karriere.

„Das Golden Goal hat mein Leben verändert“, sagte Bierhoff. Es verschaffte ihm Anerkennung, Ruhm, auch lukrative Werbeverträge. Und es verhalf ihm wohl auch zum Job des Nationalmannschaftsmanagers, den er seit 2004 ausübt. Jürgen Klinsmann, dessen Flanke er im EM-Finale zum Siegtor verwandelt hatte, wählte als Bundestrainer den einstigen Sturmpartner auch für die neue Position des DFB-Teammanagers aus.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die für Bierhoff an der Seite von Joachim Löw im WM-Titel 2014 in Brasilien ihren bisherigen Höhepunkt fand. Löw hat als Klinsmann-Nachfolger die Nationalelf zur Nummer 1 in der Welt geformt. Und Bierhoff hat das Aushängeschild des deutschen Fußballs zu einer lukrativen Marke weiterentwickelt.

In der Anfangszeit eckte er auch an. Vor der WM 2010 etwa platzte eine Vertragsverlängerung der Sportlichen Leitung um Löw zunächst unter lautem Getöse. Es kam auch immer wieder zu Reibereien mit den Bundesligaclubs, etwa wegen Bierhoffs Geschäftstüchtigkeit und Sponsorendeals. Es gab Dispute mit Vereinsgrößen wie Rudi Völler, der ihm „mehr Demut und größere Zurückhaltung“ nahelegte. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete Bierhoff sogar als „Ich-AG vom Starnberger See“. In der Gemeinde Berg am Starnberger See lebt Bierhoff mit Frau und Tochter.

Die Kritiker sind längst verstummt. Bierhoffs eigentlicher Arbeitsplatz ist in Frankfurt. In der DFB-Zentrale verantwortet er nach einer Strukturreform seit Jahresbeginn alle Nationalteams sowie die Fußballentwicklung. Auch sein Lieblingsprojekt, die DFB-Akademie, die er auch gegen interne Widerstände durchboxen konnte, gehört zum neuen Wirkungsbereich.

2021 soll das Millionenprojekt fertiggestellt sein. Ein Jahr nach Ablauf seines Vertrages, den er sicherlich demnächst verlängern wird. „Es macht großen Sinn, eine solche Tätigkeit langfristig anzulegen“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel zu Bierhoffs neuem Posten. Der Manager ist ein DFB-Mann geworden, auch wenn er früher bisweilen mit einem Bundesligajob liebäugelte.

Das Etikett „Superminister“, das ihm angeheftet wird, hört und liest Bierhoff nicht gerne. Die größte DFB-Direktion aber leitet er mit Freude und Enthusiasmus. Er hat Visionen. Herausforderungen treiben ihn an. „Ich kenne das nicht: Setze dir Grenzen!“ Darum sieht er den deutschen Fußball gerade aktuell, als Weltmeister, gefordert. „Wir brauchen den nächsten Masterplan“, lautet eine seiner Parolen.

Erst einmal aber kommt die Weltmeisterschaft auf ihn zu. Es ist sein viertes WM-Turnier als Manager. Seine Hauptaufgabe ist es, optimale Rahmenbedingungen für Trainer, Spieler und Betreuer zu schaffen. In der Quartierfrage musste Bierhoff auch Löw erst von den Vorteilen Moskaus gegenüber dem Urlaubsort Sotschi überzeugen. „Alles andere wäre fahrlässig gewesen“, sagte er.

Bierhoff will wieder den WM-Pokal in Händen halten, am 15. Juli nach dem Finale in Moskau. „Wir dürfen kein Prozent vermissen lassen, wir starten bei Null.“ Und wenn nötig, wird er auf dem Trainingsplatz in seine alte Rolle schlüpfen.

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