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Laie darf beerdigen

CASTROP-RAUXEL Johannes Schoenen sagt von sich selbst, er habe eine gesunde Affinität zum Tod. Da war der gedankliche Weg zu Laien-Beerdigungen nicht weit für den Gemeindereferenten im Pastoralverbund Castrop-Rauxel Süd. Seit Dezember 2007 bringt der 45-Jährige Verstorbene unter die Erde – ohne priesterliche Weihe.

von Von Christoph Wittte

, 10.06.2008
Laie darf beerdigen

Johannes Schoenen, Gemeindereferent des Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd, führt Bestattungen durch.

„Eigentlich sind Beerdigungen Priestern oder Diakonen vorbehalten“, sagt Johannes Schoenen. „Nur in der absoluten Diaspora führen Laien auch Bestattungen durch.“ Doch schon in den 70er-Jahren haben die deutschen Bischöfe auf der Würzburger Synode beschlossen, dass auch Nichtgeweihte beerdigen dürfen. Im Bistum Paderborn, zu dem Castrop-Rauxel gehört, ist dies aber erst seit einem Jahr möglich. Und Johannes Schoenen ist der bis dato einzige Laie aus Castrop-Rauxel, der Beerdigungen durchführt.

„Es ist nunmal so, dass wir im gesamten Pastoralverbund, dazu gehören St. Lambertus, Franziskus, Schutzengel, Elisabeth, Marien und Heilig Kreuz, bis zu 250 Beerdigungen im Jahr haben. Die Priester wären damit alleine überlastet“, sagt der studierte Religionspädagoge. „Wenn es jungen Nachwuchs gäbe, würde die Kirche aber sicherlich nicht auf Laien ausweichen.“ Johannes Schoenen, für den der Tod kein Tabuthema ist und der eine zweijährige Ausbildung als Trauerbegleiter vorzuweisen hat, bot seine Unterstützung an und bekam den Segen der katholischen Kirche. Dass einige Menschen Probleme damit haben, von einem Nicht-Priester beerdigt zu werden, diese Erfahrung hat Johannes Schoenen noch nicht gemacht. „Im Moment der Trauer ist das für die Menschen unwesentlich“, meint der dreifache Vater. „Wichtig ist, dass die Feier würdevoll und persönlich geleitet wird. Ich denke, es würden eher Fragen aufkommen, wenn das eine Frau macht.“ Wobei die katholische Kirche sich diesbezüglich weltoffen zeigt und Frauen zulässt.

Achten tut sie allerdings auf Lebenserfahrung, rhetorisches Geschick und psychische Belastbarkeit. „Manche Beerdigungen etwa von Kindern oder Bekannten gehen einem durchaus nach“, so Schoenen, der bald auch als Notfallseelsorger tätig wird. „Wenn ich allerdings bei jedem Gespräch mitweinen würde, wäre den Trauernden nicht geholfen.“ Beerdigungen, so Schoenen, bergen auch Optimismus in sich. „Wir haben die christliche Hoffnung der Wiederauferstehung, und ich kann den Verstorbenen den Weg ins Licht zeigen.“

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