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Projekt mit verfolgtem Journalisten geplant

Can Dündar zu Gast am Westfälischem Landestheater

Er wird verfolgt, weil er nicht auf einer Linie mit der türkischen Regierung ist und ihm von der Justiz in der Türkei Spionage unterstellt wird. Jetzt denkt das Westfälische Landestheater über ein gemeinsames Projekt mit Can Dündar, dem ehemaligen Chefredakteur der „Cumhuriyet“, nach.

Castrop-Rauxel

11.04.2018
Projekt mit verfolgtem Journalisten geplant

Das WLT in Person von Ralf Ebeling (l.), Christian Scholze (2.v.l.) und Direktor Günter Wohlfarth (r.) hatte prominenten Besuch: Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar plant ein Projekt zusammen mit dem Landestheater. Er ist umstritten, weil er nicht auf Linie der Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan ist. © WLT

Das Westfälische Landestheater hatte in der vergangenen Woche einen besonderen Gast in Castrop-Rauxel: Can Dündar, der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, lebt zurzeit im Exil in Deutschland und traf sich jetzt mit der Theaterleitung. Es ging auch um ein geplantes gemeinsames Projekt.

Günter Wohlfarth, der Geschäftsführende Direktor des WLT, Intendant Ralf Ebeling und Dramaturg Christian Scholze unterhielten sich mit ihm: „Wir haben den Kontakt zu Can Dündar gesucht und schauen, ob wir ein gemeinsames Projekt realisieren können“, erzählt Christian Scholze im Nachgang. Can Dündar, der im Mai 2015 darüber berichtet hatte, dass die türkische Regierung Munition an den IS in Syrien geliefert hat, wurde in seiner Heimat wegen Geheimnisverrats zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Im Mai 2016 wurde vor dem Gericht ein Attentat auf ihn verübt. Er musste die Türkei verlassen und wohnt seitdem in Berlin. In einem für ihn fremden Land lebt er unter Polizeischutz getrennt von seiner Frau und seinem Sohn.

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„Es ist wichtig, den Menschen eine Stimme zu geben, die unter der fehlenden Presse- und Meinungsfreiheit in ihren Heimatländern leiden. In die Reihe unserer politischen und interkulturellen Stücke passt dieses Thema aufgrund seiner Aktualität sehr gut“, so Günter Wohlfarth. Christian Scholze, der den Kontakt initiiert hat, ergänzt: „Wir möchten Can Dündars Anliegen folgen, dass die Türkei, wie wir sie aus den Medien kennen, nicht die Türkei ist, wie sie wirklich ist. Es gibt eine ganze Menge Türken, die sich massiv gegen die bestehende Regierung auflehnen und für Werte, wie die Meinungsfreiheit, einstehen.“ Can Dündar zeigte sich bei dem Treffen am Westfälischen Landestheater von der Idee einer Zusammenarbeit begeistert und freut sich über die Möglichkeit, mit einem Landestheater viele Menschen in der Fläche zu erreichen. „Wir planen ein Projekt über Can Dündar. In welcher Form und wann wir es umsetzen, müssen wir nun schauen“, so Ralf Ebeling.

Erst kürzlich war Can Dündar in den Schlagzeilen: Das Gericht forderte das türkische Justizministerium dazu auf, mithilfe von Interpol Can Dündars genauen Aufenthaltsort festzustellen und ihn festnehmen zu lassen. Für die „Zeit“ schreibt Dündar heute eine Kolumne.