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Streit um Gastspiel des Moskauer Circus in Castrop-Rauxel

Pfeift die Stadtverwaltung auf einen Ratsbeschluss?

Der Moskauer Circus gibt ein Gastspiel in Castrop-Rauxel. Vom 17. bis 21. Mai werden Zirkusartisten an der Europahalle ihre Zelte aufschlagen. Die „One World Tour“ verspricht ein abwechslungsreiches Zwei-Stunden-Programm. Aber der sprichwörtliche „Zirkus“ hat schon vorher begonnen. Es gibt Streit.

Castrop-Rauxel

, 15.05.2018
Streit um Gastspiel des Moskauer Circus in Castrop-Rauxel

Der Moskauer Circus ist mit seiner "One World Tour" vom 17. bis 21. Mai in Castrop-Rauxel zu Gast. © Moskauer Circus

Stimmt das, was in der dicken Ankündigungsmappe des Moskauer Circus steht, die unsere Redaktion vergangene Woche erhielt, dann kommen internationale Zirkus-Artisten der Spitzenklasse nach Castrop-Rauxel. Die Künstler seien für ihre Perfektion bekannt, heißt es, und vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Jetzt aber gibt es Castrop-Rauxeler, die anzweifeln, ob die Künstler ihr Können in Castrop-Rauxel überhaupt zeigen dürften.

Die zweistündige Show zeichne sich durch große Abwechslung aus – Akrobatik, Zauberei, Artistik. Und Tiere. Raubtiere sogar. Denn am Tag vor der ersten Aufführung, also am Mittwoch (16. Mai) soll es eine öffentliche Raubtierfütterung geben. Und genau dieser Fakt ist für Nils Bettinger (FDP) und „Die Partei“ um Marcus Liedschulte Auslöser gewesen, sich an die jüngere Geschichte der Ratssitzungen zu erinnern.

Am 29. Oktober 2015 beschloss der Stadtrat eine Petition der Tierfreunde Castrop-Rauxel. Berichtet hatten die Zeitungen damals schon darüber – aber vor allem mit Blick auf den Verbot des Ponyreitens auf Kirmessen. Es ging aber ebenso um ein Gastspielverbot von Zirkusbetrieben mit Wildtieren. Den einen Teil, nämlich das Ponyreiten auf Kirmessen zu verbieten, lehnte der Rat aus formalrechtlichen Gründen ab – und zwar einstimmig. Er verabschiedete aber auch einen Appell an die Tochtergesellschaft EUV als Kirmesveranstalter, dem Begehren der Tierfreunde bei zukünftigen Kirmesveranstaltungen in Castrop-Rauxel zu entsprechen.

So beschloss 2015 der Rat

Anders lautete damals der Zirkus-Beschluss: „Der Rat der Stadt beschließt einstimmig, Zirkusbetrieben, die freilebende Wildtiere – ohne Arten, welche als Nutztiere domestiziert sind – zur Schau stellen oder vorführen, keine städtischen Flächen für Gastspiele oder Quartiere zur Verfügung zu stellen.“ Dieser Beschluss, ebenso einstimmig wie der erste, ist eindeutig: Eigentlich hätte die Stadtverwaltung einem Zirkus, der zu einer öffentlichen Raubtier-Fütterung einlädt und auf Plakaten mit „seltenen weißen Tigern“ wirbt, den Europaplatz nicht vermieten dürfen.

Oder wie „Die Partei“ es formuliert: „Die Verwaltung scheint dies nicht sonderlich zu interessieren.“ Das „(Un)Ordnungsamt“ falle „durchaus öfters durch besondere Inkompetenz auf“. Nils Bettinger schreibt bei Facebook etwas nüchterner: „Als Ratsmitglied habe ich die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass die erteilte Nutzungsgenehmigung für die Fläche an der Europahalle unserem Ratsbeschluss entgegensteht.“

Die Stadt gibt sich kleinlaut: Auf eine Anfrage unserer Redaktion antwortete sie am Montagnachmittag mit einer Pressemitteilung. Darin heißt es: „Auch wenn dem Rat der Stadt damals deutlich gemacht wurde, dass ein förmlicher Beschluss rechtlich nur schwer Bestand haben würde, so fühlt sich die Stadtverwaltung auch den beschlossenen Petitionen und Resolutionen des Rates ausdrücklich verbunden und an sie gebunden. Sie stellen die moralischen Leitlinien für ihr Handeln dar. Im Fall des aktuellen Zirkusgastspiels über das Pfingstwochenende auf der Wiese neben der Europahalle ist leider zu spät bekannt geworden, dass der Zirkus mit Wildtieren anreist.“

Mit Wildtieren oder ohne?

In den vergangenen Jahren sei derselbe Zirkus, mehrfach zu Gast, jedes Mal mit Programmen ohne Wildtiere aufgetreten. Beispielhaft nennt die Verwaltung eine Show mit einem großen Sonderprogramm zum Tod des Clowns Oleg Popow. Die Forum GmbH, Tochtergesellschaft der Stadt für Veranstaltungsmanagement, den Betrieb von Stadt- und Europahalle und für die Vermietung der Wiese zuständig, sei davon ausgegangen, „dass der Zirkus auch in diesem Jahr ein Programm ohne Wildtiere präsentieren wird“. Sie werde den aktuellen Sachverhalt zum Anlass nehmen, um künftig „jegliche Anfragen von Zirkusbetrieben im Stadtgebiet nach potenziellen Beteiligungen von Wildtieren zu überprüfen“, so die Pressestelle der Stadt.

Für die diesjährige Tournee des Moskauer Circus seien über 20 Artisten und Tierlehrer verpflichtet worden, kündigt das reisende Unternehmen an. Sie dürften nach den Worten der Stadt also von Donnerstag bis Pfingstmontag in insgesamt neun Vorstellungen auftreten. Die Partei kündigte in Person von Marcus Liedschulte Protestaktionen gegen den Zirkus an. Eine erste Demonstration soll es laut Liedschulte am Donnerstag, 17. Mai, um 18.30 Uhr geben. Treffpunkt ist am Hallenbad an der Bahnhofstraße 189. Und auch an allen anderen Veranstaltungstagen seinen Demos und Kundgebungen angemeldet. Zudem prüfe eine Klage, hieß es am Wochenende von Die Partei.

Auf die Frage unserer Redaktion, ob die Stadtverwaltung Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen sehe oder sie den Circus dahingehend überprüfen werde, hieß es lapidar: „Für Überprüfungen nach dem Tierschutzgesetz ist das Kreisveterinäramt zuständig.“

Veterinäramt prüft den Zirkus auch vor Ort

Das bestätigte auf unsere Nachfrage Jochem Manz, Sprecher des Kreises Recklinghausen. Das Amt habe sich schon im Vorfeld des Zirkus-Gastspiels kundig gemacht und den Kontakt zum Zirkus gesucht. Der habe mitgeteilt, dass man mit Tigern, Hunden und Ponys komme. Manz: „Die Ausstellungserlaubnis für die Tiere liegt vor und auch sämtliche anderen Unterlagen, die nötig sind, sind vorhanden. Aus Sicht des Kreisveterinäramts also unbedenklich.“ Trotzdem werde man dem Zirkus natürlich auch vor Ort einen Besuch abstatten, „um Angaben und Tatsachen, Tier und Papiere quasi abzugleichen“, so der Kreissprecher.

Kurrek sagt aus Krankheitsgründen Besuch bei Raubtierfütterung ab

Ein vom Zirkus geplanter Programmpunkt noch vor der ersten Show wird keine prominente Begleitung der Stadt mehr bekommen: Für Mittwoch um 14 Uhr war zu einer öffentlichen Raubtierfütterung auch der stellvertretende Bürgermeister Hans-Hugo Kurrek (CDU) angekündigt. Nils Bettinger (FDP) am Montag dazu: „Bemerkenswert, dass er im Rat dafür gestimmt hat, dass Zirkusse mit Wildtieren nicht mehr auftreten dürfen, jetzt aber erwähnt wird, dass er die Raubtierfütterung begleiten will.“ Herr Kurrek müsse den Termin der Raubtierfütterung „aus Krankheitsgründen absagen“, teilte Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann am Montagnachmittag auf Anfrage mit.

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Die Vorstellungen:
  • Donnerstag, 17. Mai, jeweils 16 und 19:30 Uhr
  • Freitag, 18. Mai, jeweils 16 und 19:30 Uhr
  • Samstag, 19. Mai, jeweils 16 und 19:30 Uhr
  • Sonntag, 20. Mai, 14 und 17 Uhr
  • Monat, 21. Mai, um 14 Uhr
Karten unter Tel. 01577/4351119, www.moskauer-circus.com und www.reservix.de