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Chinas Notenbankchef: Keine Yuan-Abwertung geplant

Peking/Hongkong/Washington. Die Volksrepublik setzt erneut auf Deeskalation, um den Handelsstreit mit den USA zu entschärfen. China beteuert, seine Landeswährung im Exportwettlauf nicht abzuwerten. Der IWF sieht aber noch keinen Grund zur Entwarnung.

Chinas Notenbankchef: Keine Yuan-Abwertung geplant

Der Chef der Zentralbank von China, Yi Gang, plant vorerst keine Abwertung des Yuan im Handelsstreit mit der USA. Foto: Aijaz Rahi/AP

Im Handelsstreit mit den USA verzichtet China abermals auf Schritte der Eskalation. Man werde die Landeswährung Yuan nicht abwerten, um auf die Spannungen zu reagieren.

Das sagte der chinesische Zentralbankchef Yi Gang auf dem asiatischen Wirtschaftsforum in Bo'ao in Südchina. Damit reagierte er auf Medienberichte, wonach Chinas Zentralbank dies prüfe. Zudem kündigte das Land eine weitere Öffnung der Kapitalmärkte an. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, zeigte sich dennoch besorgt. Sie warnte eindringlich vor einem Aufkündigen des internationalen Handelssystems.

Mit dem Versprechen einer weiteren Öffnung hatte Chinas Präsident Xi Jinping bereits am Dienstag die Sorgen über eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA dämpfen können. Ohne den Konflikt mit US-Präsident Donald Trump direkt zu erwähnen, stellte er allgemein mehr Marktzugang, geringere Zölle auf Autoimporte und bessere Investitionsbedingungen in Aussicht. Trump erklärte daraufhin, er sei sehr dankbar für Xi Jinpings freundliche Worte.

Zudem kündigte China am Mittwoch an, seine Finanzmärkte weiter zu öffnen. Es sei beabsichtigt, in diesem Jahr eine Handelsverbindung zwischen der Börse in Shanghai und der Londoner Börse einzuführen, sagte Zentralbankchef Yi Gang.

Der Schritt sei zwar nur symbolischer Natur, sagte Analyst Huang Dongsheng vom Vermögensverwalter Weifang Fund. Britische Anleger könnten schon jetzt etwa über eine Verbindung mit der Börse in Hongkong Aktien von Unternehmen Festland-Chinas erwerben. Allerdings unterstreiche der Schritt, dass China seinem Kapitalmarkt weiter öffnen und die Landeswährung Yuan als Weltwährung etablieren wolle.

Mit den Schritten bewegt sich Peking wieder mehr Richtung Freihandel, nachdem die Zeichen im Konflikt mit den USA zunächst auf Abschottung gestanden hatten. Nach der Ankündigung wechselseitiger milliardenschwerer Strafzölle zwischen Washington und Peking hatten Beobachter eine Eskalation befürchtet. Ähnliche Wettläufe sind mit der Abwertung von Währungen möglich, um eigene Exportgüter auf dem Weltmarkt billiger zu machen.

Die IWF-Chefin Lagarde, warnte indes eindringlich vor einem Aufkündigen des internationalen Handelssystems. „Das regelbasierte System der gemeinsamen Verantwortung läuft Gefahr, jetzt auseinandergerissen zu werden“, sagte Lagarde in Hongkong, wenige Tage vor dem Beginn der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. „Das wäre ein unentschuldbares, kollektives Politikversagen“, betonte sie.

Das von der Welthandelsorganisation (WTO) und anderen internationalen Organen überwachte System habe dazu beigetragen, die Zahl der Menschen in extremer Armut über eine Generation zu halbieren. „Es hat die Lebenshaltungskosten verringert und Millionen von gut bezahlten Jobs geschaffen“, sagte Lagarde. Sie forderte alle Beteiligten auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um Handelsschranken zu senken und Streitigkeiten zu schlichten, ohne zu Extremmaßnahmen zu greifen.

Die Französin rief zudem zur Wachsamkeit vor Fiskalrisiken auf. Nach Jahren des extrem billigen Geldes habe sich der weltweite Schuldenstand auf ein Allzeithoch von 164 Billionen Dollar erhöht. „Die Schulden der öffentlichen Haushalte in entwickelten Ländern sind auf einem Stand, den wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben“, sagte die IWF-Chefin. Dies könne schnelle Kurskorrekturen nötig machen, die vor allem in Niedriglohnländern und Entwicklungsländern zu spüren wären.

Es gelte jetzt, in wirtschaftlich günstigen Zeiten, die nötigen politischen Schritte zu gehen, um die Volkswirtschaften auf schlechtere Jahre vorzubereiten. „Wir müssen das Dach reparieren, solange die Sonne noch scheint“, sagte Lagarde.

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