Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

«Aber dieses Mal war alles anders»

Mutter für Tod des Kindes verantwortlich

31.05.2007

Dorsten/Essen Naiv, unreif, ohne Selbstwertgefühl - so charakterisiert Psychiater Norbert Leygraf die Persönlichkeit einer 31-jährigen Dorstenerin, die für den Tod ihres kleinen Sohnes verantwortlich gemacht wird. Die Anklage vor dem Essener Schwurgericht lautet: Körperverletzung mit Todesfolge. Ihr kleiner Sohn habe an jenem Tag nur geschrieen, erzählt die Angeklagte leise schluchzend. «Ich habe ihn angemeckert, ihm gesagt, dass ihn keiner mehr mag, wenn er so schreit», schildert die Frau, was am 2. Januar vergangenen Jahres passierte. «Ich habe mich vorher um ihn bemüht, habe gesungen, ihn geschaukelt, gestreichelt, auf die Couch gesetzt, um mit ihm zu schmusen. Aber ich hatte das Gefühl, dass er mich wegdrückt. Das war immer so, dass er mich wegdrückte.» Gegen 14 Uhr habe sie ihn dann in ihr Ehebett legen wollen. «Ich wollte es machen wie immer: hinlegen, Tür zu, fertig. Aber es war alles anders», berichtet sie weinend. «Ich habe ihn genommen und einmal mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen. Ich weiß nicht warum. Ich habe mich selbst erschrocken über mich, als ich den Knall hörte.» Sie legte den Jungen dann hin. Äußerliche Verletzungen waren nicht sichtbar. Aber der Schlag hatte einen Schädelbruch, Hirnhautblutung und -schwellung zur Folge. Als die 31-Jährige gegen 16 Uhr nach dem Kind schaute, war es tot. Der Junge wurde nur dreieinhalb Monate alt. Nach Angaben der Angeklagten war er ein «Schreikind», ganz anders als sein heute dreijähriger Bruder. Erst wenige Monate vor Geburt des zweiten Kindes hatte das Paar geheiratet, nachdem es schon zehn Jahre zusammen war. Eine problematische Beziehung mit viel Streit und zwischenzeitlichen Trennungen. Ihr Mann habe sich nicht viel um die Familie gekümmert und die Wochenenden mit seinen Kumpels verbracht. Sie habe schon vorher Angst gehabt, dass sie allein mit zwei Kindern nicht fertig werde. Am Tattag hatte der Ehemann nach einiger Zeit der Arbeitslosigkeit seinen ersten Arbeitstag im neuen Job. «Sie hat Angst und Schuldgefühle angestaut», führt Psychiater Leygraf aus. «Da war eine Menge Affekt im Spiel.» Die Angeklagte sei bei der Tat deutlich in ihrer Steuerungsfähigkeit eingeschränkt und deshalb nur vermindert schuldfähig gewesen, so der Gutachter. Martina Ricken

Schön, dass Sie sich für diesen Artikel interessieren.
Er ist Teil von HZ+, dem neuen exklusiven Angebot der Halterner Zeitung.

Registrieren Sie sich einfach kostenlos und unverbindlich,
schon können Sie weiterlesen.
Mit Google
Mit Amazon
Oder registrieren Sie sich mit Ihrer E-Mail:

Mit Ihrer Registrierung erklären Sie sich mit unseren AGBs und unserer Datenschutzerklärung einverstanden