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Habiflex-Gebäude wird geräumt

WULFEN Der Patient lebt und ist auf einem guten Wege. Aber dennoch stellt sich die Frage, ob die Stadtumbau-Chirurgen bei ihrer gelungenen Schönheitsoperation nicht ein „städtebauliches Furunkel“ übersehen haben

von Von Klaus-Dieter Krause

, 27.06.2008
Habiflex-Gebäude wird geräumt

Trauriger Anblick: Das Habiflex-Gebäude in Barkenberg soll bis Ende Juli geräumt werden.

Nachdem Problembereiche der Dimker Allee, die zum sozialen Brennpunkt zu werden drohte, von der Landkarte verschwunden sind, schwelt jetzt ein „Mini-Brennpunkt“ an anderer Stelle: Das siebengeschossige-Habiflex-Gebäude wird seinem Ruf als Problemfall erneut gerecht.

Viele Anwohner hegten schon 2004 große Zweifel, ob die Stadt gut beraten war, für die früher als „Tropfsteinhöhle“ verschrieene Immobilie Denkmalschutz zu beantragen, wie dies Gutachter empfohlen hatten. Dann schien sich alles zum Besseren zu wenden: Ein neuer Eigentümer versprach gründliche Sanierung, 40 Eigentumswohnungen („Erstbezug“) wurden interessierten auswärtigen Käufern als „Schnäppchen“ angeboten.

Wer darauf hereinfiel, zahlte bitteres Lehrgeld - bis hin zur privaten Insolvenz. Auf der Internetseite „Geprellte Strukkies“ klagen sich Betroffene gegenseitig ihr Leid: Manche haben sich für den Wohnungskauf hoch verschuldet, die Mieter liefen ihnen weg oder zahlten nicht, die Renovierungskosten fraßen ihnen die Haare vom Kopf.

Nachbarn klagen über unhaltbare Zustände

Nachdem zuletzt nur noch zwei Wohnungen tatsächlich bewohnt waren, zieht die Stadt nun die Notbremse - auch weil sich Klagen der Nachbarn über unhaltbare Zustände in den leerstehenden Bereichen und im Umfeld häufen. Bis Ende Juli soll der Habiflex-Bau nun endgültig geräumt und dann vor ungebetenen Besuchern gesichert werden.

Kopfzerbrechen bereitet die rechtliche Situation, weil die Wohnanlage im privaten Besitz ist und sich die Eigentümerversammlung einigen muss. Langfristig, so sieht es Stadtbaurat Frank Gläßner (Foto), geht jedoch kaum ein Weg am Abriss vorbei: „Das Haus ist in einem derart maroden Zustand, dass ein Neubau wohl billiger wäre als eine Sanierung.“

Denkmalschutz ist unwahrscheinlich

Was aber, wenn der Super-GAU eintritt und die Bauruine doch noch als „experimentelle Wohnform und einmaliger Versuch mit variablen Raumgrößen“ unter Denkmalschutz gestellt wird? Die Gefahr schätzt Gläßner gering ein: „Die Denkmals-Eintragung müsste Minister Wittke genehmigen - und der ist über die aktuelle Situation im Bilde.“

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