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Ministerin schockt Lehrer

DORSTEN „Gestandene Lehrkräfte sind hier gerade heulend rausgegangen.“ Schulleiter Wolfgang Gorniak war am Montagnachmittag merklich bemüht, nicht die Fassung zu verlieren

von Von Bethold Fehmer

, 09.06.2008
Ministerin schockt Lehrer

Petrinumleiter Wolfgang Gorniak.

Mit der Ankündigung, die Schüler könnten ihre Abitur-Klausuren in Mathematik am Dienstag der kommenden Woche nachschreiben, hat Schulministerin Barbara Sommer die Dorstener Schulen kalt erwischt. Gorniak, Schulleiter am Gymnasium Petrinum, erfuhr davon erst im Telefonat mit der Dorstener Zeitung.

 „Könnte das nicht ein Fake sein?“, machte er sich zunächst noch Hoffnung, dass das Fax nicht vom Schulministerium stammen könnte. Als er sich mit eigenen Augen von der Echtheit überzeugt hatte, ließ er zunächst eine Kollegin die Tür seines Dienst-Zimmers schließen („Jetzt könnte es unflätig werden, das soll kein Schüler mitbekommen“). Und machte dann seinem Herzen Luft.

„Das ist eine ganz massive zusätzliche Belastung. Ich habe schon viel erlebt an kurzfristigen, hektischen Operationen, aber das haut dem Fass die Krone ins Gesicht! Ich finde es ganz schlimm, was da läuft.“ Für Mittwoch bis Freitag dieser Woche seien am Petrinum die Abweichprüfungen vorgesehen. „Die Kollegen machen die ganze Arbeit noch mal!“

Lehrer schon stark belastet

Gerade jetzt seien die Kollegen schon stark belastet: Zeugniskonferenzen, Kopfnoten, Abweichprüfungen . . . Und man könne eben nicht 24 Stunden am Stück Abitur-Klausuren korrigieren. „Das ist so, als wenn man einem Marathon-Läufer sagt: ‚Du kannst 42 Kilometer laufen, dann schaffst du auch 200 Kilometer.‘“ Die „unbürokratische Lösung“, wie es die Ministerin genannt hatte, werde auf jeden Fall zu Unterrichtsausfall führen.

Erste Maßnahme sei jetzt, telefonisch alle Schüler, die für das Nachschreiben in Frage kommen, zu erreichen. Die Anzahl der Abweichler liege am Petrinum unter dem Landesschnitt, also unter 15 Prozent, hatte Gorniak bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt. Aus diesem Grund hatte es bisher seitens der Schüler eigentlich kaum Beschwerden gegeben.

Geniale Informationspolitik

Ob das Nachschreiben der Mathematik-Klausur es für die Schüler auch immer die beste Lösung sei, konnte Gorniak gestern noch nicht sagen. „Die meisten haben sich doch jetzt gar nicht mehr mit dem Stoff beschäftigt.“ Dass die Schulen erst aus den Medien von der Sache erführen, sei man gewohnt. Gorniak: „Die Informationspoltik ist genial.“ 

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