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Bald geht die Post ab

Ullrich Sieraus 100-Tage-Bilanz im Amt des Stadtdirektors

24.05.2007

Herr Sierau, gleich zum Start ihrer Amtszeit als Stadtdirektor gab es viele Rückschläge - allen voran das geplatzte Bahnhofsprojekt 3do und die Verzögerung beim Phoenix-See. Sehen Sie das auch persönlich als Rückschlag? Ullrich Sierau: Absolut gar nicht. Beim Phoenix-See haben wir es im wesentlichen mit einem ordnungspolitischen Problem zu tun, wenn Bauunternehmen mit Einsprüchen bei Vergabeverfahren kommen. Die Verzögerung um vielleicht ein Jahr muss man aber relativ sehen. Das ist ein hochkompliziertes Mammutprojekt, auf das ganz Europa blickt. Entscheidend ist: Der Phoenix-See wird kommen. Beim Bahnhof haben alle öffentlichen Ebenen von Bund über Land bis zur Stadt einen optimalen Rahmen geschaffen. Die Bahn hat sich selbst immer wieder lobend über die gute Zusammenarbeit mit uns geäußert. Das hat uns in der Investoren-Szene und bei Grundstücksentwicklern einen guten Ruf eingebracht, der sich langfristig auszahlt. Die Botschaft ist angekommen: Dortmund ist ein guter Standort für Investoren - 3do hin oder her. Und was passiert nun am Bahnhof? Sierau: Diese Frage müssen Sie an die Bahn richten. Die Tendenz geht wohl dahin, weite Teile der Planfeststellung für die Bahnstation zu übernehmen - am Ende also eine Art 3do oben ohne. Offen ist aber, wie die Bahn mit dem Thema Einzelhandel umgeht. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die 36 000 Quadratmeter 3do-Handelsfläche nicht 1:1 übernommen werden können. Außerdem ist der Platz begrenzt. Wenn es nicht über den Gleisen geht, dann nur im Norden und Süden. Und wir haben deutlich gemacht, dass wir uns große Einzelhandelsfläche im Norden nicht vorstellen können. Außerdem gibt es jetzt Konkurrenz mit dem Thier-Gelände. Teilen Sie die großen Hoffnungen der Politik? Sierau: Klar ist auch hier, dass es keine 36 000 Quadratmeter Einzelhandel werden können. Das sieht auch Entwickler ECE so. Im Vordergrund steht jetzt, die Grundlagen zu klären. Also die Anbindung an den Westenhellweg. Das Problem ist dabei auch die Silberstraße. Wenn wir die dicht machen, gibt es große Probleme. Das Thier-Projekt kann sicherlich eine Bereicherung für die City sein - wenn die Erschließung stimmt. Meine Aufgabe ist, einen Interessenausgleich herzustellen. Wie klappt's eigentlich mit der Landesregierung? Da gab es ja einige Unkenrufe, dass CDU und FDP Dortmund den Geldhahn zudrehen... Sierau: Die Landesregierung ist wie wir angetreten, den Strukturwandel voran zu treiben. Die müssten ja Tinte gesoffen haben, wenn sie Dortmund mit seinen guten Projekten links liegen lassen. Wir gehen alle professionell zu Werke - auch wenn es zwischen den Parteien vielleicht einmal unterschiedliche Sichtweisen gibt. Zum Beispiel beim U-Turm ... Sierau: Das Dortmunder U ist eine der großen Landmarken des Landes, ein Symbol für die Tradition der Brauwirtschaft. Aber es geht nicht um das Kellereigebäude allein. Die Fläche ist eingebunden in einen städtebaulichen Zusammenhang zwischen City und Rheinischer Straße. Die Landesregierung hat den Bereich als Stadtumbau-Gebiet anerkannt. Aber den U-Turm bei der Städtebauförderung ausgeklammert ... Sierau: Es gibt auch hier eine hohe Bereitschaft aller Beteiligten. Ich bin sicher, dass wir ein Konzept entwickeln, in dem sich alle wiederfinden. Da geht es nicht um eine Gedenkkathedrale für den Oberbürgermeister. Der U-Turm gehörte zur EU-Bewerbung für die Kulturhauptstadt 2010. Wir müssen mit einem Mix aus Kreativwirtschaft, Kultur und Kunstsammlung etwas entwickeln, was Europa noch nicht kennt. Und die Berufskollegs? Wird es eins oder zwei am U geben? Sierau: Erst einmal ist die Fläche nördlich des U-Turms mit Kreativwirtschaft, Besucherzentrum und dem Neubau des Robert-Bosch-Berufskollegs voll. Bleibt noch die Fläche weiter westlich an der Unionstraße. Sinnvoll ist, an zwei Planverfahren zu denken: Mit Vorschlägen für einen Neubau des Schuman-Kollegs an dieser Stelle und für einen möglichen Wohnstandort an der Sckellstraße. Auf einer solchen Grundlage kann der Rat dann nochmal entscheiden. Aber die finanziellen Fragen bleiben ... Sierau: Das Abschreibungsproblem im Haushalt bei einem zweiten Kolleg-Neubau ist nicht von der Hand zu weisen. Deswegen müssen wir längerfristig denken. Man kann sich vorstellen, ein neues Robert-Schuman-Kolleg zu einem späteren Zeitpunkt, nach 2009, zu bauen. Wann rücken denn überhaupt die ersten Bagger an? Sierau: Auf der Nordfläche werden wir jetzt nach ersten Gesprächen mit Investoren schnell zur Sache kommen. In der Rheinischen Straße startet die U-Bahn am 27. April. Danach können wir direkt mit dem Umbau des Straßenraums anfangen. Da geht dann richtig die Post ab. Bleibt noch der Blick in Ihre persönliche Zukunft: Haben Sie Interesse, einmal Oberbürgermeister zu werden? Sierau: Bislang habe ich keine Zeit, über die Frage nachzudenken. Aber wir haben auch einen hervorragenden OB, der viel bewegt hat, innerhalb wie außerhalb der Stadt sehr anerkannt ist. Aus meiner Sicht ist es das Beste, wenn er 2009 weiter macht. Aber irgendwann stellt sich die Nachfolgefrage ... Sierau: Die muss dann von der SPD beantwortet werden, die den Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellt. Und wenn ich gefragt werden sollte, werde ich mit einem tiefen Nachdenken gemeinsam mit meiner Familie reagieren.

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