Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bierwerbung auf dem Kirchturm

DORTMUND Der Zweck heiligt die Mittel: Um die Millionen teure Sanierung zu finanzieren, vermarktet die ev. Kirche den eingerüsteten St. Reinoldi-Kirchturm als Werbefläche. Erster Kunde: Die Kronen-Brauerei.

von Von Andreas Wegener

, 06.06.2008
Bierwerbung auf dem Kirchturm

Am Freitag kam das Bierplakat an den Turm.

Das Dortmunder Unternehmen will dort ein Großplakat (35x15 Meter) anbringen, das junge Leute zeigt, die St. Reinoldi aus 20.000 Bierdeckeln nachbauen. Allein dieser Kontrakt, den eine Agentur aus Berlin vermittelte, spült in diesem Jahr einen sechsstelligen Eurobetrag in die leeren Kirchenkassen. "Das Motiv wird sicherlich umstritten sein", ist Superintendent Paul-Gerhard Stamm überzeugt, "die Suchtkrankenhilfe wird Sturm laufen und auch wir hatten Bauchschmerzen. Aber mit eigenen Mitteln können wir die nötigen Arbeiten nicht stemmen. Es gibt keine Alternative." Der 57-Jährige rechnet vor:

  • Die Sanierung des Turms und der Fassade schlägt mit etwa 2 Mio. Euro zu Buche.
  • Die Arbeiten an Dach und Fassade kosten 500.000 Euro .
  • Eine dringend nötige neue Orgel kostet 900.000 Euro .

Somit sind mindestens 3,4 Mio Euro nötig, die evangelische Kirche selbst kann nur 600.000 Euro bereitstellen. "Durch die Werbeeinnahmen können wir zumindest schon einmal mit der Turmsanierung beginnen", sagt Pfarrer Michael Küstermann. Die Kirchenmänner hoffen, dass zur EM weitere Werbeeinnahmen fließen. Bis zum Weihnachtsmarkt sollen alle Banner wieder verschwinden.

Doch natürlich setzt man nicht nur auf Reklame-Erlöse: Stamm: "Wir haben schon viele Gespräche, u.a. mit Politikern, geführt. Alle sind sich einig, dass das Wahrzeichen der Stadt erhalten bleiben muss."

Auch Privatleute wollen helfen: Gestern erklärte eine bald 80-Jährige, sie wünsche sich zum Geburtstag nur Geld für die Restaurierung. Ein Freundeskreis, der in den nächsten Wochen gegründet werden soll, und die Stiftung Denkmalswerte Kirchen sollen weitere Spenden auftreiben.

Lesen Sie jetzt