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Bus fahren mit dem Rolli - leicht gemacht

DORTMUND Etwa 50 ältere Gehbehinderte, angewiesen auf Rollator und Rollstuhl, nutzten ein Übungsangebot von St.-Johannes-Gesellschaft, Sanitätshaus Emmerich und den Dortmunder Stadtwerken. Letztere schickten einen Extra-Bus auf zwei Routen durch die Stadt. An verschiedenen Haltepunkten wurde das Ein- und Aussteigen geübt.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 05.06.2008
Bus fahren mit dem Rolli - leicht gemacht

Marga Elias fuhr erstmals als Rollstuhlfahrerin Bus.

Marga Elias freut sich wie ein junges Mädchen: „Ich finde das wunderbar.“ Marga ist erstmals Bus gefahren. Ihre 77 Jährchen steckt die vitale, schmale Frau mit den funkelnden Augen locker weg. Dabei ist sie seit vier Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Und fuhr seit vier Jahren nicht mehr Bus. Marga Elias traute sich einfach nicht. „Ich dachte immer, ich komme da nicht rein.“

Sonderbus nur für Menschen mit Gehbehinderung

Seit Donnerstag blüht ihr Selbstvertrauen: „Das ist wunderbar, dass wir hier üben können.“  Der Sonder-Bus von DSW21 war ganz und gar für Menschen da, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Sie sollten sicherer werden beim Ein- und Aussteigen. 50 Ältere, zumeist Frauen, waren vom Training hellauf begeistert. Wiederholt soll‘s werden, denn der Bedarf ist riesig. Schließlich: In die Situation Rollstuhl kann jeder kommen. Jeden Tag. Ein schwerer Unfall reicht da schon.

Alles gut? Von wegen. Rollstuhl-Fahrer Udo Michels hat auch schlechte Erfahrungen mit dem öffentlichen Personennahverkehr gemacht. Michels fuhr schon schon dutzende Male Bus. 64 ist er, seit zwölf Jahren versagen die Beine: „Die Erlebnisse mit manchen Fahrern lassen zu wünschen übrig“, brummt Michels, schaut am Busbahnhof nach unten, zeigt auf die Reifen und meint: „Nicht immer fahren sie so nah an den Bordstein, sagen, sie hätten Angst um den Bus.“ Neulich stand er am Luftschacht Westerfilde: „Drei Busse der Linien 470 und 471 kamen vorbei. Keiner hatte eine ausklappbare Rampe für Rollstuhlfahrer.“

Von 165 Fahrzeugen haben nur 18 eine Rampe

Friedhelm Steinhausen von DSW21 steuerte den Übungs-Bus: „Von 165 Fahrzeugen haben lediglich 18 keine Rampe.“ Und, was wohl die wenigsten Fahrgäste wissen dürften: Jeder kann die Rampe ausklappen. „Man muss die Hilfe einfordern“, ermunterte Physiotherapeutin Susanne Hogrefe gestern immer wieder die Gehbehinderten. Sie appellierte vor allem an die Rollator-Fahrer, ihre Angst zu überwinden beim rückwärtigen Ausstieg. Außerdem müssten sie sich energischer durchsetzen, falls der Mehrzweckbereich in der Busmitte mal wieder von Schülermassen besetzt sein sollte.

Weitere Tipps:

  • Rechtzeitig durch Handzeichen deutlich machen, dass Einstieg an der mittleren Tür gewünscht wird.
  • Den Rollator beim Einsteigen nicht versuchen zu tragen. Nur vorne ankippen, um die kleine Einstiegsbarriere der Niederflurbusse zu überwinden.
  • Rechtzeitig den Halteknopf drücken, um Hektik zu vermeiden.
  • Der Ausstieg empfiehlt sich rücklings. Vorwärts könnten die Vorderräder zwischen Bordstein und Bus geraten und der Betroffene das Gleichgewicht verlieren.
  • Nicht scheuen, um Hilfe zu bitten!
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