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Krematorium kassiert Zahngold ein

DORTMUND Wenn Angehörige um einen Verstorbenen trauern, dürfte der Gedanke an sein Zahngold eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch stellt sich die Frage, was mit dem Edelmetall passiert, wenn es nach der Einäscherung des Leichnams übrig bleibt.

von Von Bettina Kiwitt

, 06.02.2008
Krematorium kassiert Zahngold ein

In der Ascheaufbereitung wird das Edelmetall in einem Behälter aufgefangen, den hier Heiko Ameling vom Dortmunder Krematoriums herauszieht.

„Wir sammeln das Zahngold und verkaufen es später über die Scheideanstalt“, erläutert Ulrich Heynen, stellvertretender Leiter des Dortmunder Krematoriums. Das Geld fließe dann in den Etat des Krematoriums, im Schnitt 15.000 Euro im Jahr bei 5000 Einäscherungen jährlich. „Letztlich kommt es dadurch den Gebührenzahlern zugute“, meint er. Es als Spende z.B. einer Kita zu übergeben, fände er nicht ganz glücklich.

Das ZDF-Magazin WISO hatte das Thema aufgegriffen, nachdem im fränkischen Hof ein Skandal bekannt geworden war. Mitarbeiter eines Krematoriums hatten das Zahngold an einen Juwelier verkauft – den Gewinn teilte man sich. Es ging um 50.000 Euro in drei Jahren. Der Fall kam vor Gericht, weil die Angehörigen die Krematoriumsmitarbeiter verklagten. Die Juristen sind sich in der Beurteilung laut WISO uneins: In Hof wurden die Mitarbeiter freigesprochen, weil die Leiche eine „herrenlose Sache“ sei. In einem ähnlichen Fall wurden sie wegen „versuchten Diebstahls“ belangt.

Mittlerweile hat der Bundesverband deutscher Bestatter klare Ethik-Richtlinien herausgegeben. Unter Artikel 9 ist festgelegt: „Produkte oder Rückstände der Einäscherung dürfen nicht für gewerbliche Zwecke vermakelt werden.“ Nach den WISO-Recherchen gehört das Gold zwar nicht den Erben, sie haben aber ein Entscheidungsrecht. Deshalb müssen sie dem Verkauf zustimmen.

In Dortmund werden die Verwandten nicht über das Procedere informiert. „Wenn sie Wert auf das Zahngold legen, müssen sie entsprechende Maßnahmen im Vorfeld der Einäscherung veranlassen“, so Heynen. Im Nachhinein könnte man das Zahngold jedenfalls nicht mehr eindeutig einem Verstorbenen zuordnen, da es sich zum Teil auch in den Öfen absetze.