Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

"Umweltzone an der Brackeler Straße wirkt"

von Von Jörg Heckenkamp, Wolfram Kiwit & Oliver Volmer

, 14.06.2008
"Umweltzone an der Brackeler Straße wirkt"

Regierungspräsident Helmut Diegel: "Die große Umweltzone hat viele Nachteile."

Themenwechsel: Von der Brackeler Straße spricht der Dortmunder als kleinste Umweltzone der Welt. Trifft Sie dieser Spott? Diegel: Ich gebe zu, dass einen das erstmal trifft. Insbesondere, wenn man davon überzeugt ist, dass man das Richtige getan hat. Mir ist damals nach vergleichender Analyse mitgeteilt worden: Eine große Umweltzone kommt zu schlechteren Ergebnissen als kleine Maßnahmen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor.

Und die lauten? Diegel: Die Ergebnisse bestätigen folgende Tendenz: Die kleine Umweltzone an der Brackeler Straße wirkt. Bis Mai 2007 hatten wir 45 Überschreitungstage (über die festgelegte Feinstaub-Belastungsgrenze, d. Red.), bis Mai 2008 nur 32. Zum Vergleich: An anderen Messtationen – etwa an der Gladbecker Straße in Essen – steigen die Werte. Das zeigt: Unsere Maßnahmen greifen. Und sie würden vermutlich noch einmal ein bisschen besser greifen, wenn die Polizei noch stärker kontrollieren würde.

Das würde auch für die jetzt geplante größere Umweltzone gelten. Wenn man sich aber mal die Daten anguckt, wären nur noch 3,6 Prozent aller PKW von Fahrverboten betroffen, Ausnahmegenehmigungen nicht mitgerechnet. Lohnt da der bürokratische Aufwand noch? Diegel: Die große Umweltzone hat den Nachteil, dass sie so viele Ausnahmen hat, dass sie nicht die gewünschte Wirkung erzielen kann. Deshalb habe ich von Anfang an nichts davon gehalten.

Man kann dann ja die Ausnahmen verringern. Diegel: Dann kriegen sie aber ein paar Probleme – etwa mit dem Ost-West-Transitverkehr.

"Ministerpräsident steht sowohl für sichere Arbeitsplätze"

Der Eindruck ist doch aber. Bei den politischen Beratungen in Düsseldorf ging es nicht darum, wie man das beste für den Gesundheitsschutz tun kann, sondern dass man möglichst keinem weh tut. Diegel: So ist es. Deshalb habe ich immer gesagt: Wenn man wirklich etwas für den Gesundheitsschutz der Menschen tun will, muss man die richtige Maßnahme ergreifen. Besser ein Netz kleiner Maßnahmen um die Belastungspunkte, aber dann ohne Ausnahmen. Das ist die effektivste Maßnahme.

Stichwort Gesundheitsschutz - nicht nur in der Luft, sondern auch im Wasser. Bei den Belastungen mit PFT und Tosu in der Ruhr scheinen die Maßnahmen der Bezirksregierung noch nicht so ganz zu greifen. Diegel: Der Ministerpräsident steht sowohl für sichere Arbeitsplätze, wie für sauberes Trinkwasser. Und es ist Sache der Bezirksregierung, das jetzt in Einklang zu bringen. Im Fall Perstorp aus Arnsberg hat die Firma erklärt, es gebe keine Technik, die das Problem mit den chemischen Abfällen bei der Einleitung ins Wasser in den nächsten fünf Jahren hinkriegen würde. Daraufhin mussten wir Entscheidungen fällen. Es gilt: keine Kompromisse beim Gesundheitsschutz. Deshalb muss auf den Wert gepocht werden, den die Trinkwasserkommission und das Bundesumweltamt bestätigt haben.

Die Messergebnisse, die zuletzt erhoben wurden, können aber noch nicht zufrieden stellen. Man liegt immer noch um das Zehnfache über dem Wert, der für verträglich gehalten wird. Diegel: Die Firma Perstorp hat jetzt eine Filteranlage installiert. Jetzt muss man ihr auch die Zeit dazu geben, sämtliche Abwassermengen dadurch zu leiten. In der aktuellen Testphase werden 20 Prozent der Abfälle noch nicht durchgeleitet. An den Messergebnissen wird aber deutlich, dass die Anlage im Prinzip wirkt. Jetzt geht es darum zu entscheiden, stellt man zwei kleine Anlagen nebeneinander oder nutzt eine große. Fest steht: Am Ende muss der Wert von 0,3 Nanogramm erreicht werden. Wir sind jetzt noch nicht zufrieden. Wir wollen bis zum Ende der Sommerferien bessere Ergebnisse sehen. Und im mittelfristigen Plan müssen wir Ende des Jahres klar eine Entscheidung über die Dimension der Anlage haben. Das Unternehmen zieht da voll mit.

Diegel im Interview - letzter Teil: "Nicht nur bei den Indianern sparen"

Lesen Sie jetzt