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„Wir wollten zeigen, dass es uns ernst ist“

Erstes Geständnis der „Panzerfaust-Bande“ vor Gericht

Sie hatten Kalaschnikows, eine Panzerfaust-Attrappe und träumten von Millionen: In 20 Jahren soll die „Panzerfaust-Bande“ aus NRW 15 Geldtransporter überfallen haben – auch in Dortmund. Sieben Männer stehen deshalb vor Gericht und zum Auftakt legte einer von ihnen ein Geständnis ab.

Hagen/Dortmund

, 11.06.2018
„Wir wollten zeigen, dass es uns ernst ist“

Der Hauptangeklagten neben seinem Verteidiger. © Jörn Hartwich

Ausgebremst, gerammt und beschossen: Die Geldtransporter wurden zum Teil während der Fahrt gestoppt. Die Kugeln trafen die Reifen, die Windschutzscheibe, die Seitenfenster. „Wir wollten zeigen, dass es uns ernst ist und funktionsfähige Waffen verwendet werden“, hieß es in einer Erklärung, die am Montag von Verteidiger Dr. Henner Apfel im Namen des Hauptangeklagten verlesen wurde. Menschen sollten angeblich nicht verletzt werden. Das sei die Absprache gewesen.

Überfall mit Panzerfaust-Attrappe in Bodelschwingh

In Dortmund hatte die „Panzerfaust-Bande“ im Oktober 2015 zugeschlagen. Hier sollte der ganz große Coup über die Bühne gehen. Laut Anklage ist die Fahrtstrecke des Geldtransporters wochenlang ausgekundschaftet worden – von Duisburg nach Dortmund. Der gepanzerte Wagen wurde schließlich in Bodelschwingh ausgebremst und eingekeilt. Die Täter sollen mehrfach auf den Motor geschossen haben, außerdem seien die Fahrer mit einer offenbar täuschend echt aussehenden Attrappe einer russischen Panzerfaust bedroht worden.

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Die Täter hatten damals versucht, den sogenannten Werteraum mit einem Trennschleifer zu öffnen. Das gelang allerdings nur teilweise. Die Beute soll am Ende rund 300.000 Euro betragen haben. Insgesamt hatte der Transporter angeblich neun Millionen Euro an Bord.

„Der Überfall in Dortmund sollte eine letzte Tat mit hoher Beute sein“, heißt es in der Erklärung des mutmaßlichen Bandenchefs. Der 48-Jährige hatte damals nach eigenen Angaben sogar noch in die Luft geschossen. „Er wollte die Leute erschrecken, damit der Fluchtweg nicht versperrt wird.“ Außer in Dortmund schlug die „Panzerfaust-Bande“ auch in Langefeld, Hagen, Neuss, Düsseldorf, Werl, Wetter, Wülfrath, Velbert und Erkrath, Solingen und Euskirchen zu.

Schwerer Raub und versuchter Mord

Hintergrund der Überfälle sei die Kokain-Sucht des Hauptangeklagten gewesen. Er habe in den vergangenen 20 Jahren täglich zwischen ein und zwei Gramm Kokain konsumiert. Gearbeitet hat der 48-Jährige übrigens bei der Bundeswehr – als ziviler Elektriker. Dort habe er bei seinem Wehrdienst 1990/91 auch den Umgang mit Sturmgewehren gelernt.

Insgesamt sind im Prozess um die „Panzerfaust-Bande“ sieben Männer angeklagt. Die Anklage lautet auf schweren Raub und teilweise auch auf Mordversuch.