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Ein Parkplatz als Abkürzung, Treffpunkt und Rennstrecke

Verkehr

Anwohner beklagen, dass der Park&Ride-Parkplatz an der Innsbruckstraße regelmäßig zweckentfremdet wird. Sie wandten sich an die Bezirksvertretung, doch in der Pflicht sind nun andere.

Eving

von Michael Schuh

, 06.07.2018
Ein Parkplatz als Abkürzung, Treffpunkt und Rennstrecke

Norbert Schliesing zeigt eine Reifenspur auf dem Parkplatz an der Innsbruckstraße. Da muss jemand gehörig aufs Gaspedal getreten haben. © Michael Schuh

Laute Musik mitten in der Nacht, reger Durchgangsverkehr zur Tankstelle und zur Waschstraße, Raser mit quietschenden Reifen oder abgestellte Lkw: Die Rede ist nicht von einer Autobahnraststätte, sondern vom Park&Ride-Parkplatz an der Innsbruckstraße. Derartige Belästigungen gehen dem Anwohner Norbert Schliesing gehörig auf die Nerven; und zwar so sehr, dass er Unterschriften sammelte und einen Antrag an die Bezirksvertretung stellte, deren Mitglieder durchweg Verständnis für sein Anliegen zeigten.

„Es ist ein Debakel mit diesem Parkplatz“, sagt Schliesing, der direkt an der Innsbruckstraße und somit gegenüber besagter Fläche wohnt. „Viele Autofahrer sehen in dem Parkplatz eine Abkürzung von der Bayrischen zur Derner Straße“, erläutert der 63-Jährige, „deshalb herrscht hier permanent Verkehr. Nachmittags fährt hier einer nach dem anderen durch.“ Tatsächlich können sich Autofahrer so einen Rot-Stopp am Ende der Bayrischen Straße ersparen und über das Gelände der Waschstraße direkt auf die Derner Straße gelangen. „Doch dafür ist dieser Parkplatz ja nicht gedacht“, findet Schliesing.

Eine Art Motodrom für Rennsportler

Nein, eigentlich sollen Pendler hier ihr Fahrzeug abstellen und von der nahen Haltestelle Schulte Rödding mit der S-Bahn in die Innenstadt fahren. „Bei Spielen des BVB nutzen das viele Menschen, um zum Stadion zu gelangen“, erzählt Schliesing, „aber die verhalten sich vorbildlich. Da hört man nicht viel.“ Anders sehe es hingegen in anderen Nächten aus – vor allem in den Sommermonaten. Dann werde aus dem Parkplatz ein Treffpunkt für junge Leute und eine Art Motodrom für Rennsportler. „Gestern Nacht war es wieder soweit“, sagt Schliesing, „um 2 Uhr gab es eine Versammlung von Jugendlichen, die sich laut unterhielten.“

Vielfach würden solche Treffen mit lauter Musik aus der Autoanlage untermalt – bei offenen Türen, versteht sich. Zudem schalle des Öfteren Krach von der Waschstraße hinüber, wenn Pkw-Besitzer dort zu nächtlicher Stunde die Fußmatten ihrer vierrädrigen Untersätze ausklopfen. Allesamt wenig ruhefördernde Umstände; vor allem, wenn die Anwohner aufgrund der hohen Temperaturen nachts die Schlafzimmerfenster offen lassen.

Das schrille Geräusch quietschender Reifen

Zu Gesprächslärm und Musik geselle sich zudem häufig das schrille Geräusch quietschender Reifen, fährt der Evinger fort. „Da kommen dann junge Leute mit aufgemotzten Autos und beschleunigen volle Pulle.“ Reifenspuren auf dem Parkplatz, für die es vermutlich einer gehörigen Portion Vollgas bedurfte, bestätigen Schliesings Aussagen. Außerdem sähen einige Fahrer in dem Parkplatz offenbar einen Rundkurs und umkurvten das Areal regelmäßig. „Es kommt einem manchmal wie im Irrenhaus vor“, findet der 63-Jährige klare Worte.

Zudem befürchtet der Anwohner, dass künftig wieder vermehrt Lastwagen nachts auf dem Parkplatz abgestellt werden, so wie es früher der Fall gewesen sei. Um dem einen Riegel vorzuschieben, sei vor geraumer Zeit am Parkplatzeingang eine Art Schranke mit Höhenbegrenzung installiert worden, die Lkw das Passieren unmöglich machte. Doch diese Vorrichtung gebe es bereits seit Monaten nicht mehr; ebenso wie eine Durchfahrtsperre aus Richtung der Waschstraße. Dieses Fehlen werde sich bei Lkw-Fahrern rumsprechen, glaubt Schliesing: „Davon stehen über kurz oder lang wieder mehr hier.“

Ein Parkplatz als Abkürzung, Treffpunkt und Rennstrecke

Zahlreiche Autofahrer nutzen die Durchfahrt an der Waschanlage, um auf die Derner Straße zu gelangen. © Michael Schuh


Aufgrund all dieser Ärgernisse formulierte der Evinger – auch im Namen zahlreicher Nachbarn – gleich mehrere Lösungsvorschläge und sandte sie an die Bezirksvertretung. So gelte es, die Durchfahrt vom Parkplatz zur Waschanlage und der dahinter befindlichen Tankstelle zu sperren. Weiterhin spricht sich Schliesing für die Installation von Bremsschwellen auf dem Parkplatz aus, um die Geschwindigkeit der Autos zu drosseln. Außerdem solle die Lkw-Durchfahrtsperre wiederhergestellt werden, da vermehrt Lastwagen auf dem Platz abgestellt würden. Und nicht zuletzt wünscht er sich Schilder, die auf eine Lärm-Vermeidung hinweisen. „Die Polizei sollte gezielt Streife fahren und bei Verstößen auch Bußgelder kassieren“, sagt Schliesing.

Bezirksbürgermeister versteht den Unmut

Die Bezirksvertreter zeigten in der Sitzung am Mittwoch Verständnis für das Anliegen Schliesings und seiner Nachbarn. „Ich kann den Unmut verstehen“, kommentierte Bezirksbürgermeister Oliver Stens die ausführliche schriftliche Bürgereingabe. Allerdings sei für einen Teil des Parkplatzes das Tiefbauamt, für einen anderen DSW 21 zuständig; außerdem müsse geklärt werden, ob die Durchfahrt zur Waschstraße eventuell als Rettungsweg vorgesehen sei. Deshalb überwies die BV das Anliegen einstimmig an Tiefbau- und Ordnungsamt, die sich nun mit der Problematik beschäftigen sollen.
Die Anwohner der Innsbruckstraße hoffen, dass dies zeitnah geschieht – und sie künftig wieder ruhig schlafen können.

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