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„Entschärft“: Viel Trubel um Weltkriegsbombe in Berlin

Berlin. Dass ein ganzer Stadtteil quasi komplett stillsteht, kommt in Berlin auch nicht so oft vor. Jetzt ist genau das passiert. Der Grund ist mehr als 70 Jahre alt - und war trotzdem bis jetzt gefährlich. Ein Sprengmeister dazu: „Ich lebe jeden Tag, als wäre es mein letzter.“

„Entschärft“: Viel Trubel um Weltkriegsbombe in Berlin

Auf diesem Baugrundstück in Berlin wurde die Weltkriegsbombe gefunden. Foto: Paul Zinken

Zehntausend in Sicherheit gebrachte Menschen, ein leerer Hauptbahnhof, Stillstand auch im Nahverkehr, geschlossene Schulen und Behördengebäude: Die Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat Teile der Berliner Innenstadt stundenlang lahmgelegt.

Am frühen Freitagnachmittag gelang es Sprengmeistern des Landeskriminalamts, den Zünder der vor wenigen Tagen entdeckten Bombe zu entfernen und unschädlich zu machen. „Entschärft“, twitterte die Polizei.

Vorausgegangen war eine der größten Evakuierungsaktionen der vergangenen Jahre in der Hauptstadt. Die Polizei bildete einen Sperrkreis mit einem Radius von 800 Metern um den Fundort, alle Bewohner dieses Gebietes mussten ihre Wohnungen zeitweise verlassen. Aus einem Mietshaus barg die Feuerwehr mittels Drehleiter einen Bettlägerigen durch ein Wohnungsfenster.

Betroffen waren Unternehmen, das Sozialgericht, das Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesnachrichtendienst und ein Teil des Verkehrsministeriums. Charité und Bundeswehrkrankenhaus mussten ebenfalls teilweise geräumt werden. Das Museum für Gegenwartskunst und einige Schulen blieben ganztägig zu.

Die britische 500-Kilo-Bombe, 1,20 Meter lang und rund 50 Zentimeter im Durchmesser, war bei Bauarbeiten gefunden worden. Berlin war im Zweiten Weltkrieg öfter Ziel von Luftangriffen. Bei etwa 380 Bombenangriffen bis 1945 warfen Amerikaner, Briten und Russen Historikern zufolge mehr als 45.000 Tonnen Sprengstoff ab.

Der Berliner Hauptbahnhof, ein Verkehrsknoten, der normalerweise von bis zu 300.000 Menschen täglich frequentiert wird, glich einem Geisterbahnhof. Bereits ab 10 Uhr wurde er nicht mehr von Fernzügen angefahren, Reisende mussten auf umliegende Bahnhöfe ausweichen. Der öffentliche Nahverkehr wurde teilweise gesperrt.

„Eine vergleichbare Situation in diesem Ausmaß hatten wir noch nicht“, sagte Friedemann Keßler, Leiter des Regionalbereichs Ost bei der Deutschen Bahn und verantwortlich für den Hauptbahnhof. Bahnsprecher Achim Stauß scherzte: „Der Hauptbahnhof ist schon zwölf Jahre alt, den können wir auch mal für ein paar Stunden alleine lassen.“

Im Nahverkehr sollte der normale Betrieb relativ rasch wieder anlaufen. Beim Fernverkehr sollte sich die Situation nach Angaben der Deutschen Bahn im Verlauf des Nachmittags wieder langsam normalisieren.

Die Entschärfung der Bombe nahm ein fünfköpfiges Team um Polizeioberkommissar Engin Laumer vor. „Alles lief völlig problemlos ab“, schilderte er. „Nach diesem Einsatz ist wohl jeder von uns froh, wenn er abends nach Hause gehen kann.“ Die Sprengmeister seien ein gut eingespieltes Team. Aber: „Ich lebe jeden Tag, als wäre es mein letzter“, sagte Laumer. „Das gehört zum Job.“

Polizeisprecher Winfrid Wenzel zog eine positive Bilanz. „Die Menschen waren gut informiert. Viele waren vernünftig, sind zu Hause geblieben, haben das Auto stehen lassen, sind aufs Fahrrad umgestiegen und haben den Sperrkreis gemieden. Echtes Verkehrschaos gab es nicht.“

In der Vergangenheit gab es immer wieder Entschärfungen mit teils größeren Auswirkungen. Noch immer liegen nach Schätzungen der Berliner Umweltverwaltung etwa 3000 Bomben, Granaten und Munitionsreste unter der Erde.

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