Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Erstes duales System ist pleite

Bonn. Bei der Entsorgung von Verpackungsabfall spielen die dualen Systeme in Deutschland eine entscheidende Rolle: Sie organisieren die Abholung von Kunststoffen, Glas oder Papier. Ein Unternehmen hat jetzt Insolvenz angemeldet.

Erstes duales System ist pleite

Gepresste Ballen aus Kunststoffabfällen in der Halle eines Recyclingunternehmens. Foto: Hendrik Schmidt

Nach dem ersten Insolvenzantrag eines Anbieters des dualen Systems in Deutschland ist die Abholung von Verpackungsmüll nach Angaben des zuständigen Rechtsanwalts gesichert.

„Die Entsorgung der Abfälle ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, sagte der Sanierungsexperte und Sachwalter Rüdiger Weiß der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Es geht um die Europäische Lizenzierungssysteme GmbH (ELS), die Mitte März beim Amtsgericht Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt hatte. ELS ist eins von zehn dualen Systemen in Deutschland, die im Auftrag des Handels und der Hersteller die Entsorgung von Verpackungsabfall organisieren. Das bekannteste System ist der Grüne Punkt.

ELS ist nun das erste dieser Unternehmen, das in die Insolvenz gerutscht ist. Es hatte zuletzt einen Marktanteil von etwa sechs Prozent. Das heißt, dass es in sechs Prozent der deutschen Sammelgebiete die sogenannte Ausschreibungsführerschaft hat - dort vergibt es Aufträge an Müllabfuhren. ELS ist bundesweit vertreten.

Weiß ist zuversichtlich, dass das Unternehmen einen Investor findet. Als Sachwalter begleitet er nun die Firma, die aber weiter vom Management geführt wird. Die Perspektiven des Unternehmens seien gut, sagte der Jurist.

Schon vor dem Insolvenzantrag habe es Übernahmegespräche gegeben, sagte Weiß. Als sich die Verhandlungen verzögerten, musste der Insolvenzantrag gestellt werden - nun würden die Gespräche weitergeführt. Wer zu den Interessenten zählt, wollte der Anwalt nicht sagen.

Möglicherweise gehört der Entsorgungsriese Remondis aus Lünen dazu: Der größte deutsche Recyclingkonzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt gut sechs Milliarden Euro hatte in den vergangenen Monaten Branchenkreisen zufolge eine Übernahme des Grünen Punktes angestrebt. Die Gespräche hatten sich dann aber doch zerschlagen - auch wegen kartellrechtlicher Bedenken.

ELS ist deutlich kleiner als der Grüne Punkt und dessen Firma Duales System Deutschland (DSD), deren Marktanteil 2016 bei schätzungsweise 50 Prozent lag. ELS kam 2017 nach eigenen Angaben mit 31 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 82 Millionen Euro. ELS gehört zur Bonner Finanzholding Ascon, deren andere Tochterfirmen ebenfalls in der Abfallbranche tätig sind.

Die dualen Systeme sind schon seit langem unter Druck. Sie werden von Handelskonzernen oder Lebensmittelerzeugern - für die Abholung des Abfalls bezahlt, womit die Systeme wiederum Müllabfuhren beauftragen. Diese Betriebe sammeln jedoch bisweilen mehr Abfall ein als von den Handelsfirmen und Lebensmittelfirmen bezahlt wird. Es gebe unter den Firmen „Trittbrettfahrer“, die Abfall ins System brächten, dafür aber nicht bezahlten, führte ELS im Insolvenzantrag als eines der Probleme an.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Nürnberg. In vielen deutschen Städten werden hohe Stickstoffdioxidwerte gemessen. Doch sind die Werte korrekt? Die EU sagt: ja. Die Verkehrsminister wollen die Messungen überprüfen lassen.mehr...

Berlin/Stuttgart. Noch müssen Züge selten wegen Überfüllung geräumt werden. Das soll so bleiben, wenn einmal doppelt so viele Menschen mit ICE und Intercity fahren, wie es der Bund anstrebt. Die Bahn macht dazu einen Plan.mehr...

Frankfurt/Main. An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im elektronischen Handel (Xetra) am 20.04.2018 um 13:05 Uhr folgende Kurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt.mehr...

Berlin/Stuttgart. Die Deutsche Bahn würde das Projekt Stuttgart 21 aus heutiger Sicht nicht noch einmal angehen. „Mit dem Wissen von heute würde man das Projekt nicht mehr bauen“, sagte Vorstandschef Richard Lutz im Verkehrsausschuss des Bundestags, wie die „Rhein-Neckar-Zeitung“ berichtete.mehr...

Stuttgart. Erst stehen fast 200 Ermittler vor der Tür, dann muss auch noch ein Manager in U-Haft. Die Justiz erhöht im Diesel-Skandal den Druck auf Porsche. Der Autobauer weist die Vorwürfe zurück - und der Verkehrsminister wird allmählich ungeduldig.mehr...