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Frischer Wind für die Monarchie - „Die Liebe hat Macht“

Windsor. Ein Bischof predigt feurig, die Braut trägt strahlendes Weiß, ein Gospelchor singt „Stand by Me“. Es sind viele kleine Gesten auf der Hochzeit, die zeigen: Harry und Meghan wollen manches anders machen im Königshaus.

Frischer Wind für die Monarchie - „Die Liebe hat Macht“

Strahlendes Lächeln beim Ja-Wort: Viele Adelsexperten erwarten von Meghan Markle frischen Wind für das Königshaus. Foto: Dominic Lipinski/PA Wire

Ein kurzer, aber bestimmter Kuss im Sonnenschein. Meghan und Harry strahlen sich an unter dem Jubel der Gäste, als sie sich zum ersten Mal als Ehepaar küssen. Gemeinsam schreiten sie als Herzog und Herzogin von Sussex die Treppe vor der St.-Georgs-Kapelle hinunter.

Hinter ihnen ihre Familien: Darunter Harrys Bruder und Trauzeuge William mit seiner Frau Kate und deren Kindern George und Charlotte, die ihren Job als Blumenkinder bravourös gemeistert haben.

Auf der Kutschfahrt hinaus aus Schloss Windsor durch die Straßen der kleinen Residenzstadt bei London zeigt die US-Amerikanerin Meghan, dass sie wichtige royalen Gesten in der kurzen Verlobungszeit perfekt gelernt hat: lächeln und vornehm winken. Vier Schimmel traben vor der Kutsche her, nach 25 Minuten verschwindet das Brautpaar wieder im Schloss zum Empfang mit den Gästen.

Ein roter Teppich ist im Schlosshof nicht ausgerollt, dabei wäre er der Gästeliste angemessen. Hollywoodstar George Clooney streichelt Ehefrau Amal, die für ihr gelbes Outfit viel Aufmerksamkeit bekommt, zärtlich am Arm. Idris Elba winkt den Schaulustigen zu, David und eine eher schlecht gelaunt schauende Victoria Beckham werden bejubelt, Schmusesänger James Blunt blinzelt in die Sonne, US-Moderatorin Oprah Winfrey kommt in einem rosa Kleid mit mächtigem Hut.

Kates Schwester Pippa trägt dezentes Mintgrün - sieben Jahre ist es jetzt schon her, dass ihr enges, weißes Kleid bei der Hochzeit ihrer Schwester Kate ihr den Beinamen „Her Royal Hotness“ einbrachte. Superstar Elton John begrüßt in der Kirche viele Gäste mit Umarmung. Er war mit Harrys Mutter Diana befreundet, sang bei ihrer Beerdigung 1997 eine Version von „Candle in the Wind“ - und rührte die Welt damit zu Tränen.

Als Harry - noch unverheiratet - am Mittag in Uniform mit seinem Bruder und Trauzeugen William in die Kirche einzieht, wirkt er schwer nervös - sonst ist er für lockere Sprüche und Humor bekannt. Er ist pünktlich 20 Minuten vor Beginn an seinem Platz, der Ablauf ist schließlich bis ins Detail durchgetaktet. Die Queen (in Limettengrün) und Prinz Philip setzen sich ohne viel Aufhebens auf ihre Plätze.

Eine Fanfare ertönt. Die Braut schreitet zu getragener Musik in ihrem schlichten Kleid in reinem Weiß zum Altar. Sie habe sich für pures Weiß entschieden, weil es frisch und modern sei, teilt der Palast mit. Für manchen kam das überraschend - schließlich ist es für Meghan schon die zweite Ehe. Nach der Absage ihres Vaters bringt Schwiegervater und Thronfolger Prinz Charles die Braut zum Altar.

Harry nimmt seine Braut in Empfang und wirkt, als kämpfe er mit den Tränen. „Du siehst großartig aus“, so begrüßt er sie. Immer wieder schauen die beiden sich während des Gottesdienstes in die Augen, lächeln sich an. Sein „Ich will“ klingt ein wenig belegt. Die Braut spricht klarer - und strahlt über das ganze Gesicht. Die meiste Zeit halten die beiden sich an den Händen.

„Zwei junge Menschen haben sich verliebt, und wir sind alle gekommen.“ Bischof Michael Curry von der Episkopalkirche predigt feurig über die Liebe, bringt die Gemeinde und das Brautpaar auch mal zum Lachen - ein Kontrast zur eher feierlich-steifen Zeremonie des anglikanischen Gottesdienstes. „Die Liebe hat Macht. Liebe kann helfen und heilen, wenn nichts anderes das vermag“, sagt er. Liebe verändere Leben und könnte die Welt verändern. Der Prediger „könnte mich fast zum Gläubigen machen“, schreibt der Ex-Parteichef der britischen Sozialdemokraten, Ed Miliband, auf Twitter.

Ein Gospelchor singt gefühlvoll „Stand by Me“, bevor das Paar sich Liebe und Treue verspricht. „Gehorsam“ verspricht die Braut nicht - eines der vielen kleinen Zeichen dafür, dass die beiden eine bewusst moderne Zeremonie - und eine eben solche Ehe - wollen.

Viele Briten setzen darauf, dass die ehemalige Schauspielerin und der Prinz, der einst als rebellisches Sorgenkind des Königshauses galt, frischen Wind in die britische Monarchie bringen. Am Hochzeitstag gelingt der Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Auch Meghans Mutter Doria Ragland, die Nasenpiercing und Dreadlocks trägt, scheint schon angekommen im Königshaus: Nach dem Gottesdienst reicht Prinz Charles ihr die Hand.

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