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Globale Risiken dämpfen Hoffnung auf Top-Konjunktur

Nürnberg. Noch zum Jahresanfang waren die meisten von ihnen geradezu euphorisch gewesen - inzwischen macht sich bei Volkswirten deutscher Großbanken zum Thema Konjunktur eine gewisse Ernüchterung breit. Die ersten Geldhäuser rudern bei ihren Prognosen bereits zurück.

Globale Risiken dämpfen Hoffnung auf Top-Konjunktur

Besorgt sind die Volkswirte vor allem über die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump und den drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China. Foto: Jörg Sarbach

Der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China sowie weitere globale Risiken lassen nach Einschätzung von Konjunktur- und Arbeitsmarktexperten die ursprüngliche Hoffnung auf ein wirtschaftliches Boomjahr schwinden.

Zwar werde die deutsche Wirtschaft auch 2018 wachsen, wohl aber nicht mehr in dem Maße, wie man noch zum Jahresanfang in einer gewissen Euphorie geglaubt habe. Dies berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Mehrere Geldinstitute haben mit Blick auf die sich leicht eingetrübte wirtschaftliche Lage ihre Wachstumsprognosen inzwischen nach unten korrigiert oder denken darüber nach. Den Arbeitsmarkt werde das aber zunächst unberührt lassen. Dieser werde von der aktuell etwas gedämpften Stimmung entweder gar nicht oder erst mit einigen Monaten Verzögerung erreicht, sind die Ökonomen überzeugt.

Die meisten deutschen Betriebe seien auf Monate ausgelastet. Sorge bereitet den Volkswirten aber der Stimmungsumschwung in vielen Chefetagen, wie etwa der Ifo-Geschäftsklima-Index im März gezeigt habe. „Ich sehe zwar nicht, dass wir am Rande einer Rezession stehen. In den realen Wachstumszahlen ist die gedämpfte Stimmung aber durchaus schon zu spüren“, meint etwa BayernLB-Ökonom Stefan Kipar.

Er und andere Experten verweisen auf den jüngsten Dämpfer bei der Industrieproduktion und den Exporten. Während das Ausfuhrwachstum im Februar an Tempo verloren hatte, war die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat sogar um 1,6 Prozent zurückgegangen.

Angesichts der „vielfältigen Risiken“ rechnet etwa die Commerzbank für 2018 nur noch mit einer Zunahme des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,3 Prozent. Bisher war das Geldhaus noch von 2,5 Prozent ausgegangen. „Die Produktions- und Auftragseingangs-Daten waren zuletzt nicht mehr so toll. Das scheint darauf hinzudeuten, dass das Tempo des Aufschwungs in diesem Jahr etwas nachlässt“, begründet Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld die Korrektur.

Noch skeptischer beurteilt die DZ-Bank die Lage. Sie rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent - nach bisher 2,2 Prozent. Kipar hält dagegen weiter an seiner lange Zeit als konservativ geltenden Prognose von 2,3 Prozent BIP-Wachstum fest: „Das wird problemlos zu schaffen sein. Wir werden allerdings mit wachem Auge darauf schauen, wie sich die Lage weiterentwickelt.“

Besorgt sind die Volkswirte vor allem über die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump und den drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China. „Auch ist die Frage von Strafzöllen für Stahl und Aluminium aus der EU noch keineswegs abgewendet“, betont Tuchtfeld.

Aber selbst dann sei noch nicht klar, wie sich der Handelskonflikt auf die EU und Deutschland auswirken werde. „Da können wir rasch mit reingezogen werden“, warnt Kipar.

Keine allzu großen Sorgen machen sich die Konjunkturexperten dagegen um den deutschen Arbeitsmarkt. „Die Lage bleibt positiv. Ich rechne mit einem weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit und einem weiteren Aufbau der Beschäftigung. Nur die Dynamik wird etwas nachlassen“, ist DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein überzeugt. Daher halten die meisten Ökonomen an ihrer optimistischen Prognose fest: Für 2018 rechnen sie mit einem durchschnittlichen Rückgang der Erwerbslosenzahl um 100 000 bis 150 000 auf 2,3 bis 2,35 Millionen.

Im April dürften nach ihren Berechnungen 2,37 Millionen Menschen ohne Arbeit gewesen sein. Das wären rund 90 000 weniger als im März und rund 200 000 weniger als vor einem Jahr. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit stellen vor allem Bauunternehmen wieder verstärkt Mitarbeiter ein. Auch in Gärtnereien, dem Landschaftsbau und der Gastronomie entstehen zum Frühjahrsanfang neue Jobs. Die offiziellen April-Zahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Freitag (27. April) bekannt.

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