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„Goat Yoga“-Trend hat Fans und Grenzen

San Francisco. Manche Yogis verbiegen sich regelrecht auf der Suche nach ausgefallener Entspannung. In den USA findet „Goat Yoga“ immer mehr Fans. Städter fahren für Kurse mit Ziegen aufs Land. Doch umgekehrt gibt es Probleme.

„Goat Yoga“-Trend hat Fans und Grenzen

Yoga-Lehrerin Amber Ricchetti (34) beim Yoga-Kurs mit Ziegen. Foto: Barbara Munker

Das laute Meckern scheint die Yoga-Schüler nicht zu stören. Auch das Knabbern an ihren Haaren und Zehen nehmen sie gelassen hin.

Niemand regt sich auf, wenn die vierbeinigen Yogis auf der Matte ihr Geschäft verrichten - Willkommen beim „Goat-Yoga“ in Half Moon Bay, knapp 30 Kilometer von San Francisco und Silicon Valley entfernt. 25 Teilnehmende, zumeist Frauen, teilen sich an einem Donnerstagvormittag mit 15 Zwergziegen eine helle Scheune. Die Yogamatten liegen auf einer weichen Schicht Heu.

„Mein erstes Mal“, sagt der Kalifornier Shawn O'Brien mit einem Augenzwinkern. „Ein wenig skeptisch war ich schon“, räumt der 42-jährige Technikberater ein. Dabei hält er ein weißes Ziegenbaby in den Armen und krault versonnen den Rücken des Tieres. Die nächste Yoga-Übung setzt er aus, die Streicheleinheit hat Vorrang.

Emma Stanier balanciert in der Krieger-Pose samt Ziege im Arm, dabei strahlt die Engländerin übers ganze Gesicht. Auf ihrer USA-Reise wollte sie den neuen Yoga-Trend mit ihrem Mann unbedingt ausprobieren, erzählt die 36-Jährige. „Dass man so viel lacht und so viel Liebe beim Ziegenkuscheln fühlt, hätte ich nie gedacht“, begeistert sich die Urlauberin. „Tiere sind die beste Medizin.“

Verrückte Yoga-Varianten gibt es weltweit. Auch in Deutschland rollen die Yogis längst nicht mehr nur ihre Matte aus. Einige verbiegen sich auf Paddelbrettern, bei schweißtreibender Hitze (Bikram-Yoga), mit Bierflaschen, Trapeztüchern und Metal-Musik. Beim Nackt-Yoga wird die Kleidung abgelegt, beim Hunde-Yoga oder DOGA (Dog Yoga) krault man den eigenen Vierbeiner. 

Ziegen-Yoga boomt in den USA, von Texas bis Arizona. In dem ländlichen Westküstenstaat Oregon brachte Lainey Morse, Besitzerin der „No Regrets“-Farm, im Sommer 2016 erstmals Yoga-Schüler mit Zwergziegen auf einer Wiese zusammen. Morse, die selbst an einer Autoimmunkrankheit leidet, schwört auf den therapeutischen Effekt der kleinen Huftiere, die sich gerne streicheln lassen. Auch „X-Men“-Schauspielerin Rebecca Romijn war schon bei ihr zu Gast und schwärmte in Talkshows vom Ziegen-Erlebnis.

„Ich hielt das erstmal für einen Scherz“, erzählt Bob Lemos, der nun seit April „Goat Yoga“ auf seiner Farm mit einem Streichelzoo nahe San Francisco anbietet. Die Samstagskurse sind auf Wochen ausgebucht, die Klicks auf seiner Website schnellten hoch. Jetzt kämen schon Anfragen aus Silicon Valley für Firmenevents, sagt der 62-Jährige. Und wie reagieren seine Zwergziegen, die gewöhnlich im Streichelzoo mit Besuchern auf Tuchfühlung gehen, auf Yoga? „Die haben Spaß“, versichert Lemos. „Wie Kleinkinder, die sich austoben, rumklettern und alles erkunden.“

Yoga-Schülerin Cherish Petlansky erlebt das am eigenen Körper. Sie kniet in der Katze-Kuh-Pose, als eine Ziege auf ihren Rücken steigt. „Die knabbern an dir rum, springen einfach auf und blöken ins Ohr“, grinst die 17-jährige Schülerin. 

Die Ziegen mischen sich neugierig unter die Teilnehmer. Einige Tiere lehnen sich entspannt an, andere fressen Trockenfutter aus der Hand, manche kötteln auf die Yogamatte. Ein Helfer rückt dann gleich mit Küchenkrepp und Schäufelchen an. „Mit Ziegen ist immer ein Überraschungseffekt dabei, man muss den Moment erleben und dabei ganz ruhig bleiben“, erklärt Yogalehrerin Amber Ricchetti. „Und die Muskeln anspannen und den eigenen Körper stabil halten, um das Gewicht der Ziegen auszugleichen“, rät sie den Schülern.  

Für Ricchetti sind Ziegen die idealen Yoga-Helfer - „total liebevoll“, aber keine Haustiere wie Hunde und Katzen, mit denen man vertraut ist. „Es ist eben nicht die Norm, eine Ziege zu umarmen“, witzelt die Yoga-Lehrerin.

Genau das kann auch zum Problem werden. Die New Yorker Gesundheitsbehörde hatte kürzlich Yoga-Kurse mit Ziegen in der Millionenmetropole blockiert. Ein Anbieter vom Lande wollte die Vierbeiner für einige Wochen nach Brooklyn bringen. Eine Erlaubnis sei nicht möglich gewesen, weil „wir direkten Kontakt mit bestimmten Tieren verbieten“, so der Einwand des Amtes.

Auch Bob Lemos hatte schon Anfragen, seine Zwergziegen nach San Francisco zu transportieren, doch er hält an der vertrauten Scheune auf seiner Farm fest. Die Städter müssten sich aber nicht vor dem Kontakt mit den Tieren fürchten, versichert der Kalifornier. „Sie sind überhaupt nicht aggressiv, sie beißen nicht, sie knabbern höchstens ein bisschen rum.“ Von Yoga hält er sich allerdings fern. „Keine Ahnung, wie das geht“, lacht der Veranstalter. „Ich schaue aber gerne meinen Ziegen zu.“

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