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Große Otto Dix-Schau in Chemnitz

Chemnitz. Das Museum Gunzenhauser Chemnitz beherbergt eine herausragende Sammlung zeitgenössischer Kunst. Stifter Alfred Gunzenhauser hat allein fast 400 Werke des Malers Otto Dix zusammengetragen.

Große Otto Dix-Schau in Chemnitz

Das Gemälde "Mädchen am Sonntag" von Otto Dix in Chemnitz. Foto: Sebastian Willnow

Im Chemnitzer Museum Gunzenhauser wird seit Tagen groß umgeräumt. Mitarbeiter nehmen alle Kunst von den Wänden. Selbst Werke von Alexej von Jawlensky, Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Konrad Felixmüller oder Gabriele Münter machen Platz für einen ganz Großen: Maler Otto Dix (1891-1969).

„Die hier ausgestellten Arbeiten gehen ins Depot“, sagt Kurator Stephan Dahme. Sämtliche Räume des Hauses werden mit der Kunst des bedeutenden Malers und Grafikers gefüllt, die der Münchner Galerist und Sammler Alfred Gunzenhauser (1926-2015) zusammentrug.

Es ist die erste Präsentation des weltweit größten Konvoluts von Dix-Werken und Herzstücks der Gunzenhauser-Sammlung von Kunst des 20. Jahrhunderts. Es sind fast 400 Werke, die bis auf Duplikate aus dem Depot ans Licht kommen. „Wir zeigen den gesamten Dix-Bestand inklusive aller Arbeiten auf Papier, die bisher weniger zu sehen waren“, sagt Ingrid Mössinger, scheidende Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, zu denen das Gunzenhauser gehört.

Die Ausstellung „300 X DIX“ (29. April bis 2. September) ist das Abschiedsgeschenk der aus Stuttgart stammenden Kunsthistorikerin und eine Reverenz an den Stifter. „Gunzenhauser hatte eine Passion für Dix“, sagt sie. Er habe mit sehr gutem Auge für Qualität Arbeiten des Künstlers in einer Zeit erworben, wo er noch erschwinglich war, erklärt Kurator Dahme. „Er hat mit gutem Blick für wenig Geld gekauft.“

Das Konvolut, eines der umfangreichsten musealen Bestände des zentralen Protagonisten der Neuen Sachlichkeit, umfasst Arbeiten aller Schaffensphasen und künstlerischen Techniken. Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik bieten einen repräsentativen Querschnitt durch Dix' künstlerische Entwicklung - vom expressionistischen Frühwerk, der Auseinandersetzung mit dem Dadaismus und der aufkommenden Neuen Sachlichkeit bis zur Mitte der 1920er Jahren und den großen symbolischen Landschaften aus seiner Zeit der inneren Emigration.

Statt chronologischer Retrospektive entschieden sich die Chemnitzer für eine thematische Präsentation: Landschaft, Porträt, Krieg und Tod, Religion, Emotionales, Zirkus. „Das gab es noch nie“, sagt Mössinger. Das ermögliche einen anderen Blick auf das Werk von Dix, zu dessen Leben auch Chemnitz gehöre. „Nachdem er seine Stellung an der Dresdner Kunstakademie verloren hatte, haben ihn hiesige Sammler aufgefangen und ihm über die schwierigen Zeiten hinweggeholfen“, berichtet Mössinger.

Neben dem zur Museumsgründung 2007 übergebenen Bestand werden zum ersten Mal auch die etwa 60 Dix-Arbeiten gezeigt, die erst Ende 2015 aus dem Nachlass von Gunzenhauser dazukamen. Dazu gehören bedeutende Gemälde wie der „Sonntagsspaziergang“ von 1922. „Mit meinen Kunstwerken habe ich regelrecht gelebt, sie blickten mich täglich von allen verfügbaren Wänden an“, hatte der Stifter zur Eröffnung seines Museums über die eigene Sammlung geschrieben.

Dem können Besucher bald auf vier Etagen nachspüren. Vor allem bei der empfindlichen Grafik gebe es kaum andere Gelegenheiten zur Betrachtung. „Bestimmte Blätter werden später nicht mehr zu sehen sein“, sagt Mössinger, die Ende April nach über 20 Jahren im Amt in den Ruhestand geht. „Man wird Otto Dix ganz anders wahrnehmen“, sagt sie. Die Schau ist ihr Abschiedsgeschenk an die selbsternannte „Stadt der Moderne“ und soll Chemnitz im öffentlichen Bewusstsein mit dem Künstler verbinden. „Wir können uns auf Schmidt-Rottluff und Dix stützen.“

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