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Widersprüchliche Angaben

Gutachter im Prozess um Horrorhaus von Höxter unter Druck

Paderborn Das Landgericht Paderborn steckt im Prozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter in der Klemme. Nach über einem Jahr mit 35 Verhandlungstagen steht einer der beiden Gutachter vor dem Aus - und das kurz vor Prozessende. Der Gutachter soll die Befragungen des Angeklagten eines seiner Mitarbeiter als seine eigenen ausgegeben haben.

Gutachter im Prozess um Horrorhaus von Höxter unter Druck

Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen in einem Haus in Höxter gerät der für den Angeklagten Wilfried W. zuständige Sachverständige weiter unter Druck. Gutachter Michael Osterheider erschien am Mittwoch nicht vor dem Landgericht Paderborn und meldete sich krank. Foto: dpa

Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen in einem Haus in Höxter gerät der für den Angeklagten Wilfried W. zuständige Sachverständige weiter unter Druck. Gutachter Michael Osterheider erschien am Mittwoch nicht vor dem Landgericht Paderborn und meldete sich krank. Als Zeuge befragt wurde sein Mitarbeiter Maximilian Wertz. Aus seiner Aussage ergab sich, dass Osterheider in seinem Gutachten Gespräche des Mitarbeiters mit Wilfried W. als eigene Befragungen des Angeklagten angegeben haben soll.

PADERBORN Im Prozess um das „Horrorhaus“ geriet der Psychiater mächtig unter Druck - noch bevor es überhaupt um sein Gutachten geht. Zuvor hatte der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt.mehr...

Verteidiger Detlev Binder warf Osterheider daraufhin Lügen und Abrechnungsbetrug vor. Das Gericht muss den Sachverhalt jetzt prüfen und eine Stellungnahme des Professors der Uni Regensburg abwarten. In der vergangenen Woche hatte sich Osterheider bei einer Befragung durch Anwalt Binder in Widersprüche verwickelt.

Weitere Widersprüche

Binder sieht das Vertrauensverhältnis zu dem Gutachter von Grund auf zerstört. Die Gerichtsverwaltung muss jetzt prüfen, ob Osterheider eine Befragung im Gefängnis in Detmold am 5. April 2017 abgerechnet hat. Die Gefängnisverwaltung hatte dem Anwalt mitgeteilt, dass an dem Tag nur der 29-jährige Mitarbeiter in der JVA war. Wertz bestätigte das im Zeugenstand.

Auch in weiteren Punkten widersprach er seinem Chef. Dabei ging es um Aussagen zu sexuellen Vorlieben des Angeklagten. Osterheider hatte in der Vorwoche ausgesagt, dass Wilfried W. nicht nur gegenüber der Mitangeklagten härtere Sexpraktiken wie Schläge, Bisse und Luftabschnüren ausgelebt habe, sondern auch gegenüber einer weiteren Frau. Auch soll der 47-jährige Angeklagte eigene sexuelle Erregung dabei empfunden und nicht nur auf Wunsch der Frauen gehandelt haben, wie er dem Psychiater gegenüber gesagt haben soll. „Von dieser Aussage weiß ich nichts“, sagte Wertz.

Paderborn. Angesichts des desolaten Gesundheitszustandes des letzten Opfers im sogenannten Horrorhaus von Höxter hat der Angeklagte Wilfried W. versucht, bereits vor dem Tod der Frau jede Verantwortung von sich zu weisen. Das Landgericht Paderborn verlas am Dienstag Wortprotokolle von Tonaufnahmen, auf denen Gespräche zwischen Wilfried W. und der entkräfteten Susanne F. kurz vor deren Tod zu hören sind. Darin lässt sich der Angeklagte von der Frau bestätigen, dass nicht er sie misshandelt habe, sondern die Mitangeklagte Angelika W.. Von ihr habe Susanne F. Hämatome am ganzen Körper. Zu den verlesenen Protokollen gab es am Dienstag keine Stellungnahme der Prozessbeteiligten.mehr...

Sollte Osterheider als Gutachter aus dem Prozess ausscheiden, könnte die für die Angeklagte Angelika W. zuständige Sachverständige diese Aufgabe zusätzlich übernehmen, sagte eine Gerichtssprecherin. Über Jahre hinweg sollen die beiden Angeklagten Frauen in ein Haus nach Höxter in Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Der Prozess wird am 28. November fortgesetzt.

dpa

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