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"Drügen Pütt" seit fast 200 Jahren altdeutsche Gaststätte

Denkmalstag

HALTERN „Historische Orte des Genusses“ ist das Motto des diesjährigen Denkmalstages. Was könnte besser zu diesem Thema passen als eine traditionsreiche Gaststätte, die sich dazu noch rühmt, „weltbekannt“ zu sein.

von Von Rudolf Marwitz

, 11.09.2009
"Drügen Pütt" seit fast 200 Jahren altdeutsche Gaststätte

Fast unverändert seit 90 Jahren und einmalig in Haltern ist das Kaminzimmer des Drügen Pütt. Bilder und plattdeutsche Sprüche an den Wänden, blank gescheuerte Tische und ein original westfälisches Herdfeuer.

Weder in der Stadt Haltern noch in den Ortsteilen gibt es einen historischen Gasthof, der auf eine fast 200 jährige Geschichte zurückblicken kann und seit 90 Jahren sein Aussehen als altdeutsches Lokal nahezu unverändert bewahrt hat.

Wenige Jahre nachdem in der Franzosenzeit damit begonnen wurde, eine Chaussee von Haltern über Haus Dülmen nach Dülmen anzulegen, erbaute der Sythener Wilhelm Mühlenbrock am Kreuzungspunkt der Verbindungswege Haltern-Dülmen und Sythen- Lavesum eine Gast- und Schenkwirtschaft für durchziehende Fuhrleute. 1819 bis 1830 wurde die Straße dann endgültig fertig gestellt. Aus dieser Zeit stammt wohl der 80 Fuß tiefe Brunnen, der dem Gasthof den Namen gab. „Drügen Pütt“, weil schimpfende Fuhrleute in dem trockenen Brunnen nicht ausreichend Wasser für ihre durstigen Pferde fanden.

Im Jahr 1919 erwarb August Alte- Ruthemeyer das etwas baufällige Gebäude und machte daraus eine altdeutsche Gaststätte. Der neue Besitzer wusste die wachsende Motorisierung zu nutzen. 1924 baute er gegenüber der Gastwirtschaft eine Tankstelle, 1936 einen modernen Tankbahnhof. Die Fernfahrer von Hamburg bis München verbreiteten den guten Ruf des Drügen Pütt in ganz Deutschland. Die „Münchener illustrierte Presse“ brachte 1929 einen Bericht über Tankstellen und Landstraßen zweier Kontinente mit einem Bild vom Drügen Pütt. In dem Roman „Die Werft zum grauen Hecht“ ist zu lesen: „Wie die große Welt ihre Grand Hotels besitzt, so hat der der Lastkraftwagenführer seine nur ihm vertrauten Wirtschaften: Mutter Muhkow bei Zehlendorf und den Drügen Pütt bei Haltern.“

Prominente Gäste kehrten dort ein: Bischöfe, Krupp von Bohlen und Halbach und der Likörfabrikant Emil Underberg. Der kam 1954 unerkannt und bestellte einen Underberg. Er bekam einen Aquebuse. Der Gast empörte sich und erhielt Lokalverbot. Später versöhnte man sich. Noch heute gibt es im Gastraum ein Reklamefenster mit dem Spruch: „Ob Riese oder Zwerg, alle trinken Underberg.“ Das Bild stiftete der Fabrikant, der Reim stammt von August Alte-Ruthemeyer. Sein Enkel Peter Tuschmann möchte das Lokal in seiner einmaligen Originalität erhalten. Ganz im Sinne eines der vielen Sprüche an den Wänden: „Dütt is de natte Pütt, de geiht noch lange nich verschütt.“ 

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