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Lippramsdorferin berichtet von Wolfssichtung am Abend

Wolf soll an der Straße gestanden haben

Im Jahr 2016 soll es sie schon in Haltern gegeben haben, zumindest wurde eifrig darüber debattiert. Jetzt berichten Bürger von neuen Wolfssichtungen. Elisabeth Kemper beschreibt die Situation detailliert, Experten sehen keinen Grund, ihr nicht zu glauben.

Lippramsdorf

, 20.02.2018
Lippramsdorferin berichtet von Wolfssichtung am Abend

Wölfe im Naturwildpark Granat: Jetzt wollen Halterner Bürger wilde Artgenossen gesehen haben.

Elisabeth Kemper war auf dem Heimweg. Ihre Kegelschwester saß auch im Auto. Gegen 22 Uhr machten die beiden Frauen in Lippramsdorf eine offenbar außergewöhnliche Beobachtung. „Auf dem Fahrradweg am Neuen Kamp, ganz in der Nähe eines Bauernhofs, stand ein Wolf.“ Das zumindest meinen die beiden Frauen. „Wir trauten unseren Augen zunächst selbst nicht“, räumt Elisabeth Kemper ein. Es war dunkel, weit und breit kein Mensch zu sehen. Der vermeintliche Wolf habe sie mit funkelnden Augen beobachtet.

Elisabeth Kemper bremste, wendete und fuhr zurück. Noch immer stand das Tier da. Auf Höhe des Wolfs, nur eine Straßenbreite entfernt, stoppte sie das Auto. „Der Wolf fixierte uns kurz und entfernte sich dann ganz entspannt“, berichtet Kemper weiter. Sie und ihre Kegelschwester haben keine andere Erklärung für das, was eigentlich gar nicht sein konnte: „Es war ein Wolf“, sind die Frauen sich einig. Bereits am vorletzten Mittwoch, am 7. Februar, habe sich der Vorfall ereignet.

Ihrem Mann erzählte Elisabeth Kemper zwar direkt von dem Erlebnis. Doch erst, als sie am Dienstag in der Zeitung einen Artikel über eine vermeintliche Wolfssichtung in Dorsten las, ging sie mit ihrer Beobachtung an die Öffentlichkeit. In Dorsten hatte sich eine Frau gemeldet, die am Sonntag gegen 18 Uhr nahe der Hervester Lippebrücke einen Wolf gesehen haben will. Experten schließen nicht aus, dass es sich in Haltern und Dorsten tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben könnte. Schon im April 2016 hatten zwei angebliche Wolfssichtungen in Haltern für Diskussionen gesorgt. Eine von einem Dülmener gemachte Aufnahme zeigte wohl einen Wolf. Das Bild hatte in Kreisen der Jägerschaft die Runde gemacht.

Schon damals war Jos de Bruin, Wolfsexperte aus dem Naturwildpark Granat, überzeugt, dass ein Wolf durch die Hohe Mark zieht. Und auch am Dienstag erklärte der Niederländer: „Es ist jetzt die Zeit. Junge Wölfe verlassen mit zwei Jahren ihr Rudel, um nach einem Revier und nach einer Partnerin zu suchen.“ Dafür ließen sie Hunderte Kilometer hinter sich. De Bruin vermutet, dass es Wölfe aus Niedersachsen hierher verschlagen hat. „Dort gibt es viele Jungtiere.“

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Heinrich Himmelmann, Vorsitzender des Halterner Hegerings, will die Anwesenheit des Wolfs in dieser Gegend „nicht ganz von der Hand weisen“. Vielleicht handele es sich bei dem jetzt beobachteten Tier ja sogar um den 2016er Wolf, der nun zurückgekommen sei, mutmaßt Himmelmann. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass die Tiere mit wolfsähnlichen Hunderassen wie beispielsweise dem Tschechoslowakischen Wolfshund verwechselt worden seien.

Es ist außerordentlich schwierig, den Nachweis für das Vorkommen von Wölfen zu erbringen. Im besten Fall gibt es Beweismaterial wie Fotos, Trittsiegel, also: Fußspuren, Kot, Speichelreste oder DNA, mit dem dem Wolf auf die Schliche zu kommen ist. Zu oft allerdings bleibt es „nur“ bei reinen Sichtungen. Doch auch in solchen Fällen ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) für Hinweise dankbar. Zeugen, die einen Wolf gesehen haben wollen, melden sich am besten beim Wolfsberater vor Ort. Das Lanuv hat dazu eine Liste mit Beratern veröffentlicht.

Niels Ribbrock von der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen ist einer von ihnen. „Die Wolfszeit läuft jetzt an“, sagt der gelernte Landschaftsökologe. Junge Wölfe seien nun unterwegs. „Und damit verdichten sich auch die Wolfsbeobachtungen.“ Zeugenaussagen müssten aber ganz genau geprüft werden. Das sei oft nur möglich, wenn die Wolfsbeobachter zeitnah informiert werden und vor Ort nach frischen Spuren suchen können. Hätte Elisabeth Kemper sich bei ihm gemeldet, hätte Ribbrock die Lage vor Ort wohl geprüft. Wilhelm Deitermann vom Lanuv macht aber deutlich: „Aus mehr als 200 Hinweisen in NRW ergeben sich höchstens fünf echte Nachweise.“

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