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"Mein Freund hält mir den Rücken frei"

Jana Beller im Interview

2011 wurde Jana Beller bei „Germany’s Next Topmodel“ zum schönsten Mädchen Deutschlands gewählt, heute backt sie lieber Brötchen. Mit ihrem Freund Dimitri betreibt die 25-Jährige deutschlandweit mittlerweile vier Backwerk-Filialen. Vor einer Woche haben die beiden einen Shop im Bochumer Ruhrpark eröffnet.

HALTERN/BOCHUM

, 18.03.2016
"Mein Freund hält mir den Rücken frei"

Jana Beller betreibt eine Bäckerei-Fililale in Bochum

Sie belegt gerade ein Brötchen, als wir sie dort Anfang der Woche besuchen. Die junge blonde Frau mit den strahlend blauen Augen nimmt sich Zeit, um mit uns zu sprechen. Ungeschminkt. „Hier muss ich mich ja nicht aufbrezeln“, sagt sie und zeigt uns ihr charmantes Lächeln. In Haltern ist Jana aufgewachsen. Ihr Elternhaus steht in Lippramsdorf. Als junges Mädchen hat sie die hiesige Realschule besucht. Nach Unterrichtschluss, insbesondere an den Wochenenden, hat sie gejobbt – als Verkäuferin im Modehaus Heckmann in der Innenstadt. Von ihrem damaligen Chef, Jochen Heckmann, habe sie vieles gelernt. „Er war immer sehr fair und nett zu mir. Zugleich hat er seine unternehmerischen Ziele nie aus den Augen verloren. Diese Art und Weise möchte ich nun auch für meine Mitarbeiter vorleben“, erzählt Jana. Welche Momente sie in ihrem Leben geprägt haben, was sie sich für die Zukunft wünscht und wie ihr neues Leben als Unternehmerin läuft, darüber sprach die 25-Jährige mit unserem Redakteur Daniel Winkelkotte.

Frau Beller, wann sind Sie heute Morgen aufgestanden?

Jana Beller (überlegt): Um 7.30 Uhr. Wieso?

Als Bäcker muss man ja bekanntlich früh aufstehen...

(lacht) Ja, aber ich versuche, mir die Arbeit meistens so auszusuchen, dass ich etwas länger schlafen kann.

Sie haben vor einer Woche eine neue Backwerk-Filiale im Bochumer Ruhrpark eröffnet. Mit Ihrem Freund Dimitri betreiben Sie mittlerweile vier Filialen deutschlandweit. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Es war nie unsere erste Absicht, einen Backshop zu eröffnen. Vielmehr stand am Anfang die Überlegung, wie wir uns langfristig unternehmerisch etwas aufbauen können. Wir haben uns dann verschiedene Franchise-Systeme angeschaut, letztlich ist es Backwerk geworden. Wir haben uns beim Gespräch in der Zentrale wohlgefühlt, auch die Zahlen haben gepasst.

Also ist es ein Investment in Ihre gemeinsame Zukunft?

Richtig. Wir haben tolle Standorte und mit der neuen Filiale im Ruhrpark ein weiteres Aushängeschild dazubekommen. Mir gefällt dieser Shop besonders gut. Wir haben hier viele Sitzplätze. Die Leute können verweilen. Es geht schon ein wenig in den Bereich Gastronomie. Insbesondere samstags ist hier sehr viel los. Da brauchen wir zwei Öfen, die durchgehend in Betrieb sind.

Sie packen auch selbst mit an?

Ja klar. Mal am Ofen, auch mal beim Belegen der Brötchen. Wir haben ja gerade erst neu eröffnet. Vieles muss sich noch einspielen, auch personell. Langfristig werde ich mich mehr um die organisatorischen Aufgaben im Hintergrund kümmern.

Könnten Sie sich vorstellen, auch in Haltern einen Backwerk-Shop zu eröffnen?

Eher nicht. Haltern ist zu klein und hat ja außerdem schon genug gute Bäckereien.

Sind Sie gelegentlich noch in der Seestadt?

Ja. Mein Freund und ich wohnen zwar mittlerweile in Bochum, aber Haltern ist für mich ein Stück Heimat. Meine Familie und viele Freunde leben hier. Ich versuche, sie so oft es geht zu besuchen. Ich bin auch so ein Mensch, ich brauche das mindestens einmal pro Woche, meine Mama zu sehen.

Ihre Karriere als Model hat nach dem Finalsieg bei Germany’s Next Topmodel 2011 richtig Fahrt aufgenommen. Erinnern Sie sich noch oft an diese Zeit zurück?

Klar. Das war schon eine sehr spannende Zeit. Wir waren drei Monate durchgehend unterwegs. Ich durfte viele Länder kennenlernen. Auch nach dem Ausstieg war ich fast vier Jahre im Ausland unterwegs, also fast kaum in Deutschland. Ich habe während dieser Zeit in Sydney, in Neuseeland und auch in Kapstadt gelebt. Das war schon schön, ja.

Gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?

An ein Erlebnis kann ich mich direkt erinnern, und zwar meinen Wechsel zur Modelagentur IMG. Die haben mich nach Mailand geschickt und direkt ins kalte Wasser geworfen. Plötzlich hieß es: hier deine Mappe, deine Telefonkarte, deine zehn Castings, die musst du heute abarbeiten. Ich konnte die U-Bahn-Mappe kaum lesen, in Haltern gibt‘s ja keine U-Bahn (lacht).

An diesem Tag habe ich zwei oder drei Castings geschafft, die ich wirklich mit dieser blöden Karte gefunden habe. Und dann bin ich in ein Modelapartment gekommen. Dort war ich mit zwei Mädchen untergebracht, die waren zum Glück auch ganz nett, aber irgendwann hab ich, völlig verzweifelt, meinen Freund angerufen. Ich war echt kurz davor alles abzubrechen. So hatte ich mir das Modelleben nicht vorgestellt.

Was genau meinen Sie?

Bei Germany‘s Next Topmodel haben mich alle gemocht und ich hab ganz viele Jobs gekriegt. Doch in Mailand waren bis zu 150 Mädchen bei einem Casting und ja, ich musste dann halt lernen, mich durchzusetzen. Im Nachhinein war das für meine persönliche Entwicklung eine ganz wichtige Erfahrung.

Hatten Sie eigentlich nach Ihrem Ausstieg noch mal Kontakt zu Heidi Klum?

Nein, ich habe sie beim Finale gesehen. Aber danach gab es keinen Kontakt mehr mit ihr.

Wie lassen sich Ihre Jobs als Model und Bäckerin eigentlich kombinieren?

Ganz gut. Mein Freund hält mir immer den Rücken frei. Mit ihm bin ich nun schon seit acht Jahren zusammen. Wir verstehen uns blind.

Ist er eifersüchtig?

Nein. Deshalb gab es noch nie ein Problem in unserer Beziehung. Er weiß, dass er mir vertrauen kann. Und andersherum ist das genauso. Ich bin eine treue Seele.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

In einer Diskothek in Dortmund. Er hat mich auf einen Drink eingeladen und wir kamen miteinander ins Gespräch. Es hat sofort gefunkt.

Dürfte ich mal Ihre Hände sehen?

Warum?

Ist da schon ein Ring an Ihrem Finger?

(lacht) Nein.

Aber bald?

Irgendwann bestimmt. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. Wir sind ja beide noch jung. Mal sehen, wann der passende Zeitpunkt kommt.

Wie stellen Sie sich Ihre Hochzeit denn vor?

Das wäre eine intime Hochzeit und die würde auch nicht in Deutschland stattfinden, sondern irgendwo am Strand oder so und dann auch im engsten Kreis mit Familie und Freunden.

Haben Sie einen Kinderwunsch?

Ja. Also zwei Kinder will ich schon. Das wäre toll.

Dann werden Sie beruflich kürzertreten müssen...

Klar, aber es ist ja auch so, dass die Filialen in München und Köln schon gut laufen. Wenn es irgendwann soweit sein sollte, werde ich sicherlich auch die Möglichkeit haben, mich zurückzunehmen, um für unsere Kinder da sein zu können.

Gibt es aktuell Projekte neben der Backstube?

Ja, vor kurzer Zeit hatte ich ein Shooting für die Kampagne einer spanischen Haarfärbemarke, einer Tochterfirma von Schwarzkopf. Und demnächst bin ich auch im Fernsehen zu sehen, bei RTL. In einer Soap.

In welcher?

Das ist noch geheim.

Eine Gastrolle?

Ja genau. Ich wollte mal wissen, wie das so hinter den Kulissen abläuft und mich ein wenig ausprobieren. Und wenn man so eine Chance bekommt, warum nicht. Es hat Spaß gemacht.

Würden Sie in einem Tatort lieber den Bösewicht spielen oder die nette Ermittlerin?

Da würde ich schon lieber den Bösewicht spielen, weil im echten Leben bin ich ja schon nett (lacht).

Noch mal zu Ihrer Arbeit als Model. Haben Sie eigentlich schon als Kind diesen Traum gehabt?

Nein. Ich wollte Model werden, nachdem ich die erste Staffel von Germany‘s Next Topmodel geguckt hatte. Da hab ich gedacht, wenn die das können, warum kann ich das nicht auch? Ich wollte mich bewerben, aber meine Eltern fanden die Idee damals gar nicht gut. Sie wollten, dass ich erst mal die Schule zu Ende bringe. Das habe ich gemacht und mich anschließend dann beworben.

Sie waren erst sieben Jahre alt, als Sie mit ihrer Familie aus dem russischen Omsk nach Haltern gekommen sind. Sind Sie zweisprachig aufgewachsen?

Naja. Meine Oma hat immer russisch mit mir gesprochen. Als wir damals mit der Familie nach Deutschland kamen, konnte ich kein Wort Deutsch. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Schultag in der Marienschule erinnern und an meine Lehrerin, die feuerrote Haare hatte. Ich habe nur leider absolut nichts verstanden.

Wie schnell haben Sie sich dann eingelebt?

Ziemlich schnell. Bei Kindern funktioniert Integration ja meistens sehr unkompliziert. So war es auch bei mir. Bei meinen beiden älteren Schwestern hat das viel länger gedauert. Bei Ihnen hört man den Akzent heute noch raus.

Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die aktuelle Flüchtlingsdebatte?

Ich glaube, dass wir in Europa vor großen Herausforderungen stehen. Leider gibt es immer noch viele Menschen, die sich nicht in die Lage von Flüchtlingen hineinversetzen können, oder es vielleicht auch nicht wollen. Viele begegnen Flüchtlingen mit Distanz oder gehen mit einer negativen Denkweise an das Thema. Das ist schade. Zugleich sollten sich die Deutschen aber auch nicht vernachlässigt fühlen, denn das trägt nicht dazu bei, dass das Verständnis bei den Leuten wächst. Die Politik ist gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Eine letzte Frage: Gibt es noch weitere Pläne für Ihre persönliche Zukunft?

Nein. Also nichts Konkretes. Ich bin aktuell sehr gut ausgelastet. Und alles Weitere lasse ich einfach auf mich zukommen. Es kommt sowieso, wie es kommen muss. Wenn eine Tür zugeht, geht ja meistens irgendwo eine andere wieder auf.

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