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Tierschützer und Veterinäramt nehmen Landwirt ins Visier

Verweste Tiere in Halterner Legehennen-Betrieb

Ein Halterner Landwirt ist in das Visier von Tierschützern und Veterinäramt geraten. In dem Eier produzierenden Betrieb wurden tote Legehennen, zum Teil stark verwest, gefunden. Das hat nun Folgen.

HALTERN

, 03.04.2018
Tierschützer und Veterinäramt nehmen Landwirt ins Visier

Traurige Eindrücke aus dem Halterner Legehennen-Betrieb: Zu sehen sind halb nackte und gar tote Tiere. © ttierretter.de

Die toten Hühner müssen schon seit Wochen in dem Stall des Halterner Eierbauern gelegen haben. Rund 4500 Legehennen werden dort in Bodenhaltung gehalten. Der münstersche Tierschutzverein tierretter.de veröffentlichte jetzt Fotos von den dortigen Haltungsbedingungen. Sie zeigen Hühner, denen sehr viele Federn fehlen, teilweise sind die Tiere halb nackt. Überall liegt Dreck und Kot. Auf den Gittern unter den Hühnerstangen sind verendete Tiere zu erkennen. „In dem Stall lagen etwa 20 stark verweste und teils mumifizierte Körper von Legehennen“, berichtet Tierschützer Patrick Sabatkiewicz. Manche seien bereits schwarz vor Verwesung, andere nur noch Gerippe gewesen. „Offenbar seit Wochen hat der Landwirt die toten Tiere nicht aus dem Stall geräumt.“

Unangemeldete Kontrolle

Fotos wie auch Filmaufnahmen waren in den Nächten zum 2. und zum 10. März entstanden. Am 11. März wandte sich der Verein tierretter.de an das Veterinäramt des Kreises Recklinghausen, wie Vorstandsmitglied Sabatkiewicz ausführt. Die Behörde reagierte schnell und führte am Folgetag eine unangemeldete Kontrolle in dem landwirtschaftlichen Betrieb durch.

Svenja Küchmeister, Sprecherin der Kreisverwaltung Recklinghausen, kann die Vorwürfe zum Teil bestätigen. „Wir haben ein paar tote Tiere gefunden“, sagt sie. Das Kreisveterinäramt leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Der Landwirt erhält damit die klare Vorgabe, seinen Stall täglich zu kontrollieren und tote Tiere umgehend zu entfernen. Ob er zudem ein Bußgeld zahlen muss, ist noch offen. Nach einer Anhörung soll hierzu eine Entscheidung fallen, erklärte Svenja Küchmeister. Bislang seien bei zwei Nachkontrollen in dem Betrieb jedenfalls keine Auffälligkeiten entdeckt worden.

Der Landwirt selbst will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Stellvertretend aber erklärte am Dienstag der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands, Friedrich Steinmann, den Sachverhalt. Derartige Ordnungswidrigkeiten in landwirtschaftlichen Betrieben würden keinesfalls geduldet, so Steinmann. „Der Halterner Fall ist natürlich nicht zu entschuldigen und auch nicht schönzureden“, sagte er weiter. Dennoch bat Steinmann um Verständnis: „Es gibt hier auch eine menschliche Komponente.“

Unglückliche Situation

Die Legehennen seien in dem Betrieb zum ersten Mal mit ungekürzten Schnäbeln gehalten worden. Das berge auch eine gewisse Verletzungsgefahr in sich. Diese neuen Probleme, verbunden mit einer schweren Grippe-Erkrankung des Landwirts hätten letztlich zu der unglücklichen Situation geführt. Der Familienbetrieb sei bislang nie negativ in Erscheinung getreten.

Die Tierschützer aus Münster haben Strafanzeige gegen den Bauern erstattet. Man müsse sich schon fragen, ob ein Fall dieses Ausmaßes nicht einen Straftatbestand darstellen könne, so Patrick Sabatkiewicz. Rein juristisch handelt es sich jedoch laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung um eine Ordnungswidrigkeit. Ein Ziel haben die Tierschützer offenbar schon erreicht. Sabatkiewicz: „Wir wollen vor allem, dass die Menschen erfahren, wie die Tiere gehalten und die Produkte produziert werden.“