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Verbotszone in Haltern-Sythen wird erweitert

Grundwassernutzung

In Sythen dürfen bald noch weniger Bewohner ihr Grundwasser aus dem Brunnen nutzen. Der Kreis wird das bestehende Grundwassernutzungsverbot - vermutlich noch im März - erweitern.Das wurde am Mittwochnachmittag während der Sitzung des Kreisumweltausschusses in Recklinghausen bekannt.

SYTHEN

, 04.02.2016
Verbotszone in Haltern-Sythen wird erweitert

Stich der Sprengstofffabrik aus dem Jahre 1916: Rechts im Bild ist das Füllwerk für Bomben und Torpedos zu sehen, das die heutigen Probleme verursacht hat. 1991 erhielt der Kreis erstmals Kenntnisse darüber, dass hochbrisante Stoffe ins Grundwasser gelangt sind.

Karl-Heinz Reckert, zuständiger Ressortleiter des Fachdienstes Umwelt, erklärte, dass voraussichtlich der nördlich der Bahnlinie gelegene Teil von Sythen (Dorfkern) zur erweiterten Verbotszone gehören wird. Möglicherweise könnte nach Inkrafttreten der neuen Verfügung aber auch ganz Sythen vom Grundwassernutzungsverbot betroffen sein. "Ausschließen können wir das zum aktuellen Zeitpunkt nicht", wie Fachbereichsleiter Friedhelm Kahrs-Ude auf Anfrage unserer Redaktion erläuterte. "Zurzeit warten wir noch auf die letzten Ergebnisse der Untersuchungen."

Bisherige Grundwasseruntersuchungen sowie das in Auftrag der Gelsenwasser AG erstellte Grundwassermodell zeigen, dass sich die sprengstofftypischen Schadstoffverbindungen im Grundwasser weiter ausgebreitet haben. Schon vor Monaten war deshalb eine Erweiterung des Grundwassernutzungsverbots angekündigt worden. Nun sollen die Ergebnisse eines noch ausstehenden Gutachtens endlich Klarheit schaffen.

Zur Zeitverzögerung sei es gekommen, weil noch nicht alle Fragen abschließend geklärt werden konnten und das Gutachten aus Sicht des Kreises nachgebessert werden musste. In Kürze soll das erweiterte Modell vorliegen.

Drei Tonnen Sprengstoff

Wie Karl-Heinz Reckert außerdem bekannt gab, sind im vergangenen Oktober bei Erkundungs- und Sanierungsarbeiten auf dem Wasag-Gelände erneut umfangreiche Mengen von Sprengstoffrückständen im Entwässerungssystem aufgefunden worden. Gutachter hätten die Fundstelle aufgrund historischer Recherchen ins Visier genommen. "Es kann davon ausgegangen werden, dass mit dieser Fundstelle ein weiterer Schadensschwerpunkt auf dem ehemaligen Werksgelände der Wasagchemie gefunden wurde", so Reckert weiter.

Die Rückstände sollen aus der Zeit zwischen 1916 und 1922 stammen. Sprengstoffhaltige Abwässer seien in dieser Zeit bewusst über nicht verbundene Rohrstücke in den Boden geleitet worden. Reckert: "Die insgesamt etwa 130 Meter langen Leitungsstränge endeten gezielt in besonders dafür angelegte Versickerungsgruben. Teilweise enthalten die Abwasserleitungen konzentrisch verlaufende Stahlrohrleitungen, durch die vermutlich heißer Wasserdampf geleitet wurde." Anfang dieses Jahres sei die Bergung der Rohre durch ein Fachunternehmen durchgeführt worden.

Boden kontaminiert

"Unterhalb der Rohrleitungen ist mit deutlichen Bodenverunreinigungen zu rechnen", erklärte Reckert weiter. Die Belastungsbereiche seien jedoch noch näher einzugrenzen. Aber es sei damit zu rechnen, dass noch umfangreiche Bodensanierungen durchzuführen sein werden. Die Kosten werde der Grundstückseigentümer, die Sythengrund GmbH, tragen. Langfristig müsse die öffentliche Hand die Mittel für Sanierungsmaßnahmen aufbringen.

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