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Politische Kämpfe abseits der Kreißsaal-Thematik

Geburtshilfe: Bürger von Politikern enttäuscht

Die Krankenhausleitung konnte beim Publikum punkten, Werbung für die Lokalpolitik war die Sondersitzung des Stadtrats am Mittwochabend aber keinesfalls. Viele Zuhörer waren von den Abgeordneten enttäuscht.

HALTERN

, 12.05.2018
Politische Kämpfe abseits der Kreißsaal-Thematik

Der Klapperstorch verlässt Haltern am See: Bald sind nur noch Hausgeburten in der Stadt möglich. © Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke

Dass der Stadtrat kein Mitspracherecht bei der nahenden Schließung der Geburtshilfe im Sixtus-Hospital hat, haben viele Politiker den rund 70 Zuschauern am Mittwoch deutlich gemacht. Die beantragte Resolution, in der sich der Rat gegen die Schließung positionieren sollte, sei nur eine politische Willenserklärung, erklärte Initiatorin Beate Pliete, Fraktionsvorsitzende der SPD. Diese Resolution wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, weil sie bei den Bürgern falsche Hoffnungen wecke und weil die anderen Fraktionen einen Alleingang der SPD kritisierten.

„In der Natur einer von mehreren Parteien gemeinsam verabschiedeten Resolution liegt es, dass diese auch gemeinsam erarbeitet oder wenigstens abgestimmt wird“, sagte Bürgermeister Bodo Klimpel (CDU) zu Beginn der Sitzung: „Die anderen Fraktionen hatten überhaupt nicht die Chance, an der Resolution mitzuwirken.“ Außerdem enthielt der Antrag schlicht Fehler: Unter anderem stand dort, die Geburtenzahlen seien im Krankenhaus stetig ansteigend gewesen – stattdessen fielen sie innerhalb von drei Jahren um 17 Prozent.

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„Ich persönlich war ziemlich erschrocken“, sagt die junge Mutter Carolina Jeromin, die die Sitzung verfolgt hat, mit Blick auf Anfeindungen zwischen den Politikern. Es sei überhaupt nicht um die Sache an sich gegangen, jeder habe sich nur politisch darstellen wollen. „Meine Vorurteile gegenüber der Politik wurden leider bestätigt“, so Jeromin.

Ähnlich äußert sich Christoph Schröer, der die Sitzung ebenfalls verfolgte: „Ich weiß ja nicht, wie sich das sonst im Stadtrat so verhält, aber am Mittwoch ging vieles persönlich gegen Frau Pliete und die SPD.“ Die anderen Fraktionen hätten in der mehr als einstündigen Sitzung alle das Gleiche gesagt. „Hätte die CDU den Antrag leicht anders gestellt, wäre er bestimmt durchgegangen“, meint Schröer. Schon in der Sitzung gab es aus dem Publikum viel Applaus für die SPD. Als der FDP-Sprecher Kai Surholt anmerkte, der Rat dürfe bei den Bürgern nicht den Eindruck erwecken, in dieser Sache etwas bewegen zu können, unterbrachen ihn mehrere Zuschauer mit Zwischenrufen. Man sei sich dieser Situation durchaus bewusst.

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Die Krankenhaus-Geschäftsführer Andreas Hauke und Dr. Andreas Weigand haben mit ihren Erläuterungen zur Schließung allerdings Sympathien gewinnen können. So zeigte es sich schon direkt nach der Sitzung in Gesprächen vor dem Rathaus. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass sie überhaupt vorsprechen“, meint Carolina Jeromin, die die Klinik-Chefs „recht glaubwürdig“ wahrnahm. Christoph Schröer fand ihr Auftreten ebenfalls gut, „es blieb aber offen, in welchem Umfang neue Ärzte gesucht wurden“. Zum 30. Juni wird die Station geschlossen, weil dann der Leitende Oberarzt in Ruhestand geht und kein Nachfolger gefunden wurde. Dass niemand im Raum die Schließung möchte, sei aber klar geworden.

Ein ganz anderes Ärgernis: Zuschauerfragen sind im Stadtrat generell nicht vorgesehen. Bürgermeister Klimpel ließ am Mittwoch auf Nachfrage aber exakt eine zu. „Das war schon bezeichnend, dass zum Thema Geburt das Wort einem Mann gegeben wurde, obwohl die meisten Zuschauer Mütter waren“, meint Carolina Jeromin.