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Hannovers Erlösung: „Jetzt darf Last abfallen“

Hannover. Personell geschwächt und mental gebeutelt: Trotz schwieriger Vorzeichen sichert sich Hannover mit Wille und Mut einen Sieg im Nord-Duell. Nach dem 2:1 gegen Bremen darf 96 aufatmen - und Manager Heldt nach einigem Ärger sein Wochenende genießen.

Hannovers Erlösung: „Jetzt darf Last abfallen“

Hannover 96 hat mit dem 2:0 gegen Werder Bremen einen wichtigen Heimsieg geholt. Foto: Peter Steffen

Nach langen Wochen des Wartens und zuletzt immer größeren Sorgen vor der Abstiegszone machte sich bei Hannover 96 spürbare Erleichterung breit.

Mit dem 2:1 (2:0) gegen Werder Bremen glückte den Niedersachsen zum Auftakt des 29. Spieltags nicht nur ein riesiger Schritt in Richtung Klassenerhalt, sondern sie stoppten nach fünf Niederlagen am Stück auch einen deutlichen Negativtrend. „Die Erleichterung ist groß, dass wir endlich den Bock umgestoßen haben. Die Mannschaft wollte unbedingt gewinnen“, lobte Trainer André Breitenreiter nach dem wegweisenden Erfolg im Nord-Duell am Freitagabend.

Statt weiter bange auf die Konkurrenz in der Fußball-Bundesliga zu blicken, hat 96 diesmal vorgelegt. Spieler und Verantwortliche können das trainingsfreie Wochenende nun genießen. „Das ist das Schönste am Freitagabend. Mein Abend sieht wie folgt aus: Ich schaue mir noch genüsslich Golf an und dann werde ich einen schönen Samstag und einen schönen Sonntag haben“, sagte Manager Horst Heldt zufrieden.

Der Erfolg war auch ein Sieg des Willens. Trotz großer Personalnot, schwindendem Selbstvertrauen und zuletzt glücklosen Auftritten trat 96 den formstarken Bremern entschlossen entgegen. „Wir haben den Mut gehabt und haben die Beine in die Hand genommen. Wir wollten unbedingt gewinnen, deshalb Kompliment an jeden Einzelnen“, bemerkte Heldt.

Auch der Coach war nach dem Sieg durch Tore von Martin Harnik und Felix Klaus zufrieden. „Ich finde, es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man mit so viel Mut in das Spiel geht nach so einer Niederlagenserie“, sagte Breitenreiter. Seinen Trainerkollegen Florian Kohfeldt, der in Paderborn einst unter ihm Praktikant war, überraschte er mit extrem frühen Pressing. „Wir sind nicht an unsere absolute Leistungsgrenze gekommen, das hatte aber auch mit einem sehr guten Hannover 96 zu tun“, räumte Kohfeldt, der diese Woche seinen Vertrag bis 2021 verlängert hatte, ein.

Hannovers Polster nach unten wirkt komfortabel, doch noch mehr zählte für die Profis das ersehnte Erfolgserlebnis. „Ich glaube, jetzt darf so ein bisschen von uns allen die Last abfallen. Wir dürfen das mal alle ein paar Tage genießen“, sagte Torwart Philipp Tschauner. Mit einem starken Reflex bewahrte er den 2:1-Vorsprung in der Schlussphase gegen Werder-Torschütze Ishak Belfodil, der unmittelbar danach die große Chance zum Ausgleich hatte.

„Das war ein wichtiger Sieg. Ich glaube, dass wir uns den erarbeitet haben“, ordnete Manager Heldt ein. Zuletzt hatte er in der sportlichen Misere den Sinn des Videobeweises in Frage gestellt und DFB-Präsident Reinhard Grindel in jenem Disput vorgeworfen, „von oben herab“ zu kommunizieren. Am Freitag waren diese Themen wie weggewischt, im Mittelpunkt stand die Freude über drei Punkte und den eigenen Auftritt. „Wie wir die erste Halbzeit Fußball gespielt haben, war einfach geil. Wir haben Bremen glaube ich einfach an die Wand gespielt“, sagte Torschütze Klaus.

Bremen muss die vielleicht heimlich gehegten Träume vom internationalen Geschäft nach der Auswärtsniederlage endgültig begraben. Sportchef Frank Baumann warnte vor den Endspiel-Wochen in der Liga. „Der Klassenerhalt ist nach wie vor nicht unter Dach und Fach. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, zu sicher zu sein“, sagte der Ex-Profi.

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