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Für Marihuana den Haushalt geführt

Amtsgericht Ahaus

Gegen regelmäßige Versorgung mit Drogen führte ein damals mittelloser Mann einem Heeker den Haushalt. In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt.

Heek

, 11.07.2018
Für Marihuana den Haushalt geführt

© dpa

Der 23-jährigr Gronauer wohnte zur Tatzeit in Heek. Laut Anklageschrift soll er im Zeitraum von April 2016 bis Juli 2017 in 414 Fällen jeweils bis zu zwei Gramm Marihuana von einem anderen Mann bekommen und konsumiert haben.

Beide wohnten damals in einer Wohnung in Heek. Als Gegenleistung habe der Angeklagte den Haushalt geführt, da er zu dem Zeitpunkt vollkommen mittellos gewesen sei. Der Einwand des Angeklagten, er habe nur von April bis Oktober 2016 diese Drogen erworben, führte den Richter zu einer Rechenaufgabe. Letztlich wurden nur noch 228 Fälle des illegalen Erwerbs von Marihuana verhandelt, die der Angeklagte auch zugab.

Abhängigkeitsverhältnis

„Er befand sich damals in einem Abhängigkeitsverhältnis. Er hat keine Wohnung gehabt und kein Geld“, wandte der Verteidiger zur Entlastung des Angeklagten ein, der zurzeit eine Ersatzstrafe aus einem Urteil vom Januar diesen Jahres verbüßt. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Betrug und Diebstahl hatten zu dieser Verurteilung geführt. Mittlerweile hat sich im Leben des Angeklagten einiges zum Positiven gewendet. Als der Richter ihn fragte, ob er zurzeit Drogen konsumiere, verneinte der junge Mann das. Einmal in der Woche suche er eine Drogenberatungsstelle auf, gab er an.

Der Bewährungshelfer hatte das in seinem Bericht auch bestätigt. Mittlerweile wohnt der Angeklagte in Gronau und hat einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Die Ausbildung will er am 1. September beginnen, wenn er aus der derzeitigen Haft entlassen würde. Auch das sollte dem Gericht signalisieren, dass er sein Leben langsam in den Griff kriege.

Während der Verteidiger für diesen Prozess auf Freispruch plädierte, schlug der Staatsanwalt zehn Monate auf Bewährung vor unter Einbeziehung der vorherigen Strafe vom Januar 2018. Der Richter ging in seinem Urteil noch ein wenig darüber hinaus. Er erhöhte das Strafmaß auf elf Monate, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Dazu verordnete er Auflagen. Der Mann müsse sich in ambulante psychologische Behandlung begeben und er müsse noch 500 Euro Geldstrafe zahlen. Das Geld solle er in 50-Euro-Raten an die Kinder-Neurologie-Station in Münster zahlen.

Letztes Mal Bewährung

„Das ist das letzte Mal, dass die Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Sie haben jetzt die Möglichkeit, ihren Tag zu strukturieren und ihre Zukunft in die Hand zu nehmen“, gab der Richter dem jungen Mann mit auf den Weg.

Am Verbüßen der restlichen Haftstrafe aus dem Urteil vom Januar änderte das nichts. So wie er gekommen war, verließ er den Gerichtssaal: in Handschellen und begleitet von Justizbeamten.