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Neues Naturschutzprojekt der Angler

Nienborger wollen Quappe wieder in der Dinkel ansiedeln

Der Angelverein Nienborg will die bedrohte Art der Quappe wieder in der Dinkel ansiedeln. Das ist allerdings mit einigem Aufwand verbunden.

von Martin Mensing

Heek

, 18.06.2018
Neues Naturschutzprojekt der Angler

20.000 Brütlinge sind in das Gewässer ausgesetzt worden, jetzt heißt es abwarten.

Geht es nach den Verantwortlichen vom Angelverein Nienborg, wird die Quappe zukünftig in der Dinkel wieder heimisch. In einem Artenschutzprojekt nimmt sich die Jugendgruppe unter der Leitung der Jugendleiterrunde Stefan Garbe, Christopher van Ledden und Karsten Bellach mittelfristig der Wiederansiedlung des Fisches im eigenen Angelgewässer an. Dazu hat der Verein vor einigen Jahren in Schöppingen zwei Quellwasserteiche angemietet.

„Nachdem die Jugendlichen den Teich hergerichtet hatten, erfolgte Ende März der Besatz von 20.000 Brütlingen“, sagt Stefan Garbe. Quappen stehen in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ der Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Mit einem Artenhilfsprogramm, ausgehend von der Lippe, verfolgt der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe seit einigen Jahren die Wiederansiedlung des Raubfisches in Nordrhein-Westfalen.

Die Vermehrung des projekteigenen Quappen-Laichfischstamms erfolgt im Fischereibetrieb des Ruhrverbands an der Möhnetalsperre. Jährlich werden dort bis zu sieben Millionen Quappen angezüchtet und für Wiederansiedlungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Für den Wiederaufbau eines reproduktionsfähigen Bestandes haben die Petrijünger aus Nienborg den Besatz dieser geschützten Fischart im Frühjahr vom Möhnesee erhalten.

„Wir sind regelmäßig mit den Jugendlichen in Schöppingen im Arbeitseinsatz“, sagt Stefan Garbe. Das Gras um die Teiche muss geschnitten und die beiden Gewässer abgekäschert werden. Die Sauberkeit des frischen und klaren Wassers ist für die Anzucht besonders wichtig. Füttern brauchen sie die kleinen Tiere nicht, diese ernähren sich von wirbellosen Organismen.

Bis zum Herbst warten

Bis zum Herbst haben die Fische eine Größe von 5 bis 15 Zentimetern erreicht, dann werden die Jugendlichen mit den Jugendwarten die Dinkel damit besetzen. „Der Besatz muss dann erfolgen, da sich die Fische sonst gegenseitig fressen. Einen Richtwert, wie viele Quappen wir rüberbekommen, gibt es. Wenn es 5000 von 20.000 Quappen werden, wäre das ein großer Erfolg“, sagt Karsten Bellach. Diese Fische stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum.

Gewässerverschmutzung, Flussbegradigungen und auch der Klimawandel haben den einzigen Süßwasserfisch aus der Familie der Dorsche aus den hiesigen Flüssen vertrieben. So auch aus der Dinkel. „Lange Zeit haben wir nach den Stämmen der Quappe in der Dinkel gesucht, diese leider nicht gefunden. DNA-Untersuchungen haben ergeben, dass ein Quappenstamm aus der Dinkel in den Niederlanden beheimatet ist“, berichtet Stefan Garbe.

Die Verantwortlichen des Angelvereins hoffen, einen Beitrag zu leisten, die Quappenbestände in Nordrhein-Westfalen vor dem endgültigen Aussterben zu schützen. „Im Bereich der Lippe konnte der Fisch bereits gerettet werden“, berichtet Stefan Garbe von Erkenntnissen des Landesfischereiverbandes. Nun versucht der Verband, die Quappe auch in anderen Flüssen wieder heimisch werden zu lassen.

Dinkel das richtige Umfeld

Die Dinkel bietet nach Ansicht der Vereinsverantwortlichen das richtige Umfeld für die Wiederansiedlung. „Die Fische können bis zu einem halben Meter lang und bis zu einem Kilo schwer werden. Die Quappe wird auch Süßwasserdorsch genannt“, freut sich Stefan Garbe auf das Angeln und den Verzehr dieses Fisches, der vom Fleisch her wie der Dorsch sehr ergiebig und lecker ist. „Das Projekt finanzieren wir mit eigenen Mitteln aus der Vereinskasse. Steuergelder werden für die Pacht der Teiche und den Kauf der Fische nicht eingesetzt“, sagt Vorsitzender Christian Schubert.

Ihm ist es wichtig, mit den Jugendlichen ein sinnvolles Projekt durchzuführen und den Anglernachwuchs für die Natur und die Fischerei zu begeistern. So wird sich die Jugendgruppe in einem nächsten Projekt um die Erhaltung des europäischen Flusskrebses kümmern, der ebenfalls vom Aussterben bedroht ist.

Dass der Verein mit diesen Projekten den richtigen Weg eingeschlagen hat, wird an den wachsenden Mitgliederzahlen deutlich. „In diesem Jahr haben wir bereits 32 Neuanmeldungen, darunter 20 Jugendliche“, freut sich der Vorsitzende für den Angelverein. „Einen regen Zulauf verspüren wir auch bei den Arbeitseinsätzen“, lobt Karsten Bellach das Engagement der jungen Petrijünger.