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Milchboykott: Die Kuh ist vom Eis - passend zur EM

ASCHEBERG Erste Lücken in den Regalen, doch auch die Bauern stießen an ihre Grenzen. Der Milchboykott war auch in Ascheberg spürbar.

von Von Daniel Rustemeyer

, 05.06.2008

Doch gestern Nachmittag die erlösende Nachricht: Die Milchbauern beendeten den Boykott! Am Morgen trafen sie sich noch zu einem bundesweiten Aktionstag im Hinblick auf die Milch-Preisverhandlungen mit dem Lebensmittelhandel in Berlin. Landwirt Ansgar Hegemann war nicht dabei. Er weilte stattdessen in einem heimischen Supermarkt: „Die Milch aus den Regalen kaufen!“, wie er nüchtern sagte.

Für den 31-jährigen Bauern sei diese Nachricht aber keine allzu große Überraschung gewesen: „Das war doch abzusehen!“. Wie lange hätten wir dem standhalten können?“.

Erste Signale gab es in den vergangenen Tagen bereits von Discountern wie Lidl und Aldi-Süd. „Die haben ja schon gesagt, dass Butter 20 Cent teurer wird und das sie den Landwirten etwa 43 Cent für den Liter Milch zahlen wollen“, blickte der Jungbauer zurück. „Meine Familie und meine Angestellten – wir haben die Hoffnung nie aufgegeben und sind jetzt natürlich heilfroh, dass Land in Sicht ist!“.

"Schock saß tief"

Vor wenigen Tagen sah alles noch ganz anders aus: Das Ehepaar Hegemann kam just aus den Flitterwochen, als es von der aktuellen Situation um die Milch Wind bekam. „Der Schock saß zunächst tief“, gab der junge Bauer zu verstehen, bekam jedoch die Kurve und solidarisierte mit anderen Milchbauern. „Seit letzten Donnerstag saßen wir mit im Boot“, strotzte Hegemann.

Mit im Boot hieß: Bis einschließlich gestern 'floss' kein Tröpfchen Milch vom Hofe Hegemanns in den Lebensmittelhandel – Milchboykott! 2000 Liter Der Landwirt besitzt 85 Milchkühe die 2000 Liter Milch am Tag geben. „Ich hatte die Milch an unsere Kälber und Schweine verfüttert“, erklärte er selbstverständlich.

600 Euro Schaden - täglich

Jeden Tag hätte er dadurch einen Schaden von rund 600 Euro. „Da es monatsweise Milchgeld gibt, haben wir noch ein paar Reserven aus der ersten Maihälfte. Das ist soeben vorbei. „Das wäre auch sonst ein harter Tobak gewesen“, urteilte der 31-Jährige. Zu lange hätte er dem Boykott nicht mehr standhalten können.

„Nun kommt morgen Früh der Milchfahrer von der Humana Milchunion“, freute Ansgar Hegemann sich, „und ich brauche ihn nicht wieder heim schicken!“. Alle zwei Tage holt die Union 4000 Liter bei Hegemanns ab.

Fairer Preis

Folglich seien 43 Cent pro Liter Milch auch für den Bauern ein fairer Preis. „Alles wird doch teurer“, mischte sich Azubi Dirk Hunkemöller ein; und bekam postwendend ein Kopfnicken seines Bosses. „Das waren doch keine richtigen Verhältnisse mehr“, ärgerte sich der Bauer noch, „ich hoffe wirklich, dass jetzt auch langfristig alles gut wird“.

Endlich kann der Alltag wieder zurückkehren. „Rechtzeitig zur Fußball-EM“, lachte Ansgar Hegemann.

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