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Herzklopfen und pochende Rhythmik im Planetarium

Kai Schumacher in Bochum

Für ein ungewöhnliches Konzert-Erlebnis sorgte der Duisburger Pianist Kai Schumacher im ausverkauften Bochumer Zeiss Planetarium.

von Silke Rathert

,

Bochum

, 18.02.2018
Herzklopfen und pochende Rhythmik im Planetarium

Pianist Kai Schumacher präsentierte sein mit dem Berliner Videokünstler Marco Moo entwickeltes Live-Programm im Bochumer Zeiss Planetarium. © Nils Lenfers

Auf seinem Album „beauty in simplicity“ beschäftigt sich der Duisburger Pianist und Folkwang-Dozent Kai Schumacher mit den Anfängen, Entwicklungen und Auswirkungen der Minimal Music. Zusammen mit dem Berliner Videokünstler Marco Moo hat er ein Live-Programm für Planetarien geschaffen, das den Besuchern des ausverkauften Zeiss Planetariums in Bochum gestern kein ganz alltägliches Konzerterlebnis bescherte.

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Pianist Kai Schumacher in Bochum

18.02.2018

Für Herzklopfen sorgt „Elektric Counterpoint“ von Steve Reich. Ursprünglich für zwei Bass- und zwölf E-Gitarren komponiert, erhält es durch Schumachers Bearbeitung für den Flügel in den Tiefen wärmeres Volumen, in den Höhen schärfere Spitzen. Das betont die pochende Rhythmik der Klangmuster, steigert sie streckenweise auch in ein Hämmern.

Währenddessen wird der Sog der wechselnden Musikgeschwindigkeit optisch durch die 3D-Wirkung von grafischen Mustern verstärkt, die an die Oberfläche von Film-Raumschiffen erinnern. Durch und über diese rast das Auge mal in die Unendlichkeit, mal in die Tiefe.

Dagegen strahlen die wiederholt ineinanderlaufenden Melodiebögen der Bearbeitung von Peter-Michael Hamels „Let it Play“ durch Schumacher eine meditative Kraft aus, die Moo mit Webstoff ähnelnden Annimationen, die sich in Blumenformen falten, sowie Wasserreflexionen und -spritzern, die sich bis zu Zeitlupentempo verlangsamen, untermalt.

Höhepunkt des Abends, an dem es auch Stücke von Erik Satie, Wim Mertens, Brian Eno oder Moderat zuhören gab, war „The Hug“ von Lampshade. Hier steigerte sich Schumacher mit Samples in eine dramatische Klangflut aus Bass-Beats und hypnotischen Ton-Kaskaden hinein, zu der aus der Planetariumskuppel erst Sternschnuppen fielen und dann Funken sprühten.