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Hodler und seine Weltformel des Parallelismus

Genf. Für den Schweizer Maler Ferdinand Hodler bestand die Welt aus parallelen Mustern, ein Konzept, das er durch Betonung von Linien in seinen Werken hervorhob und Parallelismus nannte. 100 Jahre nach seinem Tod würdigt seine Heimat ihn mit frischem Blick.

Hodler und seine Weltformel des Parallelismus

Das Gemälde der liegenden Frau heißt Le Désir (Das Verlangen) und stammt von 1908. Foto: Christiane Oelrich

Beim Rundgang durch eine Ferdinand-Hodler-Ausstellung in Genf wechselt die Museumsbeleuchtung zwischen schummrig, farbig und hell. Besucher sollen so wie der berühmteste Schweizer Maler bei seinem geliebten Naturspaziergängen verschiedene Stimmungen spüren.

Seit Freitag würdigt das Museum für Kunst- und Geschichte in Genf den Meister unter einem neuen Blickwinkel: „Hodler//Parallelismus“ heißt die Ausstellung, die zusammen mit dem Kunstmuseum in Bern konzipiert wurde und nach Ende der Schau in Genf ab September auch in Bern zu sehen sein wird. Hodler, 1853 in Bern geboren, starb vor 100 Jahren, am 18. Mai 1918, in Genf.

In Deutschland ging im Januar erst in der Bundeskunsthalle in Bonn eine große Hodler-Schau zu Ende. Er wurde seinerzeit in Deutschland als Maler der Moderne gefeiert. Seine Monumentalbilder brachten ihm Aufträge für großformatige Wandbilder für die Universität in Jena sowie für das Rathaus in Hannover ein.

Der Parallelismus ist ein Konzept, mit dem Hodler seine eigene Schule definiert hat. Er sah die Natur in parallelen Mustern organisiert: der Parallelismus von Baumstämmen im Wald, die Symmetrie zwischen links und rechts des menschlichen Körpers, die symmetrische Opposition von Tag und Nacht, Mann und Frau. Er hebt sie mit seinem Pinselstrich durch Betonung von Symmetrien und Wiederholungen immer wieder hervor. „Seine Weltformel“, nennt das die Direktorin des Kunstmuseums Bern, Nina Zimmer. Hodler habe seine Weltsicht von der Poesie bis zu den Naturwissenschaften damit definiert.

Und überhaupt die Natur: Hodler malte Wolken, Steine, Grashalme, Bergmassive, Landschaften. „Die Mission des Künstlers ist, das ewige Element der Natur, die Schönheit auszudrücken und ihre wesentliche Schönheit hervorzuheben“, dozierte er. Hodler, schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten Maler in der Schweiz, referierte öffentlich über sein Konzept und ließ Kritikern damit - oft zu deren Leidwesen - wenig Interpretationsspielraum. „Harmonie, Ehrfurcht vor dem ursprünglichen Plan der Natur, der Ordnung und der Einheit“ waren nach Angaben der Museen Hodlers Leitgedanken.

Die Ausstellung zeigt zahlreiche Facetten von Hodlers Parallelismus, nicht zuletzt zwischen dem Ausdruck eines menschlichen Gesichts und den von einer Landschaft ausgelösten Gefühlen. Ansichten des Genfersees sind von derselben Melancholie geprägt wie Darstellungen seiner Geliebten Valentine Godé-Darel auf dem Totenbett. Das mürrische Gesicht in einem Selbstporträt spiegelt sich in einer Landschaft aus Champéry wider.

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