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Hohe Fehlwurfquote beim Verpackungsmüll

Bremen. Benutzte Windeln im gelben Sack, Plastiktüten in der Biotonne - falsche Mülltrennung macht der Branche der Entsorger und Verwerter zu schaffen. Gibt es eine neue Umweltschutz-Unlust?

Hohe Fehlwurfquote beim Verpackungsmüll

Ein Mitarbeiter einer Deponie vor einem Müllberg: In der Gelben Tonne landet oft Müll, der dort gar nicht hingehört. Foto: Julian Stratenschulte

Ob Altpapier, Glas, Verpackungsmaterial oder Gartenabfälle - das System der Mülltrennung hat sich in Deutschland durchgesetzt. Doch vor dem Wegwerfen steht die Frage: Was kommt wo rein?

Ob aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis landen viele Abfälle in der falschen Tonne, wie Unternehmen besorgt feststellen.

Für das vergangene Jahr 2017 liegt die Quote sogenannter Fehlwürfe allein beim Verpackungsmüll nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent. Darauf weist der Bundesverband Sekundärrohstoffe (BVSE) hin. Weniger Fehlwürfe gibt es bei Papiermüll und Alttextilabfällen. „Hier liegen die Quoten bei rund 2 und zwischen 1 und 10 Prozent“, sagt BVSE-Sprecherin Michaela Ziss.

Es gibt Unterschiede im Fehlverhalten. Landet die Verpackung mit leicht verschimmeltem Quark oder Gartenabfall mitsamt Plastiksack in der Biotonne, spricht die Branche von einem „regulären Fehlwurf“. Das ist schlecht.

Nicht viel besser aber ist, wer zum Beispiel eine Plastikklobürste in die gelbe Tonne stopft. Nachgedacht, aber falsch entschieden - ein sogenannter intelligenter Fehlwurf. Die gelbe Tonne oder der gelbe Sack sind ausschließlich für Verpackungsmüll bestimmt. Eine Klobürste oder aber Spielzeug, auch wenn es auch aus Plastik ist, gehört definitiv nicht dazu.

Gerade anonymere Großstädte haben Probleme mit Fehlwürfen bei Bio- und Verpackungsabfällen. Das bestätigt zum Beispiel die Bremer Stadtreinigung und auch die RMG Rohstoffmanagement GmbH, die ihre Zentrale in Eltville am Rhein hat. Oft fehle ein Grundverständnis des deutschen Trennsystems und eine einheitliche Aufklärung.

Auch die zunehmende Migration könnte ein Grund für mangelnde Mülltrennung sein, erklärt ein Sprecher des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin. Das schwer zugängliche deutsche System sei auch für Ausländer nicht einfach zu verstehen und müsse auch ihnen erstmal erklärt werden. Ein weiterer Grund könne ein grundlegender gesellschaftlicher Trend sein, dass andere Umweltschutzmaßnahmen die Mülltrennung aus dem Bewusstsein der Bürger verdrängten.

Ist die Fehlwurfquote zu hoch, kann es passieren, dass die Mülltonne stehen bleibt. Der Verbraucher wird dann über den Grund per Etikett informiert. Ein richtig großes Problem haben die Verwertungsfirmen, wenn der Müll kontaminiert ist, wenn etwa dreckige Windeln im Verpackungsmüll landen. „Dann wird der ganze gelbe Sack unrecycelbar“, erklärt ein Sprecher der Rohstoffmanagement GmbH.

Beim Auftraggeber „Der Grüne Punkt“ sieht man eher keine neue Unlust beim Mülltrennen: „Ein Anstieg von Fehlwürfen ist von uns nicht beobachtet worden“, sagt der Sprecher des Grünen Punktes, Norbert Völl, in Köln.

Die Haushalte müssen die Kosten für eine nachträgliche Trennung ihres Abfalls nicht tragen, aber den betroffenen privaten und kommunalen Unternehmen entstehen dann höhere Sortierkosten.

„Die Sortieranlagen haben große Probleme mit Fehlwürfen, wie beispielsweise bei Biomüll, in dem eine Plastiktüte steckt“, erklärt Jens Rösler, Sprecher der Bremer Stadtreinigung. Die Folgen: Die Tüte wird zunächst aufwendig entfernt - erst dann kann der Müll verwertet werden. Andernfalls sinke die Qualität des Komposts, der in der Landwirtschaft verwendet wird.

Die Bürger ländlicherer Regionen und kleinerer Städte sind den Experten zufolge übrigens größeren Städten im Punkt „Mülltrennung“ oft voraus. Sie trennen meist deutlich besser.

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