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„I Feel Pretty“: Kampf für ein positives Körpergefühl

Hamburg. Immer mehr Frauen setzen sich dafür ein, dass das Nachjagen eines unrealistischen Körperideals der Vergangenheit angehört. Ein Thema, das in der Komödie „I Feel Pretty“ aufgegriffen wird.

„I Feel Pretty“: Kampf für ein positives Körpergefühl

Aidy Bryant (l-r) als Vivian, Busy Philipps als Jane und Amy Schumer als Renee Bennett - die Mädels fühlen sich wohl in ihrer Haut. Oder nicht? Foto: Concorde Film

Wie simpel die Botschaft von „I Feel Pretty“ sein soll, zeigt sich beim Blick auf den deutschen Untertitel: „Ändere alles, außer dich selbst“ steht da - und ja, tatsächlich wollten die Autoren mit ihrer Komödie wohl etwas zur Bewegung rund um positives Körpergefühl beitragen.

Denn das muss man „I Feel Pretty“ definitiv zugutehalten: Anders als in der unsäglichen Comedy „Schwer verliebt“ aus dem Jahr 2001, in der sich die eigentlich übergewichtige Figur der Gwyneth Paltrow nach einem Unfall plötzlich als rank und schlank empfindet, wird hier kein 90-60-90-Idealmaß propagiert, sondern ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper. Die Hauptfigur Renee hat sich nämlich körperlich überhaupt nicht verändert. Sie besitzt nur plötzlich die innere Größere, über ihren Kurven zu stehen - und das ist doch erst einmal eine schöne Idee.

Renee (Amy Schumer) ist unglücklich! Während alle um sie herum ein scheinbar perfektes Leben führen, entspricht die Blondine dem Inbegriff des Durchschnitts. Mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen meldet sich die junge Frau eines Tages in einem Fitnessstudio an. Hier passiert es: Nach einem Schlag auf den Kopf ist plötzlich alles anders!

Renee vergisst ihre körperlichen Problemzonen, nimmt sich fortan als wunderschöne, begehrenswerte Frau wahr und treibt mit ihrem neu gewonnenen Selbstbewusstsein ihr gesamtes Umfeld auf die Palme. Sie kündigt ihren Job und heuert dafür bei einem gefragten Modelabel an, wo sie die Karriereleiter immer weiter nach oben klettert. Auch in der Liebe läuft es plötzlich ganz ordentlich. Doch was passiert, wenn sich Renee wieder so wahrnimmt wie sie wirklich ist?

Problematisch ist an „I Feel Pretty“ die Tatsache, dass genau dieses entspannte Verhältnis zu körperlichen Makeln und weiblichen Kurven nur dann zu etwas Möglichem gemacht wird, wenn die Hauptfigur einen Schlag auf den Kopf bekommt. Und ebenso schnell verschwindet Renees Selbstbewusstsein, sobald es zu einem nächsten Unfall kommt, der ihr Körpergefühl wieder in die Ausgangsposition versetzt. Die Erkenntnis, dass Niemand perfekt ist, handeln die Macher lediglich in den letzten fünf Minuten stiefmütterlich ab; ganz so, als müssten sie es tun - und so falsch ist dieser Gedanke ja auch nicht. Hinzu kommt die starke Fixierung auf die Protagonistin, die es kaum zulässt, sich näher mit Renees eigentlich so wichtigem Umfeld zu befassen.

Schauspielerin und Comedian Amy Schumer („Dating Queen“) verpasst es, die verschiedenen Facetten ihrer per se interessanten Figur auszuloten und agiert ausschließlich in körperfixierten Extremen: Vor dem Unfall bemitleidet sie sich permanent selbst, nach dem Unfall versetzt sie ihr Körper andauernd in Ekstase, worauf ihr Umfeld zwangsläufig reagieren muss, es allerdings nie von sich aus tut. Das heißt im Klartext: Die einzige Person, die sich permanent auf Körpermerkmale fixiert, ist Renee selbst. Dabei soll es ja eigentlich darum gehen, die Oberflächlichkeit der Gesellschaft anzuprangern, die sich in „I Feel Pretty“ aber gar nicht wirklich dafür interessiert, ob Renee nun Idealmaße hat oder ein paar Kilo zu viel auf den Hüften trägt.

Wenn Renee sich unter der Leitung der kongenial von Michelle Williams („Manchester by the Sea“) verkörperten Labelchefin Avery LeClaire bis hin zu den Reichen und Schönen vorarbeitet, geht mit dieser märchenhaften Aufstiegsstory leider auch Renees moralischer Verfall einher. Aus der gutmütigen Freundin wird plötzlich eine oberflächliche Zicke - ganz so, als würde mit einer als „gut“ empfundenen Körperfigur automatisch ein mieser Charakter einhergehen. Das kann so nicht im Sinne der Macher gewesen sein - ebenso wenig wie ein erzählerischer Schlenker, der Renee an einem viel zu lang gezogenen Bikini-Contest teilnehmen lässt, der sie letztlich doch wieder der Lächerlichkeit preisgibt. Da bleibt vom „Ändere alles, außer dich selbst“-Gedanken letztlich kaum noch was übrig.

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