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Im Internet kursieren Erlkönig-Fakes

Stuttgart/Hamburg (dpa/tmn) Die Bilder machten im Netz schnell die Runde. Zwar hatte BMW verlauten lassen, die Studie «M1 Hommage» werde vorerst nicht in Serie gehen. Doch nun gab es scheinbar den Gegenbeweis.

Im Internet kursieren Erlkönig-Fakes

Kreative Designentwürfe: Mit solchen «Carfakes» sorgen Autofreaks im Internet für Aufsehen. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

Die Aufnahmen zeigten einen schnittigen Zweitürer mit BMW-Niere, grimmiger Front und flacher Silhouette - angeblich ein Prototyp der M1-Serienversion, «erlegt» von einem Erlkönig-Jäger in Spanien. Doch der Schwindel flog auf: Die Bilder waren gefälscht.

Für BMW-Fans mag das enttäuschend gewesen sein. Doch bei immer mehr Autofreaks sind solche «Carfakes» beliebt. Portale und Blogs widmen den Traumautos aus Bits und Bytes eigene Rubriken und lassen die von der Community eingereichten Motive kommentieren.

Für Motorjournalisten wird es kniffliger zu beurteilen, ob Fotos von Erlkönigen echt sind. «Es gibt wahnsinnig viele Leute da draußen, die richtig gut sind», sagt Holger Wittich vom Portal «auto-motor-und-sport.de» aus Stuttgart. Manche Bilder seien perfekt und auf den ersten Blick nicht von Pressefotos der Hersteller zu unterscheiden.

Laut Wittich kommen sie teils von «Freaks», die sich mit Photoshop austoben. Dazu tummeln sich im Netz Designer, die die Montagen zum Selbstmarketing nutzen. «Viele möchten aber auch falsche Fährten legen.» Die vierte Gruppe sind professionelle Retuscheure, die für Medien darstellen, wie zukünftige Serienfahrzeuge aussehen könnten.

Den Photoshop-Freaks bieten die Webseiten «tuningkultur.de» und «chopstars.net» ein Forum. Erstere ist ein Ableger der Online-Ausgabe des Magazins «Auto Bild». Unter der Rubrik «Carfakes» können Surfer Bilder virtuell getunter Kleinwagen oder zu Rennboliden umgestalteter Vans anklicken. Gleiches ist auf chopstars.net möglich. Ausgangspunkt ist immer die Aufnahme eines realen Autos, die dann «gechopt» wurde.

«To chop» bedeute etwa «zerhacken», heißt es auf «tuningkultur.de». Hier bedeute «chopen», ein Bild auseinanderzupflücken und neu zusammenzusetzen, wobei es zuvor verfremdet wird. Dabei heraus kommen Fantasieautos, die auf den Seiten auch als solche ausgewiesen sind.

Problematischer sind Fälschungen, die den Betreibern von Auto-Nachrichtenseiten als echte Schnappschüsse untergejubelt werden. «Bei Bildern, bei denen es sich um Serienmodelle handeln könnte, sind wir sehr vorsichtig», sagt Wittich von «auto-motor-und-sport.de». Die Diskussionen über den M1 wurden allein im Blog des Portals geführt.

Für ähnliches Aufsehen sorgten Fotos des neuen VW Scirocco in Blogs. Sie zeigten angeblich den Verkaufsprospekt des Wagens - und waren ebenfalls montiert. «Wir haben täglich Anfragen, ob dieses oder jenes Bild echt ist», so VW-Sprecher Christian Buhlmann in Wolfsburg. Generell finde man die Bilder nicht so tragisch: «Sie belegen ja, dass unsere Autos offenbar auf großes Interesse stoßen.»

Ähnlich gelassen sieht man bei BMW die M1-Angelegenheit. «Es ist durchaus ein schöner Entwurf», so Sprecher Stefan Behr. Und wer sich mit der Marke auskennt, der merke, dass es ein montiertes Bild ist: «Vorne ist es ein bisschen M3, auch die Frontklappe ist eins zu eins M3-Stil. Dazu kommt viel von dem, was man gerne hätte.»

Reine Spielerei sind «Carfakes» für Branchenexperte Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics dennoch nicht. Er kann dem Phänomen auch einen Nutzen für die Hersteller abgewinnen: «Die echten Designer haben so eine bessere Chance zu erahnen, wo die Gunst des Publikums liegen könnte. Somit ist diese anarchische Entwicklung in Ordnung.»

«auto-motor-und-sport.de»: www.auto-motor-und-sport.de

Tuningkultur & Chopstars: www.tuningkultur.de

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