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Katholikentags-Debatte mit AfD-Politiker läuft aus dem Ruder

Münster. Die Podiumsdiskussion mit einem AfD-Politiker auf dem Katholikentag war schon vorher umstritten und lief dann äußerst unüblich ab: Es gab lautstarke Verwerfungen im Publikum und eine ungewollte Pause.

Katholikentags-Debatte mit AfD-Politiker läuft aus dem Ruder

Volker Münz, kirchenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, nimmt an der Podiumsdiskussion in Münster teil. Foto: Rolf Vennenbernd

Wortgefechte, laute Zwischenrufe und sogar eine Unterbrechung: Beim Katholikentag in Münster ist eine Podiumsdiskussion mit einem AfD-Politiker teilweise aus dem Ruder gelaufen.

Bereits bei der Vorstellung des AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Münz durch einen Einspielfilm rannten Aktivisten in der Messehalle zur Bühne und hielten ein Plakat hoch mit der Aufschrift „Suche Frieden - nicht die AfD - für eine antifaschistische Kirche“. Der Moderator bat die Demonstranten, den Raum zu verlassen oder die Veranstaltung auf ihren Plätzen zu verfolgen. Erst wenig später konnte die Diskussionsrunde fortgesetzt werden.

Insgesamt herrschte bei der schon vorher umstrittenen Veranstaltung - der einzigen offiziellen mit einem AfD-Politiker beim 101. Katholikentag - eine äußerst angespannte Atmosphäre. Immer wieder wurden einige der sechs Politiker oder Moderator Thomas Arnold aus Dresden auf der Bühne von Zwischenrufen unterbrochen. Vertreter von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP arbeiteten sich bei der Diskussionsrunde zum Thema „Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft“ größtenteils an AfD-Positionen und Münz ab, der mit umstrittenen Aussagen sowohl lautstarke Ablehnung als auch Zustimmung aus Teilen des Publikums erntete.

Allerdings betonte Münz, sich nicht alle Aussagen der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke oder André Poggenburg zu eigen machen zu wollen. Er könne nicht „für alle Menschen in meiner Partei den Kopf hinhalten“, sagte der AfD-Abgeordnete auf eine entsprechende Frage. „Messen Sie mich an meinen Aussagen, messen Sie meine Partei an den Aussagen im Grundsatzprogramm, im Parteiprogramm.“ Die AfD vertrete das christliche Menschenbild. Mit Blick auf die Flüchtlingsthematik sagte Münz: „Wenn es darum geht, Menschen zu helfen, dann müssen wir verantwortungsethisch handeln und nicht gesinnungsethisch.“

Poggenburg hatte in einer Rede die in Deutschland lebenden Türken pauschal als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ verunglimpft. Höcke hatte im Vorjahr bei weiten Teilen der Bevölkerung für Empörung gesorgt, als er unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt hatte: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz beklagte eine „gesellschaftliche Rechtsentwicklung“ in Deutschland, die auch mit der AfD zu tun habe. Die AfD dulde Rechtsausleger wie Höcke und Poggenburg in ihren Reihen, dazu müsse sich auch Münz klar bekennen. „Es ist absolut absurd, sich als der Wolf im Schafspelz hier hinzustellen, als wenn Sie mit all dem nichts zu tun hätten“, sagte Buchholz. Durch die AfD drohten „dunkelste Zeiten“, die Partei habe allenfalls eine „bürgerliche Fassade“, rücke aber „Schritt für Schritt weiter nach rechts“.

Münz warf den anderen Parteien mit Blick auf die Flüchtlingsdebatte vor, „für Anschläge, Messerstechereien und Vergewaltigungen“ mitverantwortlich zu sein. Er begründete das damit, dass Union, SPD, Grüne, Linke und FDP allesamt „in irgendeiner Form“ in Regierungsverantwortung in den Bundesländern und im Bund seien. „Sie laden Schuld auf sich, Sie haben Schuld auf sich geladen“, sagte Münz. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte entgegnete, es sei „unchristlich“, alle pauschal abzuwerten. Die SPD-Politikerin Kerstin Griese warf der AfD vor, Probleme immer nur zu beschreiben, zu schüren oder zu verschärfen, anstatt über Lösungen zu reden.

Um die Mittagzeit hatten Hunderte Menschen in Münster gegen die Teilnahme der AfD am Katholikentag protestiert. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hatte den Schritt dagegen im Vorfeld verteidigt. Eine Ausladung „böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren“.

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