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Kinderheilstätte in Nordkirchen sucht junge Leute für Freiwilligendienst

Freiwilligendienst

Die Kinderheilstätte sucht Freiwilligendienstler. Menschen wie Andris Potthoff. Der 20-Jähringe arbeitet ein Jahr in der Intensivwohngruppe – für ihn ist das längst mehr als nur ein Job.

Nordkirchen

21.06.2018
Kinderheilstätte in Nordkirchen sucht junge Leute für Freiwilligendienst

Andris Potthoff macht einen Freiwilligendienst in der Nordkirchener Kinderheilstätte. © Kinderheilstätte

Die Behinderung ist eben da – ganz normal. Andris Potthoff lehnt sich entspannt im Sofa der Intensivwohngruppe Makalu zurück. Seit November des vergangenen Jahres leistet er einen Freiwilligendienst in der Kinderheilstätte und arbeitet dort mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. „Ich konnte mir zuerst nicht vorstellen, wie die hier drauf sind“, erinnert sich Andris Potthoff: „Es ist ja schon ungewöhnlich, wenn man mit Gleichaltrigen im Kontakt ist, aber auf einer ganz anderen Ebene“, fügt er nachdenklich hinzu.

Entspannter Umgang mit Behinderung

Und dann fällt der Satz: „Die Behinderung ist eben da, und das ist ganz normal so. Ich wechsle die Windeln, wir haben Respekt voreinander und wir haben Spaß zusammen.“ Mit ein paar knappen Sätzen hat der 20-Jährige seine Haltung zur Arbeit in der Wohngruppe auf den Punkt gebracht.

„Andris war von Anfang an sehr entspannt“, sagt Gabi Lücke-Weiß, die die Freiwilligendienste in der Kinderheilstätte leitet und pädagogisch begleitet. „Es gibt vieles, was man während eines Freiwilligendienstes lernt.

Aber manche Eigenschaften sind einfach da: Zu wissen, was zuerst dran ist, wenn mal alles drunter und drüber geht. Einen Zugang auch zu autistischen Bewohnern zu finden. Prioritäten zu setzen… Das hat man drin oder nicht, man braucht bei dieser Arbeit eine gewisse innere Gelenkigkeit und ein Gespür für Situationen“, sagt die Pädagogin.

Erfahrung und Routine

Ein Jahr lang unterstützt Andris Potthoff das Team der Intensivwohngruppe Makalu. Intensivwohngruppe, das bedeutet: Die Bewohner hier brauchen besonders viel Begleitung, weil sie Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben. „Darüber habe ich mir gar keinen Kopf gemacht, ich hatte ja auch keinen Vergleich“, sagt Andris Potthoff. „Natürlich hat man Respekt vor der Aufgabe. Aber man bekommt ja auch viel Routine: Heute habe ich mehr Erfahrung und weiß genau, welcher Bewohner welche Tür geschlossen haben will, damit er sich sicher fühlt, wie nah ich jemandem in bestimmten Situationen kommen darf, ohne ihn zu stören oder dass es nicht gut ist, sich in die Tür zu stellen.“

Immer wieder müsse man seine eigenen Verhaltensweisen und die Art, zu betreuen, reflektieren und im Team besprechen. Inzwischen habe er auch zu den Eltern der Bewohner Kontakt, erzählt Andris. „Das sind anspruchsvolle Aufgaben, und das wiederum zeigt, wie gut Andris in die Gruppe integriert ist“, erklärt Gabi Lücke-Weiß.

Start mit dem Studium

Im Herbst wird Andris ein Studium beginnen – Soziale Arbeit soll es werden. Der Kinderheilstätte will er erhalten bleiben, als Aushilfe an den Wochenenden. Der 20-Järhige sagt:

„Die Arbeit hier macht mir wirklich Spaß, und ich lerne so viel: nicht nur den Umgang mit Behinderung, sondern auch das Arbeiten im Team und die neue Rolle, der Respekt im Umgang miteinander hier in der Gruppe – das bringt mir wirklich viel!“

Bewerbung für Freiwilligendienst:
Freiwillige unterstützten die Kinderheilstätte in der Schule, den Wohngruppen, der Kindertageseinrichtung und in anderen Bereichen wie Handwerk oder Verwaltung. Wer sich für einen Freiwilligendienst oder eine Hospitation interessiert, meldet sich bei Gabi Lücke-Weiß, Tel. (02596) 58133 oder per Mail an g.luecke-weiss@kinderheilstaette.de Eckdaten zum Freiwilligendienst: Der Freiwilligendienst umfasst 39 Stunden/Woche, bei Freiwilligen über 27 Jahren ist auch eine Teilzeittätigkeit ab 20 Stunden die Woche möglich. Das Taschengeld inklusive Verpflegungspauschale liegt bei 440 Euro pro Monat. Bei einem Jahr Freiwilligendienst liegt der Urlaubsanspruch bei 30 Tagen. Anspruch auf Kindergeld und Waisenrente. Die Beiträge für alle gesetzlichen Sozialversicherungen übernimmt der Dienstgeber.