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Krankenkassen-Experten: Selbstzahler-Leistungen oft nutzlos

Berlin. Nicht alles, was es in Arztpraxen gibt, übernimmt die Kasse. Für manchen Check nimmt der Doktor direkt Geld - am Sinn solcher Maßnahmen melden Krankenversicherungen neue Zweifel an.

Krankenkassen-Experten: Selbstzahler-Leistungen oft nutzlos

Eine Medizinerin untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop. Foto: Maurizio Gambarini/Illustration

Viele Patienten bekommen beim Arzt Leistungen zum Selbstzahlen angeboten, die aus Sicht von Medizinexperten der Krankenkassen nutzlos sind oder sogar schaden.

Besonders häufig verkaufte individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) wie Messungen des Augeninnendrucks oder Ultraschall-Früherkennungen widersprächen teils den Empfehlungen von Fachverbänden, teilte der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) mit. Patientenschützer forderten strengere Vorgaben.

MDS-Geschäftsführer Peter Pick sagte, die Angebote orientierten sich nicht am nachgewiesenen Nutzen, sondern an Vorlieben von Arztgruppen und Umsatzinteressen der Praxen. „Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar.“ Igel-Leistungen werden von den Kassen nicht bezahlt.

Die von Ärzten am häufigsten verkauften Angebote waren laut einer Umfrage im Auftrag des MDS Messungen des Augeninnendrucks zur Früherkennung des Grünen Stars. Eine solche alleinige Messung ohne eine Augenspiegelung werde vom Berufsverband aber als „Kunstfehler“ eingestuft. Zum Ermitteln der meistverkauften Igel-Leistungen wurden 2000 gesetzlich Versicherte zwischen 20 und 69 Jahren befragt.

Frauen wird demnach am häufigsten eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung angeboten, deren Effekt aber negativ sei. Frauen würden durch Fehlalarme unnötig beunruhigt, es könnten auch gesunde Eierstöcke entfernt werden. Pick berichtete von einer Zuschrift einer 60-Jährigen, der - trotz entfernter Eierstöcke - eine Untersuchung als „trotzdem nötig“ empfohlen worden sei.

Der Berufsverband der Frauenärzte kritisierte, die MDS-Bewertungen brächten moderne Leistungen in Misskredit und säten Misstrauen gegen Ärzte. So sei ein Ultraschall isoliert nur auf Eierstockkrebs nicht sinnvoll. Es könnten aber etwa Zysten, Flüssigkeitsansammlungen oder Wucherungen im Bereich von Gebärmutter, Harnblase und Eierstöcken erkannt werden.

Eher kritisch stuften die Medizinexperten der Kassen auch Angebote für Magnetresonanztomographien (MRT) zur Brustkrebs-Früherkennung ein. Für einen Nutzen gebe es keine Hinweise, durch Kontrastmittel aber mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit. In einer weiteren neuen Bewertung wird Osteopathie-Behandlungen bei Kreuzschmerzen ein unklarer Nutzen bescheinigt, Hinweise auf Schäden gab es nicht.

Laut der Versicherten-Umfrage geht die Initiative für Igel-Angebote überwiegend vom Arzt aus, nur selten gab es einen ausdrücklichen Patientenwunsch. Der Medizinische Dienst der Kassen machte deutlich, es gebe ein „großes Potenzial“, Igel-Angebote vom Markt zu nehmen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte strengere gesetzliche Vorgaben. „Was für Haustürgeschäfte gilt, muss auch für ärztliche Igel gelten“, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Patienten solle zwischen dem Angebot des Arztes und der Leistungserbringung eine Bedenkzeit von 14 Tagen eingeräumt werde. Bundesverbraucherministerin Katarina Barley (SPD) sei gefordert, dies gesetzlich zu regeln. „Gerade die Gutgläubigkeit älterer Patienten wird hier häufig ausgenutzt. Damit muss Schluss sein“, sagte Brysch. Linke-Chefin Katja Kipping kritisierte, Igel stünden für die totale Kommerzialisierung eines Teils des Gesundheitswesens.

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