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Kunst statt Kommerz: Neue Kriterien für Musikpreis gefordert

Berlin. Wie geht es weiter nach dem Echo-Aus? Verbände und Politiker fordern einen neuen Musikpreis, der künstlerische statt kommerzielle Leistungen auszeichnet - ähnlich anderen Kulturpreisen in Deutschland. Gleichzeitig geht die Debatte um Antisemitismus in der Musik weiter.

Kunst statt Kommerz: Neue Kriterien für Musikpreis gefordert

Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstützt einen Musikpreis, der sich an künstlerischer statt kommerzieller Leistung orientiert. Foto: Britta Pedersen

Nach dem Ende des Echos werden Forderungen nach neuen Kriterien bei der Preisvergabe und einer strengeren Kontrolle in der Musikbranche laut.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte am Donnerstag, ein neuer Musikpreis müsse sich an künstlerischen statt kommerziellen Leistungen orientieren. „Die Auswahl nach künstlerischen Kriterien und Jury-Entscheidungen hat sich vielfach bewährt und sollte auch hier eine Rolle spielen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Klickökonomie und Kassenlage sind einfach keine guten Ratgeber.“

Die kultur- und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Motschmann (CDU), schlug vor, sich am Deutschen Filmpreis, der Lola, zu orientieren. Der Preis wird an diesem Freitag in Berlin verliehen. „Die Preisträger wurden zuvor von den 1900 Mitgliedern der Deutschen Filmakademie ermittelt, also von den Kreativen selbst“, sagte sie.

Ähnlich äußerte sich der Deutsche Kulturrat. Ein neuer Musikpreis dürfe sich nicht nach Verkaufszahlen richten, sagte der Geschäftsführer Olaf Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. „Der Echo ist der einzige bedeutende Kunstpreis in Deutschland, der so ausgerichtet war.“ Ein neuer Musikpreis müsse sich etwa am Deutschen Buchpreis oder der Lola orientieren. „Weil dort die Frage der Qualität und des Inhalts eine ganz entscheidende Rolle spielt.“

Beim Echo entschied zuletzt eine 550-köpfige Jury über einen Großteil der Auszeichnungen. Die Nominierungen ergaben sich allerdings aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kamen auf die Liste.

2016 hatten Musikschaffende als Alternative zum Echo den „Preis für Pop-Kultur“ gegründet. Über die Auszeichnungen entscheidet eine Fach-Jury. Der Verein zur Förderung für Popkultur, der hinter dem Preis steht, betonte, dass er sich nicht als Konkurrenz zum Echo verstehe. Gleichzeitig vertrete man „die Meinung, dass ein relevanter Musikpreis analog zu den wichtigsten Preisen aus Literatur, Film oder Kunst vollkommen unabhängig von Clicks, Streams, physischen Verkäufen und sonstigen Bestmarken einzig und alleine den künstlerischen Wert einer Aufnahme/Performance/Idee honorieren sollte.“

Der Bundesverband Musikindustrie hatte am Mittwoch angekündigt, den Echo-Preis nach dem Eklat um die Ehrung für die Rapper Kollegah und Farid Bang abzuschaffen. Das Album der Rapper enthält Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust“. Nun soll überlegt werden, wie der Preis neu zu gestalten ist.

Die Debatte um Antisemitismus in der Musik ist für Ministerin Grütters damit noch nicht zu Ende. „Gerade bei Jugendlichen haben die Hass-Rapper ihren größten Erfolg“, sagte sie. „Deshalb trägt die Musikindustrie hier eine große Verantwortung.“ Weit über den Echo hinaus müsse nun darüber nachgedacht werden, wie Jugendliche stärker für die Gefahren von Antisemitismus, Menschenverachtung und Gewaltverherrlichung sensibilisiert werden können.

Der Deutsche Kulturrat forderte eine freiwillige Selbstkontrolle der Musikbranche für mehr Jugendschutz. Eine Prüfung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien reiche nicht aus. Sinnvoll sei ein Verfahren analog zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) oder der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) bei Computerspielen. „Sicher werden uns in den kommenden Wochen und Monaten auch solche Themen beschäftigen“, äußerte der Bundesverband Musikindustrie dazu am Donnerstag auf Anfrage.

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