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1:0 für die Rücksicht

Legden Dass doch das Tor direkt vorm eigenen Wohnzimmerfenster stehe - davon träumen während der Europameisterschaft viele Fußballfans. Für Karl Fischer und seine Nachbarn, die seit zwölf Jahren fast täglich Torjubel und Lattenpraller live erleben, ist das ein Alptraum. Das Oberverwaltungsgericht will ihn jetzt beenden.

06.06.2008

1:0 für die Rücksicht

<p>Das Tor und der Ballfangzaun dahinter trennen nur ein paar Büsche vom Haus eines Anliegers. Bei einem Ortstermin zeigte der Richter des Oberverwaltungsgerichts Verständnis für dessen Klage über Nerv tötenden Lärm. Lüttich-Gür</p>

Pünktlich zum Beginn des internationalen Fußballfests gellt der Schlusspfiff für einen seit 2002 anhaltenden kommunalen Fußballstreit. Karl Fischer, als pensionierter Schulrektor und Sportlehrer alles andere als ein Fußballmuffel, geht als Sieger vom Platz, die Gemeinde Legden und der Kreis Borken als Unterlegene. Der Bolzplatz - so der Inhalt des Vergleichs, den "Schiri" Dr. Brodale, Richter beim zehnten Senat des OVG, vorgeschlagen hat und dem alle Seiten gefolgt sind - muss um 90 Grad gedreht und verschoben werden. Bei der Genehmigung des Platzes an der bisherigen Stelle, so der Richter, sei das Rücksichtnahmegebot nicht ausreichend berücksichtigt.

Späte Baugenehmigung

Über das Ende des Verfahrens hat Bürgermeister Friedhelm Kleweken den Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung informiert. "Wir haben nicht gerne zugestimmt", so Kleweken, "aber es war die einzige Möglichkeit, den Platz an dieser Stelle zu retten". Innerhalb der nächsten zwölf Monate sollten die Arbeiten durchgeführt werden - auf Kosten der Gemeinde Legden. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung zu prüfen, ob sich auch der Kreis Borken - die eigentlich beklagte Partei - daran beteiligte. Schließlich habe der Kreis die Baugenehmigung erteilt.

Worüber die Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker in dieser Sitzung lieber schwiegen: Diese Baugenehmigung liegt erst seit 2003 vor - also längst nicht so lange wie der Platz existiert. "Der Bolzplatz war zwar im Bebauungsplan vorgesehenen, die Gemeinde hat ihn aber ohne Baugenehmigung errichtet" - und damit auch ohne Prüfung, ob der Platz an dieser Stelle richtig ist, so Rechtsanwalt Michael Carstens aus Osnabrück, der Fischer vertritt. Damals seien Fakten geschaffen worden, die der Kreis erst nachträglich - inzwischen hatte sich in der Nachbarschaft Protest formiert - absegnete.

"Nicht auszuhalten"

Auch wenn zurzeit nur wenige den Bolzplatz nutzten, "zwischendurch war der Lärm hier einfach nicht auszuhalten", so Fischer - nicht nur zwischen 6 und 13 sowie 15 und 21 Uhr, den offiziellen Benutzungszeiten, sondern auch darüber hinaus. Jetzt hoffen Fischer und seine Nachbarn auf geruhsamere Zeiten. sy-

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