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Lomond Campbell: Folk-Highlight aus den Highlands

Berlin. Man muss nicht unbedingt Schottland-Fan sein, um das Debütalbum von Lomond Campbell toll zu finden. Es schadet aber auch nicht, um diese bildstarke, aufregend moderne Folkmusik zu genießen. Eines der besten Alben des Jahres atmet den Geist der Highlands.

Lomond Campbell: Folk-Highlight aus den Highlands

Ziggy Campbell lädt nach Schottland ein. Foto: Heavenly/Pias/Cooperative

Es gibt in der immer breiter werdenden Sparte des modernen Neo-Folks kaum noch Alben, die wirklich hervorstechen oder „anders“ sind. Die erste Platte des Einsiedler-Projekts Lomond Campbell gehört in jeder Hinsicht dazu.

Das Ungewöhnliche fängt schon beim Bandnamen an: Der aus Edinburgh stammende, eigentlich vom elektronischen Indiepop kommende Gitarrist und Sänger Ziggy Campbell ergänzte seinen Familiennamen, als er „Black River Promise“ (Heavenly/Pias/Cooperative) in einem ländlichen Rückzugsgebiet aufgenommen hatte: in der Nähe des schottischen Berges Ben Nevis - am Loch Lomond, wo Anfang des 18. Jahrhunderts der schottische Outlaw Rob Roy gegen die Obrigkeit rebellierte.

Die in weitgehender Abgeschiedenheit mit dem zehnköpfigen Mini-Orchester The Pumpkinseeds entstandenen Songs sind von geradezu sagenhafter Schönheit. Inspiriert von den majestätischen Highlands drumherum und doch ohne jeden Anflug von Postkartenkitsch - schon das ist ein kleines Wunder für sich.

Man hört hier keine Klischee-Flöten und Fiddles, erst recht keine Dudelsäcke. Sondern fein gepickte oder wuchtig geschlagene Akustikgitarren, Standbass, etwas Mundharmonika und Pedal-Steel, ganz wenig Schlagzeug, teilweise gewaltig aufbrandende und dann wieder hauchzarte Streicher. Und als Sahnehäubchen in sieben der neun Tracks die volle, warme Stimme von Ziggy Campbell.

Die beiden Instrumentals - der dramatische, fast neo-klassisch anmutende Opener „Fallen Stag“ und später das fantastisch versonnene „Acharacle“ - rufen im Kopf zwangsläufig Bilder von rauen Gebirgslandschaften, menschenleeren Tälern, düsteren Seen und Burgruinen wach. Und doch ist dies, wie schon erwähnt, keine Musik für platte Schottland-Werbefilmchen.

Die von Campbell gesungenen Lieder sind teilweise näher - aber nie zu nah - am Pop, etwa das federleichte „The Lengths“ mit herrlich sehnsüchtiger Harmonika, das jazzig beschwingte „Brutes In Life“ oder die atmosphärische Coverversion des Folksongs „Coal Daughter“ von Nuala Kennedy. „Every Florist In Every Town“ fließt auf einem sanften Strom von Geigen und Celli dahin, ehe irgendwann ein ebenso sachter Drumbeat einsetzt. Am Ende jault ein Hund, der wohl gerade im Studio am Lomond-See herumwuselte.

Dass der 1974 gestorbene große Britfolk-Barde Nick Drake bis heute wachsenden Einfluss hat, demonstriert sogar noch deutlicher die fabelhafte Ballade „The Misery Bell“. Viele Singer-Songwriter berufen sich ja auf diesen traurigen Träumer, aber wohl noch niemand hat sich so eindrucksvoll vor Drakes Meistersong „River Man“ verbeugt wie jetzt Ziggy Campbell.

Mit dem Titeltrack „Black River Promise“ und dem abschließenden „Hurl Them Further“ wagen sich Lomond Campbell zweimal in gut siebenminütigen Kompositionen auf Avantgarde-Folk-Gelände. Hier ist alles noch ein bisschen größer und prächtiger: die Streicher unter der Regie von Pete Harvey (der auf dem Album alles in den Schatten stellt, was man dieses Jahr an feinen orchestralen Arrangements zu hören bekommt), die himmelhohen Harmonien, Ziggys emotionaler Gesang.

Wurde hier schon erwähnt, dass „Black River Promise“ das Folk-Highlight dieses Jahres ist, dazu auch noch de facto aus dem Nichts? Man muss die Platte nicht unbedingt bei einer Fahrt von Edinburgh Richtung Norden hören, um es zu erkennen. Obwohl dies natürlich der optimale äußere Rahmen wäre...

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