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Prozess in Düsseldorf

Loveparade-Zeuge sah bewusstlose Frau in Menge versinken

Düsseldorf Was genau geschah beim Loveparade-Unglück? Am achten Tag des Strafprozesses hat das Gericht einen Mann befragt, der die Katastrophe von Duisburg überlebte. Der Zeuge berichtete, wie er und ein Anderer vergeblich versucht hätten, eine Frau aus dem Gedränge zu ziehen. Dann habe sie aufgehört zu atmen.

Loveparade-Zeuge sah bewusstlose Frau in Menge versinken

Im Loveparade-Verfahren am Landgericht Duisburg sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Foto: dpa

Im Loveparade-Prozess hat am Dienstag ein Augenzeuge der Katastrophe von Duisburg geschildert, wie im Gedränge neben ihm eine Frau bewusstlos wurde und in der Menge versank. Der junge Mann tritt auch als Nebenkläger auf. Er berichtete, wie er und ein Anderer noch versucht hätten, die Frau aus der Menschenmenge zu ziehen, es jedoch nicht schafften. Dann habe sie aufgehört zu atmen und sei neben ihm verschwunden. Ob sie überlebt habe, wisse er nicht.

Der Zeuge berichtete, dass er mit vier Freunden die Technoparade auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände besuchen wollte. Am Fuß der Rampe, dem einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände, kamen sie nicht mehr weiter. Das Gedränge sei schließlich so stark gewesen, dass er seinen linken Arm nicht mehr nach oben habe heben können.

„Hatte den Eindruck, die Frau neben mir stirbt gerade“

„Ich erinnere mich, dass an meiner Seite ein junger Mann geschrien hat, seine Freundin bekomme keine Luft mehr“, sagte er in sachlichem Ton. Sie hätten noch versucht, sie herauszuziehen, doch es nicht geschafft. „Sie hat erst schnell hektisch geatmet und dann nicht mehr geatmet.“

Dann sei sie neben ihm versunken. „Ich hatte den Eindruck, dass die Frau neben mir gerade stirbt.“ Ab dem Zeitpunkt sei ihm bewusst gewesen, dass es auch ihm so gehen könnte. „Ich bin nicht panisch geworden, hatte aber durchaus Angst um mein Leben.“ Er habe versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Düsseldorf Im Loveparade-Prozess hat die Beweisaufnahme begonnen. Schwer atmend berichtete die erste Zeugin von dem, was ihr und vielen anderen am 24. Juli 2010 in Duisburg widerfuhr. Ein Verteidiger versuchte vorab, die Vernehmung zu verzögern.mehr...

Später sei er aus dem Gedränge gezogen worden und habe Duisburg wieder verlassen. Er sagte aus, unverletzt geblieben zu sein und auch danach keinen Arzt aufgesucht zu haben. Der Vorsitzende Richter musste ihn daraufhin eines Besseren belehren: Er sei zwei Tage nach dem Unglück sehr wohl bei einem Arzt gewesen. An diesen Arztbesuch konnte sich der Mann nach eigenen Angaben jedoch auch dann nicht erinnern. „Ich bin der Meinung, ich habe es relativ gut verkraftet“, sagte er.

Beim Loveparade-Unglück am 24. Juli 2010 in Duisburg waren in einem Gedränge 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden. Der Prozess vor dem Landgericht Duisburg gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent hatte im Dezember begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor. An den kommenden Verhandlungstagen will das Gericht weitere Nebenkläger befragen. Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten findet der Prozess in einer Kongresshalle in Düsseldorf statt.

dpa

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