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Mario Adorf über die Aktualität von Karl Marx

Hamburg/Berlin. Karl Marx war ein bedeutender Denker. Nun wird er in einem TV-Film von einem ebenfalls bedeutenden Schauspieler dargestellt.

Mario Adorf über die Aktualität von Karl Marx

Filmszene aus „Karl Marx - Der deutsche Prophet“. Karl Marx (Mario Adorf) mit seiner Tochter Eleanor (Sarah Hostettler). Foto: Martin Christ/ZDF

Mario Adorf (87) darf getrost als lebende Schauspiellegende bezeichnet werden. An diesem Samstag (20.15 Uhr, Arte) und am 2. Mai (20.15 Uhr, ZDF) ist er in der Hauptrolle des Dokudramas „Karl Marx - der deutsche Prophet“ zu sehen.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über diese ganz besondere Rolle, wie er Karl Marx sieht, und darüber, was existenzielle Erfahrungen wie Hunger für ihn persönlich bedeutet haben.

Frage: Der Philosoph Karl Marx scheint aktueller zu sein denn je.

Antwort: O ja, durchaus - das sehe ich auch so. Er ist im Grunde noch aktueller als zu seinen Lebzeiten. Der Zustand der Welt ist meines Erachtens noch viel dramatischer als damals, als es um die Schicksale der ausgebeuteten Arbeiter ging. Heute geht es global um das Unverhältnis von arm und reich, die sich immer mehr öffnende Schere von arm und reich.

Frage: Wie sehen Sie Karl Marx als Persönlichkeit?

Antwort: Karl Marx ist ja schon allein als Persönlichkeit bemerkenswert. Ein großer Denker. In seiner Theorie wollte er die Welt retten, war aber nicht in der Lage, seiner Familie das tägliche Brot zu verschaffen. Bei allem Selbstbewusstsein, über das er wohl verfügte, muss er eine ziemlich zerrissene Figur gewesen sein. Er hatte im Grundsatz wohl in vielem recht, aber - so sah er es selbst - wenn er nicht recht hatte, so hatte er im Unrecht doch noch mehr recht als die anderen.

Frage: Es gibt Themen wie Armut, Hunger, Ungerechtigkeit, die allesamt nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Antwort: Wohl wahr. Wenn man nicht gehungert hat im Leben, dann kann man wohl kaum Verständnis dafür haben, was das bedeutet und wie weh das tun kann. Diese Erfahrung prägte zehn Jahre meines Lebens in der Nachkriegszeit, und ich möchte sie niemandem wünschen. Ich war auch nicht immer willkommen, in Italien war ich Fremdarbeiter und manchmal sehr unerwünscht. Ich wurde in Hollywood noch 1964 als Nazi verdächtigt. Diese Erfahrungen schwingen noch immer in mir mit. Ich habe mich immer als Europäer gesehen und wünsche mir den Erhalt eines starken Europas. Umso mehr schmerzt es mich, wenn ich derzeit sehe, was in Italien, in Osteuropa, aber auch bei uns passiert. Das ist schon sehr besorgniserregend.

Frage: Wie haben Sie sich der Figur Karl Marx genähert?

Antwort: Allzu sehr musste ich mich gar nicht vorbereiten, denn ich trug mich ja schon jahrelang mit dem Gedanken herum, diese Figur spielen zu wollen. Insofern hatte ich mich schon länger mit Karl Marx und seinem Leben beschäftigt. Wichtiger war jetzt zu erfahren, wie ich rein äußerlich zu dieser Figur werde, also wie schwierig es sein würde, sich in einer solchen Maske zu bewegen.

Frage: Sind Sie mit der Erzählform des Dokudramas zufrieden?

Antwort: Ein reiner Spielfilm wäre mir lieber gewesen, mit einer Dokumentation davor oder danach. Das Dokudrama ist als eine Mischform von Dokumentation und Fiktion gewöhnungsbedürftig, weil sich beim Zuschauen die dokumentarischen und fiktionalen Teile zwar besser erklären, sich aber oft auch gegenseitig stören und enttäuschen können.

Frage: Woran arbeiten Sie derzeit?

Antwort: Gerade habe ich eine kleine Gastrolle in einem Film mit Christiane Hörbiger (AT: „Einmal Sohn, immer Sohn“, Das Erste) abgedreht, danach ist ein Kurzfilm geplant nach der Geschichte „Schischyphusch“ von Wolfgang Borchert. Mit dem Theaterspielen habe ich vor einigen Jahren aufgehört, weil es zu zeitraubend geworden ist. Ich warte auf weitere Filmangebote und kann sagen, dass mir das Spielen immer noch Spaß macht.

ZUR PERSON: Mario Adorf (87) wurde am 8. September 1930 in Zürich geboren. Große Bekanntheit erlangte er mit den Kinofilmen „08/15“ (1954/55), „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) sowie „Winnetou I“ (1963). Er drehte ferner Filme wie „Die Blechtrommel“ 1978) und „Lola“ (1981). Für das Fernsehen entstanden „Der große Bellheim“ (1993, ZDF) oder „Altersglühen - Speed Dating für Senioren“ (2014, Das Erste). In dem Dreiteiler „Winnetou - Der Mythos lebt“ (2016, RTL) war er als Schurke Santer zu sehen. Mario Adorf spielte an vielen Theatern, schreibt Bücher und lebt in München und Paris.

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