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Wohnprojekte in Nordkirchen

Mehr als gute Nachbarschaft

Nordkirchen Die Gemeinde Nordkirchen und das Quartiersmanagement „Miteinander in Nordkirchen“ (Mino) denken über eine neue Form des Zusammenlebens nach: In gemeinschaftlichen Wohnprojekten sollen sich die Bewohner gegenseitig im Alltag helfen. Das kann für jeden etwas anderes bedeuten.

Mehr als gute Nachbarschaft

Jung und Alt leben unter einem Dach. Wie hier in einem Mehrgenerationenhaus in Apolda (Thüringen) ist das bereits alltäglich. Auch in Nordkirchen gibt es mittlerweile Überlegungen, alternative Wohnformen an den Start zu bringen. Foto: picture alliance / dpa

Ein eigenes, großes Haus mit Garten – so stellen sich immer noch viele Familien ihre ideale Wohnsituation vor. Doch immer mehr Menschen wünschen sich heute eine andere Form des Zusammenlebens. Das bestätigt auch Josef Klaas, Bauamtsleiter in Nordkirchen: „Alternative Wohnformen nehmen an Bedeutung zu.“

Aus diesem Grund hat die Gemeinde am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten veranstaltet. Nordkirchen verfolgt damit auch ein langfristiges Ziel: Man wolle garantieren, dass jeder, so Klaas, „von der Geburt bis zum Lebensende“ in seinem Ortsteil wohnen bleiben könne.

In Zeiten des demografischen Wandels werde das immer wichtiger. „Viele Menschen gehen mit Anfang 60 in Rente und freuen sich, wenn sie sich in gemeinschaftlichen Aktivitäten einbringen können“, erklärt Klaas. In einem Wohnprojekt könnten die Älteren dann beispielsweise Familien bei der Kinderbetreuung unterstützen. Im Gegenzug könnten die Jüngeren Einkäufe übernehmen oder bei kleineren Reparaturen im Haus helfen.

Viele Menschen mit Eigenheim kennen die Situation. Wenn die Kinder erst einmal aus dem Haus sind, steht schnell die Frage im Raum: Was sollen wir mit dem ganzen Platz? So ging es auch Peter Becker, dem Vorsitzenden von „Gemeinsam Wohnen Lünen e.V.“. Er beschloss, sich zu verkleinern. Und begann dabei zu hinterfragen, wie die ideale Wohnsituation aussehen könnte.

Durch einen Vortrag von Dr. Henning Scherf, dem früheren Bürgermeister von Bremen, wurde er auf die Idee „Gemeinschaftliches Wohnen“ aufmerksam. Die Grundidee sei die einer „guten Nachbarschaft oder auch Großfamilie, in der sich Alt und Jung unterstützen“, erklärt Becker. Diese Vorstellung fand auch bei anderen Anklang. Man schloss sich zusammen und begann mit der Planung des Wohnprojekts „Am Wüstenknapp“ in Lünen, das dieses Jahr fertiggestellt werden soll. Das Zusammenleben in den 35 Wohneinheiten stellt er sich so vor: „Wir wollen uns gegenseitig unterstützen und gemeinsame Aktivitäten planen.“ Aber: Alles solle auf freiwilliger Basis stattfinden.

Projekt in Nordkirchen

Sofie Eichner gehört zum Team des Quartiersmanagements „Miteinander in Nordkirchen“ (Mino), das die Gemeinde „bei der Umsetzung von Ideen und Netzwerken für ein gutes Miteinander“ unterstützt. Zu diesen Ideen gehören auch gemeinschaftliche Wohnprojekte in Nordkirchen.

Dabei soll das Thema Inklusion im Mittelpunkt stehen: „Uns interessiert, wie man alle Menschen einbindet und wie sie bestmöglich zusammenleben“, erzählt Eichner. Nach dem Termin am Mittwoch müsse nun abgewartet werden, ob eine Gruppe entsteht, die das Projekt langfristig vorantreiben möchte. Momentan gehe es laut Eichner aber erst einmal darum, „viel zu reden, zu überlegen und sich zu finden“. Im weiteren Verlauf würde das Quartiersmanagement dann als Informant und Mediator zur Seite stehen, „Tipps und Hinweise geben und den Findungsprozess begleiten“.

Auch Eichner betont, dass dies ein Ansatz sei, um mit dem demografischen Wandel umzugehen. Bis jetzt seien solche Wohnprojekte vor allem im städtischen Kontext zu finden. „Ich glaube aber, dass das auch in ländlichen Gebieten viel Potential hat“, erklärt sie. Alleine einen solchen Prozess zu begleiten, sei wertvoll für jeden Interessierten. Dabei lerne man nämlich vor allem etwas über sich selbst und fände eine Antwort auf die Frage: „Wie stelle ich mir Wohnen vor?“ Für diejenigen, die am Mittwoch ihr Interesse bekundet haben, veranstaltet das Mino bald einen Workshop. Dabei sollen Wünsche und Vorstellungen gesammelt werden. Die Gruppe muss dann entscheiden, wie sie weiter vorgehen möchte. Das Mino will das Projekt dabei unterstützen, auch wenn es um Fragen der Organisation und Finanzierungsform geht.

Großfamilienersatz

„Gemeinsam Wohnen mit Jung und Alt eG“ in Sankt Augustin-Menden macht vor, wie das Zusammenleben funktionieren kann. Seit 2014 leben in der Wohngemeinschaft 42 Menschen. Das Projekt ist als Genossenschaft organisiert: Jeder Bewohner trägt durch eine Einlage zur Finanzierung der Anlage bei.

Das Zusammenleben findet nicht nur in dem Gemeinschaftsraum statt, sondern auch in zahlreichen Arbeitsgemeinschaften, mit denen die Bewohner viele der anfallenden Dienstleistungen selbst übernehmen. Ob Garten oder Haustechnik – man hilft zusammen.

Für Peter Kelkel genau die richtige Wohnform: „Ich stamme aus einer Großfamilie und betrachte diese Wohnform als Ersatz“, erklärt er. Diese Großfamilie hat er in Sankt Augustin gefunden: Der jüngste Bewohner ist vier Jahre alt, der älteste 98.

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